Le­se­stoff

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Bo

Zahl­rei­che Wort­bil­dun­gen ge­hen auf ihn zu­rück – Feu­er­tau­fe et­wa, Lü­cken­bü­ßer oder Schand­fleck. Auch dass wir bis­wei­len Per­len vor die Säue wer­fen oder die Zäh­ne zu­sam­men­bei­ßen ist auf Mar­tin Lu­ther zu­rück­zu­füh­ren. Der Re­for­ma­tor hat dem Volk gern aufs Maul ge­schaut – und sich, zum Bei­spiel in sei­nen Ti­sch­re­den, so spon­tan ge­äu­ßert, wie es heu­te die User von Face­book oder Twit­ter tun. Lu­thers Ti­sch­re­den, Brie­fe und Trak­ta­te ste­cken vol­ler – zum Teil dras­tisch for­mu­lier­ten – Selbst­aus­sa­gen. Der (ka­tho­li­sche) Kul­tur­his­to­ri­ker Gün­ter Scholz hat sie aus­ge­wer­tet, um den Meis­ter der deut­schen Spra­che selbst von sei­nem Le­ben und Den­ken er­zäh­len zu las­sen. Der Lu­ther, den man in „Ha­be ich nicht ge­nug Tu­mult aus­ge­löst?“ken­nen­lernt, ist kein ins Über­ir­di­sche ab­ge­rück­ter Re­li­gi­ons­held, auch nicht historisch ge­lif­tet und weich­ge­spült, son­dern ein „ar­mer stin­ken­der Ma­den­sack“mit Hoff­nun­gen und Ängs­ten, sym­pa­thi­schen und un­sym­pa­thi­schen Zü­gen, der am En­de frei­lich „nicht um­sonst ge­lebt“hat. Scholz’ Buch ist ein in­tel­li­gen­ter und kurz­wei­li­ger Bei­trag zum Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um – Le­se­fut­ter vom Feins­ten.

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