Nord­ko­reas Ex­port­schla­ger

Künst­ler ge­stal­ten „so­zia­lis­tisch-re­vo­lu­tio­nä­re“Büs­ten und Bil­der fürs Aus­land

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Gi­les He­witt

Ge­schickt glei­ten Ro Ik-Hwas Fin­ger über den Kopf aus Ton und for­men die Wan­gen. Die Büs­te nach der Vor­la­ge ei­nes Fotos ist ei­ne der klei­ne­ren Auf­trags­ar­bei­ten des nord­ko­rea­ni­schen Bild­hau­ers. Der 77-Jäh­ri­ge ist ei­ner von 700 Künst­lern in den Man­su­dae-Stu­di­os in Pjöng­jang und hat an vie­len der gi­gan­ti­schen Sta­tu­en der Macht­ha­ber im Land mit­ge­ar­bei­tet. Doch Ro und sei­ne Kol­le­gen pro­du­zie­ren nicht nur für die Hei­mat, son­dern lie­fern in die gan­ze Welt. Der so­zia­lis­tisch-re­vo­lu­tio­nä­re Stil zu güns­ti­gen Prei­sen ist vor al­lem in afri­ka­ni­schen Län­dern ge­fragt. „Manch­mal schi­cken wir un­se­re Teams auch für ein bis fünf Jah­re ins Aus­land, um dort an Pro­jek­ten zu ar­bei­ten“, sagt Kim Hyon-Hui, die sich um die Aus­lands­auf­trä­ge der Man­su­dae-Stu­di­os küm­mert. Der bis­lang größ­te Auf­trag kam vom da­ma­li­gen se­ne­ga­le­si­schen Prä­si­den­ten Ab­dou­laye Wa­de. Er ließ die Nord­ko­rea­ner das „Mo­nu­ment der afri­ka­ni­schen Re­nais­sance“für 27 Mil­lio­nen Dol­lar er­rich­ten. Die 50 Me­ter ho­he Bron­ze­sta­tue gilt als die höchs­te Afri­kas. „Ich hat­te ein­fach kein Geld. Nur die Nord­ko­rea­ner konn­ten mir die Sta­tue bau­en“, sag­te Wa­de nach der Fer­tig­stel­lung 2010. Pjöng­jangs Kunst­stu­di­os brin­gen drin­gend be­nö­tig­te De­vi­sen ins Land, Schät­zun­gen zu­fol­ge sind es fünf bis 13 Mil­lio­nen Dol­lar pro Jahr. Der Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen möch­te die­se Geld­quel­le je­doch aus­trock­nen und ver­bot im De­zem­ber den UN-Mit­glied­staa­ten, in Pjöng­jang Kunst in Auf­trag zu ge­ben. „Wir pro­du­zie­ren die Wer­ke, die die Re­vo­lu­ti­on ver­langt und die die Men­schen zur Re­vo­lu­ti­on be­we­gen“, sagt Hong Chun-Ong. Der 76-Jäh­ri­ge ar­bei­tet seit 40 Jah­ren in den Kunst­stu­di­os und fer­tigt Holz­schnit­te und Pro­pa­gan­da­bil­der. Er ge­hört eben­so wie Bild­hau­er Ro zu den 30 am meis­ten ge­schätz­ten Mit­ar­bei­tern – die­se dür­fen sich „Volks­künst­ler“nen­nen und ge­nie­ßen Pri­vi­le­gi­en wie ei­ge­ne Ate­liers und Aus­lands­rei­sen. Frei in ih­rem Schaf­fen sind sie aber nicht, abs­trak­te Kunst bei­spiels­wei­se ist ver­bo­ten. Und ihr Mo­nats­lohn ist nied­rig im Ver­gleich zu den Prei­sen, die ih­re Wer­ke er­zie­len. Gro­ße Ar­bei­ten der „Volks­künst­ler“wer­den für zehn­tau­sen­de, manch­mal so­gar hun­dert­tau­sen­de Eu­ro im Wes­ten ver­kauft. „Da die Künst­ler hier aber kaum be­kannt sind, ist es schwie­rig, Käu­fer für die­se Preis­klas­se zu fin­den“, sagt der Ita­lie­ner Pier Lu­i­gi Ce­cio­ni, der Kunst aus Man­su­dae in west­li­chen Län­dern ver­treibt. Nord­ko­rea­ni­sche Kunst be­setzt nur ei­ne Ni­sche im in­ter­na­tio­na­len Kunst­han­del. Selbst wer möch­te, für den sei es nicht ein­fach, Ge­mäl­de und Skulp­tu­ren aus Pjöng­jang zu kau­fen. „Man kann kein Geld nach Nord­ko­rea über­wei­sen“, sagt Ce­cio­ni. „Es blei­ben al­so nicht vie­le Mög­lich­kei­ten – au­ßer per­sön­lich vor­bei­zu­schau­en.“

Der nord­ko­rea­ni­sche „Volks­küns­ter“Ro Ik-Hwa pro­du­ziert in den Man­su­dae-Stu­di­os auch fürs Aus­land. Vor al­lem in afri­ka­ni­schen Staa­ten sind die Büs­ten zu güns­ti­gen Prei­sen ge­fragt. Foto: AFP

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.