Zweck fremd?!

Auf der Spur rät­sel­haf­ter Ob­jek­te aus den De­pots des Lan­des­mu­se­ums

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Kein In­ge­nieur oh­ne Re­chen­schie­ber. Doch, das war mal so. Auch in den Schu­len wur­de das gu­te Stück noch in den 1970er Jah­ren flei­ßig, wenn auch nicht im­mer er­folg­reich ge­nutzt. Aber wel­cher jun­ge Mensch weiß heu­te noch um den Zweck ei­nes Re­chen­schie­bers? Al­len­falls die Zah­len auf dem Ge­rät las­sen Com­pu­ter-Kids ah­nen, dass das Gan­ze et­was mit Ma­the­ma­tik zu tun ha­ben könn­te... Kunst­schät­ze, aber auch All­tags­ge­gen­stän­de be­wahrt das Ba­di­sche Lan­des­mu­se­um auf. Al­les in al­lem be­sitzt das Mu­se­um rund 500 000 Ob­jek­te. Doch nur et­wa 13 000 da­von kön­nen die Be­su­cher in den Samm­lungs­aus­stel­lun­gen an­schau­en – die weit­aus meis­ten Stü­cke schlum­mern in den De­pots. Da es sich um Ob­jek­te aus den ver­schie­dens­ten Epo­chen – bei der St­ein­zeit an­ge­fan­gen – han­delt, sind et­li­che Tei­le dar­un­ter, die ganz und gar aus der Mo­de ge­kom­men sind. Und de­ren ur­sprüng­li­cher Ver­wen­dungs­zweck viel schwie­ri­ger zu er­ra­ten ist, als die ei­nes Re­chen­schie­bers. Ge­nau das aber soll den Reiz ei­ner (klei­nen) Aus­stel­lung aus­ma­chen, die ab 30. Sep­tem­ber im Karls­ru­her Schloss zu se­hen ist. „Zweck fremd?! Den Din­gen auf der Spur“soll die Schau hei­ßen. Vor­be­rei­tet wird die Schau der­zeit von sie­ben Vo­lon­tä­ren des Lan­des­mu­se­ums. Die Be­rufs­an­fän­ger ha­ben in den De­pots ge­stö­bert und 30 ab­son­der­li­che Ob­jek­te ans Licht ge­holt. Die­se sol­len den Be­su­chern manch har­te Nuss zu kna­cken ge­ben, ehe des Rät­sels Lö­sung ver­ra­ten wird. Bei der Jah­res­pres­se­kon­fe­renz des Mu­se­ums macht Vo­lon­tär Micha­el Danz schon mal die Pro­be aufs Ex­em­pel und deu­tet auf ei­ne kas­ten­ar­ti­ge Ap­pa­ra­tur aus Holz. Die Jour­na­lis­ten grü­beln, di­ver­se Ver­mu­tun­gen wer­den laut. Dann ein Tref­fer: Ei­ne Mau­se­fal­le viel­leicht? Micha­el Danz nickt. Ja, ei­ne Mau­se­fal­le aus dem 19. Jahr­hun­dert. Und zwar ei­ne, die die Na­ger auf sehr auf­wän­di­ge und grau­sa­me Wei­se vom Le­ben zum To­de durch Er­trin­ken be­för­dert hat. Wä­re der Ap­pa­rat noch im Ge­brauch – je­der Tier­schüt­zer wür­de Amok lau­fen. Da­bei, so er­zählt der Vo­lon­tär, wur­den Mau­se­fal­len die­ser Art erst in den 1970er Jah­ren vom Markt ge­nom­men. Sie be­en­de­ten ih­re Kar­rie­re dem­nach nicht viel frü­her als der gu­te al­te Re­chen­schie­ber.

Vo­lon­tä­rin­nen stö­bern in den De­pots: Wel­chen Zweck hat­te wohl die­ses Ob­jekt? Foto: BLM/Schoenen

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