Ein­fach duf­te!

Wis­sens­wer­tes über Köl­nisch Was­ser und Par­füms

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER -

Mein Duft ist ein ita­lie­ni­scher Früh­lings­mor­gen nach dem Re­gen“, sag­te Jo­hann über sein selbst ge­mach­tes, par­fü­mier­tes Was­ser. Da­bei pri­ckel­te dem jun­gen Mann die Na­se vor Be­geis­te­rung, denn sei­ne Hei­mat duf­te­te in­ten­siv nach Zi­trus­früch­ten: Oran­ge, Zi­tro­ne, Man­da­ri­ne und Ber­ga­mot­te, wie wenn nach ei­nem Re­gen die Wol­ken ab­ge­zo­gen wa­ren und die Son­ne die Land­schaft trock­ne­te. Jo­hann misch­te fruch­ti­ge Duf­töle, er­hitz­te sie und fing die Duft­stof­fe, die sich mit dem Dampf lös­ten, in ei­nem Glas­ge­fäß auf. Das Pro­dukt be­nann­te er je­doch nicht nach sei­ner Hei­mat Ita­li­en, son­dern nach sei­nem neu­en Zu­hau­se Köln: Köl­nisch Was­ser. Doch Was­ser aus dem Rhein, der durch Köln fließt, ist be­stimmt keins drin! Jo­hann Ma­ria Fa­ri­na woll­te nie­man­den an der Na­se her­um­füh­ren, als er vor gut 300 Jah­ren Köl­nisch Was­ser aus ita­lie­ni­schen „Zu­ta­ten“de­stil­lier­te. Er über­leg­te zu­nächst, wel­chen Duft er be­son­ders lieb­te. Wie ihm, hoff­te Jo­hann, wür­de es vie­len Men­schen ge­hen und sie soll­ten sich freu­en, den Duft im­mer und übe­r­all bei sich zu tra­gen. Für Jo­hann über­brück­te das Köl­nisch Was­ser die 800 Ki­lo­me­ter zwi­schen sei­nem Zu­hau­se am Rhein und sei­ner Hei­mat Ita­li­en. De­stil­la­ti­on heißt die Me­tho­de, ei­ne Flüs­sig­keit wie Öl durch Hit­ze in ih­re Be­stand­tei­le zu zer­le­gen und als neue Flüs­sig­keit auf­zu­fan­gen. Das Er­geb­nis wirkt leich­ter und fri­scher. Jo­hann Ma­ria Fa­ri­na hat das Köl­nisch Was­ser er­fun­den. Par­füms gibt es aber schon viel län­ger, weil den Men­schen – ge­nau wie dem 24 Jah­re al­ten, ita­lie­ni­schen Kauf­mann – be­wusst war: Gut zu rie­chen hat Vor­tei­le. Der­je­ni­ge fühlt sich woh­ler und an­de­re Men­schen ha­ben ger­ne mit ihm zu tun. Es tut gut, nach dem Sport oder ei­ner lan­gen Rei­se aus­gie­big zu du­schen und an­schlie­ßend in ein frisch ge­wa­sche­nes T-Shirt zu schlüp­fen, an­statt ein ge­tra­ge­nes noch­mal an­zie­hen zu müs­sen. Weil es muf­felt. „Schuld“da­ran sind Drü­sen im Kör­per, die Stof­fe aus­sto­ßen, die für den Ge­ruch ei­nes Men­schen zu­stän­dig sind. Sie kön­nen noch mehr, zum Bei­spiel vor Krank­heits­er­re­gern schüt­zen oder die Kör­per­tem­pe­ra­tur re­geln. Wenn man sich nicht wohl­fühlt in sei­ner Haut, sind die gu­ten Nach­rich­ten aber ziem­lich egal. Vor 3 500 Jah­ren stan­den die Men­schen in Ägyp­ten vor dem Kör­per­ge­ruchs­pro­blem. Im hei­ßen Nord­afri­ka war Trink­was­ser wert­voll und an aus­gie­bi­ges Du­schen oder Ba­den nicht zu den­ken. Die Ägyp­ter be­hal­fen sich da­mit, dass sie duf­ten­des Pflan­zen­harz oder wohl­rie­chen­de Höl­zer ab­brann­ten, ähn­lich wie Räu­cher­stäb­chen. Sal­ben und Öle nutz­ten sie auch, um sich ein­zu­rei­ben. Die Rö­mer über­nah­men die­se „duf­ten“Ge­wohn­hei­ten und nann­ten sie „per fu­mum“, über­setzt: durch Rauch. Un­an­ge­neh­mer Ge­ruch lös­te sich buch­stäb­lich in Luft auf. So be­hiel­ten es die Men­schen bis vor 400 Jah­ren bei. Dann ka­men flüs­si­ge Duft­wäs­ser­chen in Mo­de, die zu­nächst teu­er wa­ren. Ein Ort, an dem sich der frü­he­re Ge­brauch von „per fu­mum“noch gut be­ob­ach­ten lässt, sind ka­tho­li­sche Kir­chen. In den Got­tes­diens­ten schwen­ken der Pfar­rer oder ein Mi­nis­trant Weih­rauch­ge­fä­ße. Der Duft, der sym­bo­lisch die Ge­be­te der Ge­mein­de in den Him­mel trägt, wirk­te des­in­fi­zie­rend und mach­te in Zei­ten oh­ne Du­sche und flie­ßen­dem hei­ßem Was­ser die Luft in ei­ner Kir­che vol­ler Men­schen an­ge­neh­mer. In­zwi­schen darf der Pfar­rer da­von aus­ge­hen, dass sich al­le Got­tes­dienst­be­su­cher ge­wa­schen ha­ben. Ei­ne Aus­nah­me: Die Kir­che in San­tia­go de Com­pos­te­la in Spa­ni­en. Sie ist Ziel des be­rühm­ten Ja­kobs­wegs, und nach­dem sie ih­re Pil­ger­rei­se be­en­det ha­ben, steu­ern al­le Wan­de­rer zu­erst die Kir­che an – und da­nach die Du­sche. Die be­lieb­tes­ten Düf­te sind La­ven­del und Ro­sen­öl, sie tau­chen als Be­stand­teil fast je­des Par­füms auf. Statt da­mit die Du­sche zu er­set­zen, be­to­nen Men­schen durch Par­füms heut­zu­ta­ge ih­ren ei­ge­nen Duft – und da­mit ih­re Per­sön­lich­keit. Duf­te!

Tan­ja Ka­sisch­ke Il­lus­tra­ti­on: Imago

His­to­ri­sche Par­füm-Fla­kons aus dem Jahr 1830 im Fa­ri­na-Haus in Köln. Foto: avs

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