Pro­tes­te rund um die Welt

Hun­dert­tau­sen­de bei Frau­en­mär­schen ge­gen US-Prä­si­dent Do­nald Trump

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE -

Ei­nen Tag nach dem Amts­an­tritt von USPrä­si­dent Do­nald Trump ha­ben sich sei­ne Geg­ner laut­stark zu Wort ge­mel­det: In Washington ström­ten ges­tern über­wie­gend Frau­en zu ei­ner Groß­de­mons­tra­ti­on ge­gen den Rechts­po­pu­lis­ten zu­sam­men, er­war­tet wur­den bis zu ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen. Auch in an­de­ren US-Städ­ten und rund um die Welt gin­gen Trump-Geg­ner auf die Stra­ße. An die Stel­le der ro­ten Schirm­müt­zen mit dem Trump-Slo­gan „Ma­ke Ame­ri­ca Gre­at Again“, die wäh­rend der Ve­rei­di­gung am Frei­tag auf der Na­tio­nal Mall in Washington mas­sen­haft zu se­hen wa­ren, tra­ten ges­tern vie­le pink­far­be­ne Strick­müt­zen mit Kat­zen­durch oh­ren: Sie sind das Sym­bol des „Wo­men’s March on Washington“, zu dem Ak­ti­vis­tin­nen für den gest­ri­gen Sams­tag auf­ge­ru­fen hat­ten. Schon am frü­hen Mor­gen wa­ren Wa­shing­tons U-Bah­nen völ­lig über­füllt mit über­wie­gend weib­li­chen De­mons­tran­ten. Un­ter­stüt­zung gab es von Pro­mi­nen­ten: Hol­ly­wood­Star Scar­lett Jo­hans­son und Re­gis­seur Micha­el Moo­re soll­ten als Red­ner auf­tre­ten. Trumps Wahl­kampf-Ri­va­lin Hil­la­ry Cl­in­ton be­kun­de­te den De­mons­tran­ten im Kurz­mit­tei­lungs­dienst Twit­ter ih­re Un­ter­stüt­zung: „Dan­ke, dass ihr für un­se­re Wer­te auf­steht, sprecht und mar­schiert“, schrieb sie. Der Marsch in Washington war das Zen­trum der welt­wei­ten Pro­test­ak­ti­on mit mehr als 600 „Schwes­ter­mär­schen“im In- und Aus­land. Den Auf­takt hat­ten Aus­tra­li­en und Neu­see­land gemacht. In Lon­don nah­men den Or­ga­ni­sa­to­ren zu­fol­ge 100 000 Men­schen teil. Auch in Ber­lin, Paris, Prag, Ams­ter­dam und vie­len an­de­ren eu­ro­päi­schen Städ­ten gin­gen Trump-Geg­ner auf die Stra­ße. Rund 800 Men­schen ha­ben in Hei­del­berg bei ei­nem so­ge­nann­ten „Wo­men’s March“für ge­sell­schaft­li­che Viel­falt und ge­gen Auf­fas­sun­gen des neu­en US-Prä­si­den­ten de­mons­triert. Die Stim­mung sei fried­lich und sehr aus­ge­las­sen gewesen, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher. Die De­mons­tran­ten, vor al­lem Frau­en, wa­ren die Fuß­gän­ger­zo­ne bis vor das Rat­haus ge­zo­gen. Sicht­ba­re Trump-Fans zähl­te die Po­li­zei in Hei­del­berg nur vier – sie hiel­ten ein Pla­kat mit ei­nem Kon­ter­fei des US-Prä­si­den­ten in die Hö­he. In an­de­ren deut­schen Städ­ten gin­gen eben­falls Men­schen auf die Stra­ße. Die größ­te deut­sche An­ti-Trump-Kund­ge­bung mit rund 2 000 Teil­neh­mern gab es in Frankfurt. Trump hat­te sich im Wahl­kampf wie­der­holt ab­fäl­lig über Frau­en ge­äu­ßert. Seit Jahr­zehn­ten hat kein US-Prä­si­dent der­art po­la­ri­siert wie der rechts­po­pu­lis­ti­sche Im­mo­bi­li­enmil­li­ar­där Trump. Am Ran­de der Amts­ein­füh­rung hat­te es in Washington am Frei­tag ge­walt­sa­me Pro­tes­te und mehr als 200 Fest­nah­men gegeben. Für Trump stand ges­tern die Teil­nah­me an ei­nem öku­me­ni­schen Got­tes­dienst in der Na­tio­nal­ka­the­dra­le von Washington auf dem Pro­gramm. Kurz­fris­tig kün­dig­te er zu­dem ei­nen Be­such beim Ge­heim­dienst CIA an. Dem kommt ei­ne star­ke sym­bo­li­sche Be­deu­tung zu, nach­dem Trump die US-Ge­heim­diens­te wie­der­holt scharf kri­ti­siert hat­te. Trump hat­te am Frei­tag mit der Pa­ro­le „Ame­ri­ka zu­erst“sein Amt an­ge­tre­ten. Noch am sel­ben Tag un­ter­zeich­ne­te er ei­ne Exe­ku­tivan­ord­nung, um die „Las­ten“der Ge­sund­heits­re­form zu mi­ni­mie­ren. In dem De­kret gab er al­len staat­li­chen Stel­len die Er­laub­nis, „Oba­ma­ca­re“nicht an­zu­wen­den oder die Re­form zu ver­zö­gern, soll­te sie ei­ne „fi­nan­zi­el­le Be­las­tung“dar­stel­len. Trumps St­abs­chef sprach von ei­ner Zwi­schen­lö­sung, bis die Re­form ab­ge­schafft wer­de.

Bis zu ei­ner hal­ben Mil­li­on Men­schen – vor al­lem Frau­en, aber auch vie­le Män­ner – wur­den beim „Wo­men’s March on Washington“er­war­tet. Fo­tos: AFP

„Lo­ve trumps ha­te“– zu Deutsch: „Lie­be tri­um­phiert über Hass“war – wie hier vor dem Brandenburger Tor – oft auf Pla­ka­ten der De­mons­tran­ten zu lesen.

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