Ko­bra, Hund und Baum

Yo­ga ist ei­ne Mi­schung aus Be­we­gung und Me­di­ta­ti­on

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Ja­kobs Ma­ma steht mor­gens ei­ne St­un­de frü­her auf, als sie ei­gent­lich müss­te. Sie trinkt Kaf­fee, liest Zei­tung – und macht Yo­ga. Ja­kob kos­tet lie­ber je­de Mi­nu­te Schlaf aus. Sei­ne Ma­ma aber sagt, sie kom­me so bes­ser in den Tag. Mit Yo­ga. Ih­re Übun­gen hei­ßen „Ko­bra“, „Baum“oder „her­ab­schau­en­der Hund“. Sie sitzt, hockt, liegt oder steht da­zu bar­fuß auf ei­ner Gym­nas­tik­mat­te. Zum Schluss legt sich Ma­ma auf den Rü­cken und be­wegt zwei Mi­nu­ten lang gar nichts. Das nennt sie „Sha­vas­a­na“. Als Ja­kob nach­mit­tags für ei­ne Haus­auf­ga­be im In­ter­net re­cher­chiert, gibt er „Sha­vas­a­na“in die Such­ma­schi­ne ein und fin­det im Le­xi­kon den Ein­trag: „Yo­ga­po­si­ti­on, zu Deutsch: Lei­chen­hal­tung.“Ja­kob stutzt: Ma­ma ent­spannt, in­dem sie wie ei­ne Lei­che sein will? Was ist das für ein schrä­ger Sport? Die Über­set­zung macht kei­ne Lust auf Yo­ga, trotz­dem ist es so be­liebt. Yo­ga ist kein Sport, wird aber häu­fig zu den Sport­ar­ten ge­zählt, weil es aus kör­per­li­chen Übun­gen be­steht. Das stimmt al­ler­dings nur zur Hälf­te:

Nach dem Auf­ste­hen macht Ma­ma Übun­gen

Yo­ga ist ei­ne Mi­schung aus Be­we­gung und Me­di­ta­ti­on. Yo­ga kommt aus In­di­en und sein Na­me be­deu­tet „ver­ei­nen“. Yo­ga heißt die Leh­re, die Kör­per und Geist ver­eint. Das meint Ja­kobs Ma­ma, wenn sie sagt, sie kommt bes­ser in den Tag. Yo­ga hilft ihr, die Ge­dan­ken zu sor­tie­ren und wach und fit zu wer­den. Vor 2 500 Jah­ren wur­de Yo­ga er­fun­den. In der Re­li­gi­on der meis­ten In­der, dem Hin­du­is­mus, dreht sich viel um Kreis­läu­fe und den Ein­klang von Kör­per und Geist. Hin­dus glau­ben, dass sie nach dem Tod wie­der­ge­bo­ren wer­den. Das kann auch als Tier sein! Die Men­schen, die Yo­ga ent­wi­ckel­ten, be­ob­ach­te­ten des­halb Tie­re und Pflan­zen genau und ahm­ten de­ren Be­we­gun­gen nach. So kommt es, dass Yo­ga-Übun­gen nach Tie­ren oder Pf lan­zen be­nannt sind. Zu den be­kann­tes­ten zählt der Lo­tus­sitz, des­sen Na­me sich von der Lo­tus­blu­me ab­lei­tet. Er sieht aus wie ein Schnei­der­sitz, bei dem die Fü­ße auf den Ober­schen­keln ab­ge­legt wer­den. Wich­tig ist auch die Hand­hal­tung: Im Lo­tus­sitz legt ein Yo­gi – so heißt je­der, der Yo­ga übt – die Hän­de mit nach oben ge­öff­ne­ten Hand­flä­chen auf den Kni­en ab. Da­hin­ter ver­birgt sich der Ur-Zweck des Yo­gas, Kör­per und See­le zu ver­ei­nen. Die Hal­tung drückt aus, dass man of­fen ist. Sym­bo­lisch lie­gen die Hand­flä­chen of­fen auf den Kni­en. Eu­ro­pä­er und Ame­ri­ka­ner ach­ten beim Yo­ga aber mehr auf die Be­we­gung, wie bei je­dem Sport. Im Yo­ga kommt es nicht auf die Dau­er und die Per­fek­ti­on ei­ner Übung an, son­dern dar­auf, dass man sie wie­der­holt. Das klingt ein­fach, kann aber ge­nau­so an­stren­gen wie Jog­gen oder Tur­nen. Bei je­der Übung spannt man ab­wech­selnd die Mus­keln an und löst sie wie­der. Da­bei ist re­gel­mä­ßi­ges At­men wich­tig, denn wer bei ei­ner an­stren­gen­den Übung die Luft an­hält, ver­krampft.

lässt sich gleich­mä­ßi­ges At­men gut trai­nie­ren. So geht’s: Im Winter hal­ten Bä­ren Win­ter­schlaf. Ihr Atem ist ru­hig und ent­spannt. Zu­nächst durch die Na­se ein­at­men und da­bei bis fünf zäh­len, dann die Luft kurz an­hal­ten und bis drei zäh­len. An­schlie­ßend durch den Mund aus­at­men und wie­der bis fünf zäh­len. Die Übung fünf­mal wie­der­ho­len.

trai­niert das Gleich­ge­wicht: Ge­ra­de hin­stel­len, ein Bein an­win­keln und den Fuß an die In­nen­sei­te des Stand­beins le­gen. Die Hän­de mit den Hand­flä­chen ent­we­der vor der Brust zu­sam­men­füh­ren oder über den Kopf stre­cken, als hät­te man ei­nen spit­zen Hut auf. So kurz ste­hen blei­ben und ru­hig ein- und aus­at­men.

dehnt und ent­spannt Bei­ne und Rü­cken. Die Übung be­ginnt auf Hän­den und Kni­en, dann stellt man die Bei­ne auf, oh­ne aber die Hän­de von der Mat­te zu neh­men. Der Kör­per be­kommt die Form ei­nes Da­ches – oder er­in­nert an ei­nen Hund, der sich dehnt. Wenn es weh­tut, die Fuß­soh­len ganz auf den Bo­den zu stel­len, rei­chen auch die Ze­hen­spit­zen!

wird der Rü­cken ge­dehnt, vor al­lem nach lan­gem Sit­zen ist das an­ge­nehm: Auf den Bauch le­gen und mit den Ar­men den Ober­kör­per hoch­stem­men. Ein biss­chen sieht die Übung aus wie ei­ne Lie­ge­stüt­ze, bei der Ko­bra aber blei­ben Be­cken und Bei­ne auf dem Bo­den lie­gen, nur der Brust­korb be­wegt sich. Die­se und an­de­re Übun­gen sind aus dem Kar­ten-Set „Yo­ga für Kin­der“(ab acht Jah­re). 50 Bei­spie­le er­klä­ren mit Zeich­nun­gen und kur­zen Tex­ten, wie ei­ne Fi­gur oder Yo­ga-Stel­lung ab­läuft und was sie be­wirkt. Das Spiel ist im Mo­ses-Ver­lag er­schie­nen und kos­tet 14,95 Eu­ro. Mehr über die Ur­sprün­ge des Yo­ga als in­di­sche Leh­re der Ver­bin­dung von Kör­per und Geist kön­nen auch jün­ge­re Kin­der im Wim­mel­buch „Litt­le Gu­rus“auf den tol­len Bil­dern von Olaf Ha­jek ent­de­cken, er­schie­nen bei Cop­pen­rath, 16 Sei­ten, 14,95 Eu­ro.

Aus dem Yo­ga-Wim­mel­buch „Litt­le Gu­rus“stammt die­se schö­ne Zeich­nung. Durch die vie­len bun­ten Bil­der füh­len sich auch ganz jun­ge Kin­der an­ge­spro­chen. Jun­gen und Mäd­chen ab et­wa drei Jah­ren kön­nen un­be­fan­gen und spie­le­risch in das The­ma Yo­ga ein­tau­chen. Ab­bil­dung: Olaf Ha­jek, Bo­hem/Cop­pen­rath.

Yo­ga ist gut für Kin­der, zu­min­dest für die meis­ten. Es be­ru­higt die At­mung, baut Span­nun­gen ab und ver­bes­sert die Ko­or­di­na­ti­ons­fä­hig­keit so­wie die Kon­zen­tra­ti­on. Fo­to: Af­ri­ca Stu­dio/Ado­be Stock

Das Kar­ten-Set „Yo­ga für Kin­der“er­klärt in 50 Bei­spie­len mit Zeich­nun­gen und kur­zen Tex­ten kind­ge­recht, wie ei­ne Fi­gur oder Yo­ga-Stel­lung ab­läuft und was sie be­wirkt. Ab­bil­dung: Mo­ses-Ver­lag

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