Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL -

Pass­ge­nau zum Fahr­rad-Ju­bi­lä­um

200 Jah­re Fahr­rad. Klar, das ist ein Mann­hei­mer The­ma. Weil Karl Drais in der Qua­dra­te­stadt 1817 die ers­te Aus­fahrt mit sei­ner „Lauf­ma­schi­ne“un­ter­nom­men hat. Aber 200 Jah­re Fahr­rad ist auch ein Karls­ru­her The­ma. In der Fä­cher­stadt wur­de der Er­fin­der schließ­lich ge­bo­ren. Und weil der Er­folg vie­le Vä­ter hat, wird das Fahr­rad-Ju­bi­lä­um in bei­den Städ­ten kräf­tig ge­fei­ert. Mann­heim ist mit der Lan­des­aus­stel­lung „2 Rä­der – 200 Jah­re“vor­ge­prescht. Aber auch in Karlsruhe soll es „Ganz schön Drais“zu­ge­hen. So lau­tet das Mot­to ei­nes Fahr­rad­wo­chen­en­des im Mai. Wo­mit die „Hei­mat des Fahr­ra­dEr­fin­ders“aber nicht nur den Lo­kal­pa­trio­tis­mus be­die­nen will. Son­dern ver­deut­li­chen möch­te, das die Drais’sche (und da­mit qua­si Karls­ru­her) Er­fin­dung ein wich­ti­ger Bei­trag zu ei­ner öko­lo­gisch ver­träg­li­chen Stadt­mo­bi­li­tät ist. Dass das Fahr­rad gro­ße Mög­lich­kei­ten bie­tet, hat man auch beim Karls­ru­her Ord­nungs­amt er­kannt. Pass­ge­nau zum Ju­bi­lä­um wur­de dort ein Pro­blem ge­löst, das den Bür­gern mehr Mo­bi­li­tät ab­ver­lang­te, als vie­len lieb war. Wer ei­nen neu­en Per­so­nal­aus­weis oder ei­nen Rei­se­pass brauch­te, muss­te bis­lang stets zwei Be­hör­den­gän­ge ein­pla­nen: ei­nen für den An­trag und den zwei­ten zum Ab­ho­len des Do­ku­ments. Ei­ne Zu­stel­lung per Post ist aus recht­li­chen Grün­den nicht mög­lich. Doch jetzt kann man sich den zwei­ten Gang zum Amt er­spa­ren und den Aus­weis ganz be­quem und trotz­dem öko­lo­gisch un­be­denk­lich zu sich nach Hau­se brin­gen zu las­sen – per Fahr­rad­ku­rier. Man muss nur ei­ne Voll­macht un­ter­zeich­nen, die ei­nen der im For­mu­lar auf­ge­führ­ten Pro­fiRad­ler er­mäch­tigt, das Do­ku­ment ent­ge­gen neh­men und zu­stel­len zu dür­fen. Der Ku­ri­er do­ku­men­tiert dann, ob er das Do­ku­ment per­sön­lich aus­ge­hän­digt oder in den Brief­kas­ten ge­wor­fen hat. Es muss ja al­les sei­ne Rich­tig­keit ha­ben… Im Test­be­trieb läuft der Karls­ru­her Pas­sTrans­port per Fahr­rad be­reits seit De­zem­ber. Der Ser­vice wird – ob­wohl die Stadt bis­lang nicht groß Wer­bung da­für ge­macht hat und drei Eu­ro Ex­tra-Ge­bühr an­fal­len – sehr gut an­ge­nom­men. Scha­de, dass der Fahr­rad-Er­fin­der das nicht mehr er­lebt hat. Der näm­lich hat, wie­wohl dem Be­am­ten-Adel ent­stam­mend, mit der Bü­ro­kra­tie sei­ner Hei­mat­stadt so sei­ne Pro­ble­me ge­habt. Dass in­zwi­schen Be­we­gung in vie­le Karls­ru­her Amts­stu­ben ge­kom­men ist und auch un­kon­ven­tio­nel­le Ide­en ein­fach mal aus­pro­biert wer­den – er hät­te es wohl ganz schön Drais ge­fun­den. An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.