Pis­ten­spaß oh­ne Ge­drän­ge

Bal­lon­fah­rer Au­gust Pic­card mach­te Ober­gurgl in Ti­rol be­kannt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB -

Die Ge­schich­te von Ober­gurgl be­ginnt streng ge­nom­men in Augs­burg. Dort star­te­te am 27. Mai 1931 der Schwei­zer Au­gus­te Pic­card mit ei­nem Gas­bal­lon zu ei­nem Re­kord­flug in die Stra­to­sphä­re. Pic­card rech­ne­te da­mit, et­wa sie­ben St­un­den nach dem Auf­stieg im Schwarz­wald zu lan­den. Statt­des­sen lan­de­te der For­scher nach 17 lan­gen St­un­den in Ti­rol – auf dem Gurg­ler Fer­ner im Tal­schluss des Ötz­tals. Die Spu­ren der Lan­dung sind längst ver­schwun­den, doch ein Denk­mal in Ober­gurgl er­in­nert an den Luft­fahrt­pio­nier. Pic­card hat das ver­schla­fe­ne Berg­bau­ern­dorf in­mit­ten der Drei­tau­sen­der der Ötz­ta­ler Al­pen qua­si über Nacht be­kannt­ge­macht. In­ter­na­tio­nal sind mitt­ler­wei­le auch die Gäs­te, die seit vie­len Jah­ren in den Tal­schluss des Ötz­tals fah­ren und dort ih­ren Win­ter­ur­laub ver­brin­gen. Denn Ober­gurgl, das höchst­ge­le­ge­ne Kirch­dorf Ös­ter­reichs, hat sich längst in ei­nen mo­der­nen Win­ter­sport­ort ver­wan­delt. Heu­te prä­sen­tie­ren sich Ober- und Hoch­gurgl als mo­der­ne Ski­sta­tio­nen mit ab­wechs­lungs­rei­chen Pis­ten am Fest­kogl, der Ho­hen Mut und am Wurm­kogl. Ei­ne wei­ße Win­ter­wun­der­welt, de­ren wah­re Grö­ße man erst ab­seits der Pis­ten ent­deckt. Denn die Mög­lich­kei­ten auf den zahl­rei­chen Drei­tau­sen­dern, die sich rund um das Gurg­ler Tal rei­hen, sind schier gren­zen­los – für Ski­tou­ren­ge­her und für Free­ri­der. Ein Pa­ra­dies, auch für Paul Wal­ser, der nach ei­nem kur­zen An­stieg glück­lich auf dem Fest­kogl steht und den 360-Grad-Rund­blick auf „sei­ne“Ber­ge ge­nießt. „Wir ha­ben hier in Ober­gurgl ein per­fek­tes Off-Pis­te-Ge­län­de für al­le Kön­nens­stu­fen und in al­len Ex­po­si­tio­nen“, schwärmt der 37-jäh­ri­ge Berg­füh­rer von sei­ner Hei­mat. Es kom­men im­mer mehr Free­ri­der und Ski­tou­ren­ge­her. Doch über­lau­fen ist das Ge­biet noch lan­ge nicht, da­für gibt es ein­fach zu vie­le Mög­lich­kei­ten. Au­ßer­dem gibt es mit der Lang­ta­le­r­eck­hüt­te nur ei­ne zur Ski­tou­ren­sai­son im Früh­jahr be­wirt­schaf­te­te Hüt­te im wei­ten Rund der Drei­tau­sen­der. Was aber aus­reicht, wie Ro­nald Ri­bis, Berg­füh­rer und Chef der Berg­ret­tung, meint: „In Ober­gurgl kannst du in ei­nem kom­for­ta­blen Ho­tel woh­nen und al­le Tou­ren vom Ort aus ma­chen. Teil­wei­se kann ich das Berg­auf so­gar mit den Berg­bah­nen ab­kür­zen und ha­be so re­la­tiv kur­ze An­stie­ge, da­für aber ganz viel Hö­hen­me­ter bei der Ab­fahrt.“An­sons­ten bie­tet sich die Lang­ta­le­r­eck­hüt­te als Stütz­punkt an. Ei­ne Hüt­te, die über ei­ne prak­ti­sche Schuh­hei­zung ver­fügt und mit ei­ner schi­cken Gast­stu­be über­rascht – sie schaut aus wie ein sty­li­sches Re­stau­rant im Tal. Den Hüt­ten­wirt Ge­org Guf­ler er­in­nert die neue Stu­be da­ge­gen an sein Zu­hau­se, schließ­lich stammt das 200 Jah­re al­te Holz der Ver­tä­fe­lung aus dem ehe­ma­li­gen Stall von sei­nem Hof im Tal. Die Hüt­te ist per­fekt, das Ski­tou­ren­an­ge­bot gi­gan­tisch und die ver­glet­scher­te und im Mor­gen­licht ge­ra­de­zu ver­füh­re­risch leuch­ten­de Ost­flan­ke des Schalf­ko­gels ein ski­fah­re­ri­scher Le­cker­bis­sen. Zu den sport­lichs­ten Gip­fel­zie­len im Ötz­ta­ler Tal­schluss zählt der wuch­ti­ge Gra­na­ten­ko­gel mit sei­ner über­aus stei­len Nord­flan­ke vis-à-vis vom Fest­kogl. Ein Traum für Kön­ner, al­ler­dings nur bei ganz si­che­ren Schnee­ver­hält­nis­sen. Ge­nau­so wie Schalf­ko­gel, Hin­te­rer See­len­ko­gel, Lie­be­ner Spit­ze und all die an­de­ren Drei­tau­sen­der mit ih­ren un­zäh­li­gen Mög­lich­kei­ten. Ob­wohl Paul je­den Winter bis zu 150 Ta­ge auf Ski­ern steht, kennt er längst noch nicht al­les. „Wir woh­nen in ei­nem Ski­pa­ra­dies, aber es gibt im­mer noch Ecken, die ich noch nicht ge­se­hen ha­be, die vie­le noch nicht ge­se­hen ha­ben und die es ein­fach wert sind, noch ent­deckt zu wer­den.“Am liebs­ten wä­re es Paul na­tür­lich, wenn er dort als ers­ter sei­ne Ski­spu­ren hin­ter­lässt. „Na­tür­lich weiß ich, dass dies nur für ei­nen Mo­ment ist und die Spu­ren wie­der ver­schwin­den. Aber das macht nichts, ich kann ja je­der­zeit wie­der Neue ma­chen.“

Wei­ße Win­ter­wun­der­welt: Ober­gurgl, das höchst­ge­le­ge­ne Kirch­dorf Ös­ter­reichs, hat sich längst in ei­nen mo­der­nen Win­ter­sport­ort ver­wan­delt. Das Ge­biet ist ein Pa­ra­dies für Ski­tou­ren­ge­her und für Free­ri­der. Foto: Ro­ther/Ötz­tal Tou­ris­mus

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