Ein Traum­schiff zum Ge­burts­tag

Am Vier­wald­stät­ter­see liegt Eu­ro­pas größ­te Süß­was­ser­flot­te vor An­ker

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Mar­co Wehr

Lu­zern heißt der Hei­mat­ha­fen der alt­ehr­wür­di­gen Schiff­fahrts­ge­sell­schaft Vier­wald­stät­ter­see (SGV AG), die in die­sem Jahr ih­rem Ju­bi­lä­um ent­ge­gen­sieht. Ei­ne stol­ze Flot­te von fünf his­to­ri­schen Rad­damp­fern und 16 Mo­tor­schif­fen nennt sie ihr Ei­gen. Nir­gends in Eu­ro­pa tum­meln sich im Bin­nen­land mehr Schif­fe ei­ner ein­zi­gen Ge­sell­schaft als auf dem fjordähn­li­chen Ge­wäs­ser mit sei­nen vie­len Ar­men. Von hier aus star­ten die Boo­te zu mehr als 30 Or­ten rund um den ma­le­ri­schen Voral­pen­see, dar­un­ter zu at­trak­ti­ven Aus­flugs­zie­len wie Vitz­nau oder Küss­nacht, wo schon Goe­the und Bay­ern­kö­nig Lud­wig II. al­pen­län­di­sches Flair at­me­ten. Ur­sprüng­lich ein nor­ma­les Ver­kehrs­mit­tel, um die weit ver­streu­ten Or­te am Ufer mit­ein­an­der zu ver­bin­den und Wa­ren zum Gott­hard-Pass zu trans­por­tie­ren, hat sich die tra­di­ti­ons­rei­che Schiff­fahrt längst als ei­gen­stän­di­ge tou­ris­ti­sche At­trak­ti­on eta­bliert. Knapp 2,5 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re wur­den im Jahr 2015 auf dem Vier­wald­stät­ter­see be­för­dert, rund drei Vier­tel da­von Ein­hei­mi­sche, aber auch im­mer mehr Gäs­te aus Chi­na und Nord­ame­ri­ka be­fin­den sich un­ter den Fahr­gäs­ten. Im Ju­bi­lä­ums­jahr er­war­tet die Lu­zer­ner Ree­de­rei noch wei­te­ren Zu­wachs. „Wir pla­nen zwar kei­ne be­son­de­ren Events ex­tra für das Ju­bi­lä­um, aber mit un­se­rem neu­en hy­per­mo­der­nen Mo­tor­schiff, das am 4. Mai ge­tauft wird und dann gleich zur Jung­fern­fahrt aus­läuft, wer­den wir si­cher­lich ei­nen Mei­len­stein hin­sicht­lich Qua­li­tät und Schiff­fahrt in der Schweiz set­zen“, ist sich Mar­ti­na Kum­li, Lei­te­rin Mar­ke­ting Schiff­fahrt der SGV AG, si­cher. Der Na­me wird erst am Tauf­tag be­kannt­ge­ge­ben. Das neue Flagg­schiff wird das ers­te kli­ma-neu­tra­le der Schweiz sein. Mar­tin Wi­cki, Lei­ter Schiff­fahrt der SGV AG, ist si­cher: „Die­ses Schiff wird der neue Maß­stab für die Bin­nen­schiff­fahrt sein. Es ist ei­ne Sum­me von ein­zig­ar­ti­gen Al­lein­stel­lungs­merk­ma­len, an­ge­fan­gen vom auf­re­gen­den Nau­ti­lusRaum mit Un­ter­was­ser­sicht über die Was­ser­ter­ras­se mit fri­schem See­was­ser und der ver­schließ­ba­ren In­nen­ga­le­rie bis zur dreh­ba­ren Kom­pass­lounge auf dem Son­nen­deck und der 360-Grad-Rund­sicht auf dem Pan­ora­ma­deck.“ Be­gon­nen hat die Er­folgs­ge­schich­te der Lu­zer­ner Schif­fer am 24. Sep­tem­ber 1837 mit der Jung­fern­fahrt der „Stadt Lu­zern“, auf der rund 300 Pas­sa­gie­re ans an­de­re En­de des Sees nach Flüe­len schip­per­ten. Der da­mals so in­no­va­ti­ve Dampf­an­trieb rief je­doch Kri­ti­ker auf den Plan, al­len vor­an die Schiffs­leu­te-Zünf­te. Sie sa­hen ih­re Exis­tenz durch die neue Kon­kur­renz ge­fähr­det. Die Re­gie­rung des Kan­tons Uri ver­bot so­gar zeit­wei­se die An­lan­dung der „Stadt Lu­zern“an ih­ren Ufern – nach gut ei­nem Jahr je­doch war der Bann ge­bro­chen. Die kon­ser­va­ti­ven Ur­ner mit ih­ren Se­gel- und Ru­der­boo­ten konn­ten sich dem neu­en Zeit­al­ter nicht län­ger ver­schlie­ßen – es war der Start­schuss ei­ner Er­folgs­ge­schich­te, die bis heu­te an­hält. Sie fin­det am 13. Mai mit ei­nem ganz be­son­de­ren Er­eig­nis auf dem Vier­wald­stät­ter­see ih­ren Hö­he­punkt. Die fünf nost­al­gi­schen Dampf­schif­fe der SGV be­grü­ßen dann den fu­tu­ris­ti­schen Neu­zu­gang der Flot­te mit ei­ner fei­er­li­chen Schiffs­pa­ra­de. Wer nicht bis Mai war­ten will, legt schon in die­sem Winter in Lu­zern ab, zum Bei­spiel zum Win­ter­sport. Dick ver­mummt und mit Ski, Snow­boards und Ro­del­schlit­ten geht es in rund ein­ein­vier­tel St­un­den nach Be­cken­ried. Aus­ge­fal­le­ner kann die An­rei­se zum Ski­ver­gnü­gen kaum er­fol­gen, denn vom Was­ser geht es hier di­rekt auf die Pis­te. Ei­ne Seil­bahn bringt die Win­ter­sport­ler in ge­ra­de mal zehn Mi­nu­ten vom An­le­ge­steg hin­auf zum Ski­ge­biet Kle­wen­alp-Stock­hüt­te auf über 1 600 Me­tern Hö­he. Bei gut 40 Ki­lo­me­tern prä­pa­rier­ter Pis­ten und Pan­ora­ma­blick auf den stets prä­sen­ten See kom­men auch die Au­gen bei der Ab­fahrt auf ih­re Kos­ten.

His­to­ri­sche Flot­te: Knapp 2,5 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re wur­den im Jahr 2015 auf dem Vier­wald­stät­ter­see be­för­dert, rund drei Vier­tel da­von Ein­hei­mi­sche, aber auch im­mer mehr Gäs­te aus Chi­na und Nord­ame­ri­ka. Fo­to: swiss-image.ch

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