Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - von Hei­di Winckel­mann, ka­tho­li­sche Schul­de­ka­nin, Karls­ru­he

Mei­ne Freun­de, zu Hil­fe! Ei­ne Frau ist heu­te Nacht um drei Uhr er­fro­ren auf dem Bür­ger­steig des Bou­le­vard Sé­bas­to­pol. Je­de Nacht gibt es mehr als 2 000 Ob­dach­lo­se, in der Käl­te, oh­ne Dach, oh­ne Brot, ei­ni­ge fast nackt.“– Er­in­nern Sie sich an Ab­bé Pièr­re (Hen­ri An­toi­ne Grouès), der im Fe­bru­ar 1954 sei­ne Lands­leu­te zur Not­hil­fe für Ob­dach­lo­se auf­rief? Ab­bé Pièr­res To­des­tag jährt sich zum zehn­ten Mal. Ein groß­ar­ti­ger ka­tho­li­scher Pries­ter, dem bis zu­letzt die Sor­ge um so­zi­al be­droh­te Men­schen am Her­zen lag. Als Kind lern­te er von sei­nem Va­ter So­zi­al­pflich­tig­keit als christ­li­che Ver­ant­wor­tung. Aus Dank für Reich­tum zeig­te der Va­ter, dass die Ar­men in un­se­rer Ge­sell­schaft nicht ver­ges­sen wer­den dür­fen und leis­te­te hu­ma­ni­tä­re Hil­fe, in­dem er Ob­dach­lo­sen die Haa­re schnitt und mit­half, sie kos­ten­frei mit Es­sen und Klei­dung zu ver­sor­gen. Der jun­ge Pries­ter stell­te sich eben­falls sei­ner Ver­ant­wor­tung für so­zi­al Aus­ge­schlos­se­ne und schloss sich in der Zeit der NS-Dik­ta­tur der fran­zö­si­schen Ré­sis­tan­ce an. Un­ter dem Deck­na­men „Pièr­re“ver­half er jü­di­schen und po­li­tisch Ver­folg­ten zur Flucht. Er kämpf­te für die Rech­te von Stra­ßen­kin­dern in Süd­ame­ri­ka, ge­gen den Frau­en­han­del in Bos­ni­en und setz­te sich für Aids­kran­ke ein. In Paris wirk­te er als Ar­men­pries­ter un­ter Lum­pen­samm­lern und bau­te ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on auf, die Ob­dach­lo­sen Her­ber­ge, Es­sen, Ge­mein­schaft und ein Wie­der­ein­stiegs­pro­gramm durch Ar­beit bot. Dies ist der Be­ginn der von ihm ge­grün­de­ten Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­ti­on Emm­aus, ei­ner Stif­tung mit 500 Ge­mein­schaf­ten in 43 Län­dern. Auch in Karls­ru­he tra­gen die Kir­chen und vie­le Chris­ten dia­ko­ni­sche Für­sor­ge. Ne­ben bei­spiels­wei­se den Sup­pen­kü­chen, der Bahn­hofs­mis­si­on und den vie­len, auch schu­li­schen Ein­sät­zen für in Not ge­ra­te­ne Men­schen bie­tet in der käl­tes­ten Jah­res­zeit die Ve­sper­kir­che für vier Wo­chen Ein­lass und Gast­lich­keit und setzt da­mit ein wich­ti­ges Zei­chen ge­gen so­zia­le Aus­gren­zung und für so­zia­les En­ga­ge­ment.

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