Welt­aus­wahl als Wun­der­tü­te

Rät­sel­ra­ten um DHB-Geg­ner Ka­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Chris­toph Stu­ken­brock

Bun­des­trai­ner Da­gur Si­gurds­son be­schreibt sie als „rich­tig un­an­ge­nehm“, laut Kee­per Andre­as Wolff dür­fe man die Ka­ta­ris „nie­mals un­ter­schät­zen“: Zwei Jah­re nach WM-Sil­ber im ei­ge­nen Land gleicht Ka­tar ei­ner hand­bal­le­ri­schen Wun­der­tü­te. Bei den Ti­tel­kämp­fen in Frank­reich zeig­te die Welt­aus­wahl aus dem Wüs­te­n­emi­rat in der Vor­run­de wech­sel­haf­te Leis­tun­gen. „Es er­war­tet uns ei­ne Mann­schaft, die vi­el­leicht nur auf die K.o.-Run­de ge­war­tet hat, um ih­ren bes­ten Hand­ball zu spie­len“, sag­te Wolff vor dem WM-Ach­tel­fi­na­le der deut­schen Hand­bal­ler heu­te (18 Uhr/hand­ball.dkb.de) ge­gen Asi­en­meis­ter Ka­tar. Zum Vor­run­den­ab­schluss ge­gen Olym­pia­sie­ger Dä­ne­mark (29:32) deu­te­te das Team von Star­trai­ner Va­le­ro Ri­ve­ra sein zwei­fel­los vor­han­de­nes gro­ßes Po­ten­zi­al an und führ­te schon 20:15, ehe die Skan­di­na­vi­er noch vor­bei­zo­gen. An­sons­ten ste­hen zwei Sie­gen ge­gen Bah­rain (32:22) und Ar­gen­ti­ni­en (21:17) die Nie­der­la­gen ge­gen Ägyp­ten (20:22) und Schwe­den (25:36) ge­gen­über. „Wir ken­nen bei­de Sei­ten vom Geg­ner“, sagt Si­gurds­son. Wohl wahr. Bei sei­nem ers­ten Tur­nier als Bun­des­trai­ner vor zwei Jah­ren schei­ter­te die deut­sche Mann­schaft im Vier­tel­fi­na­le am ka­ta­ri­schen Gast­ge­ber. Im Vier­tel­fi­na­le der Olym­pi­schen Spie­le im Som­mer in Rio ließ Deutsch­land den Ka­ta­ris beim 34:22 dann kei­ne Chan­ce. „Die ha­ben seit Olym­pia noch ei­ne Rech­nung mit uns of­fen“, sag­te Wolff. Ka­tars Bi­lanz ge­gen die DHBAus­wahl: sechs Spie­le, zwei Sie­ge, vier Nie­der­la­gen. Stars im Team sind Tor­hü­ter Da­ni­jel Sa­ric und die Rück­raum­spie­ler Ra­fa­el Ca­po­te und Bertrand Roi­ne. Vor al­lem Sa­ric steht bei­spiel­haft für das Heer an ein­ge­kauf­ten Spit­zen­kräf­ten, die das ka­ta­ri­sche Hand­bal­lWun­der erst mög­lich mach­ten. Der lang­jäh­ri­ge Schluss­mann vom FC Bar­ce­lo­na ab­sol­vier­te schon Län­der­spie­le für Ser­bi­en und Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na, ehe er den zwei­fel­haf­ten Ver­lo­ckun­gen der Scheichs wie vie­le sei­ner Team­kol­le­gen er­lag. „Es ist et­was an­de­res, wenn man für sein Land spielt, als wenn man für ein Land spielt“, sag­te DHB-Vi­ze­prä­si­dent Bob Han­ning: „Ich weiß gar nicht, ob die Ka­ta­ris mehr als ei­nen Spie­ler mit ha­ben, der den Pass ge­bür­tig hat. Da­durch sind wir im Vor­teil.“In Frank­reich macht den Ka­ta­ris zu­dem das Feh­len ei­ni­ger Stars zu schaf­fen. Der wuch­ti­ge Rück­raum­spie­ler Zar­ko Mar­ko­vic, zweit­bes­ter WM-Tor­schüt­ze von 2015, ist eben­so nicht da­bei wie der kräf­ti­ge Kreis­läu­fer Bor­ja Vi­dal. Auch der lang­jäh­ri­ge Bun­des­li­ga-Kee­per Goran Sto­ja­no­vic fehlt. Und so droht Ka­tar zwei Jah­re nach sei­nem staat­lich or­ga­ni­sier­ten Hö­hen­flug wie­der tris­tes Mit­tel­maß. Der Sil­ber­glanz von Do­ha dürf­te bei ei­nem Ach­tel­fi­nal-Aus ge­gen Deutsch­land wei­ter ver­blas­sen. Üb­ri­gens: Deutsch­lands Hand­bal­ler er­hal­ten im Fal­le des Ti­tel­ge­winns bei der Welt­meis­ter­schaft in Frank­reich ei­ne Mann­schafts­prä­mie von 250 000 Eu­ro. „Das ent­spricht un­se­ren Mög­lich­kei­ten“, sag­te DHB-Prä­si­dent Mi­chel­mann der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“. „Wir ste­hen so­li­de da, aber wir müs­sen schon se­hen, wie wir mit un­se­rem Geld um­ge­hen.“

Si­gurds­son: Wir ken­nen bei­de Sei­ten

Im WM-Mo­dus an­ge­kom­men: Be­flü­gelt vom ers­ten Sieg bei ei­ner WM ge­gen Kroa­ti­en star­ten Deutsch­lands Hand­bal­ler, hier Kai Häf­ner, heu­te in die K.o.-Run­de. Ach­tel­fi­nal­geg­ner in Paris ist Ka­tar. Fo­to: AFP

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