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Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Tho­mas Liebs­cher

Was für ei­ne „Trum­pe­rei“

Es war ein net­ter Ver­such, dem sprach­li­chen Bull­do­zer ei­nen fei­nen Na­del­stich ent­ge­gen zu set­zen. Im Wahl­kampf um die ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent­schaft woll­te Hil­la­ry Cl­in­ton mit ei­ner ge­fühl­vol­len For­mel punk­ten. Sie brach­te den ver­meint­li­chen Ge­gen­satz von Gut und Bö­se in der po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung auf die eng­li­sche For­mel „Lo­ve trumps ha­te“. Zu Deutsch: „Lie­be über­trumpft Hass“. Cl­in­ton spiel­te mit dem Na­men ih­res Kon­kur­ren­ten Do­nald Trump. Der klei­ne Stich prall­te na­tür­lich am Pan­zer des Ge­schäfts­man­nes ab. Mit sprach­li­chen Fein­hei­ten hielt sich der neue USPrä­si­dent bis­lang nicht auf. Viel lie­ber er­wies er sich als rück­sichts­lo­ser Red­ner oder Twit­te­rer, der al­les hin­aus­po­saunt, was ihm nützt, an­de­re ägert, An­hän­ger auf­hetzt und Geg­ner be­lei­digt. Er zeig­te sich als ech­ter „trum­pe­ter“, was – man ahnt es – das eng­li­sche Wort für „Trom­pe­ter“ist. Und „to trum­pet“be­deu­tet au­ßer­dem noch „hin­aus­po­sau­nen“. Nun gilt ja die ei­ser­ne sti­lis­ti­sche Re­gel, dass Scher­ze mit Na­men zu un­ter­las­sen sind. Aber ernst­haft auf Na­men und Be­deu­tung zu schau­en, das kann ei­ni­ges zu Ta­ge för­dern. Bleibt man auf den Spu­ren die­ses Prä­si­den­ten, fin­det man im gu­ten al­ten, gel­ben, gro­ßen Lan­gen­scheid­tHand­wör­ter­buch Eng­lisch, dass ein „trump“nicht nur ein „Trumpf“ist, son­dern im über­tra­ge­nen Sin­ne ein „fei­ner Kerl“. Das fin­den ja vie­le in den USA. Et­li­che Eu­ro­pä­er wer­den sich wohl eher am Verb „to trump up“er­freu­en. Es be­deu­tet „zu­sam­men­schwin­deln, sich aus den Fin­gern sau­gen“. Ist doch toll, oder? Auch wenn die­ser Aus­druck kaum ge­bräuch­lich ist, wie mir mein wun­der­ba­rer ame­ri­ka­ni­scher Nach­bar, ein frü­he­rer Sol­dat, er­klärt. Trotz­dem fin­de ich er­staun­lich, was als nächs­ter Ein­trag im Wör­ter­buch folgt: Das eng­li­sche Haupt­wort „trumpe­ry“hat die vie­len schö­nen Be­deu­tun­gen: Plun­der, Ramsch, Schund, Ge­wäsch, Quatsch. Wie wä­re es, wenn man im Deut­schen für das al­les den Ober­be­griff „Trum­pe­rei“ein­bür­gert? Zu be­den­ken bleibt al­ler­dings: Deut­scher Hoch­mut ge­gen­über ame­ri­ka­ni­schen Ver­hält­nis­sen heißt, ei­nen ziem­lich nie­de­ren Trumpf zu zie­hen. Und war­um soll­te ei­ne an­de­re Po­li­tik, so­fern sie nicht dik­ta­to­risch ist, drü­ben un­mög­lich sein? Doch Stil und Spra­che die­ses düs­te­ren Typs im Wei­ßen Haus las­sen frös­teln. Wie schrieb der Phi­lo­soph Die­ter Tho­mä ge­ra­de über Trump: „Er ist ein Vor­bild für al­le, die sich übel da­ne­ben be­neh­men und da­bei noch toll fin­den.“

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