der SONN­TAG

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

Wenn auf dem Fo­to­ka­len­der über Hart­mut Wein­re­bes Schreib­tisch zwei Se­gel­flug­zeu­ge über Wol­ken schwe­ben, ist das kein Zu­fall. Der Re­gio­nal­ge­schäfts­füh­rer beim Bund für Um­welt und Naturschutz Deutsch­land (BUND) fliegt seit dem Al­ter von 14. „Von Auf­win­den sanft ge­tra­gen, dann den Blick von oben, das hat et­was“, meint der 40-Jäh­ri­ge mit Bü­ro in Karls­ru­hes Wald­horn­stra­ße. Gern schwebt er vom Se­gelf lug­ge­län­de Forch­heim aus über sei­nem Ar­beits­ge­biet. Aber nicht über den Din­gen der Welt da un­ten zwi­schen Kraich­gau, Rhein­tal und Schwarz­wald. Viel­mehr spricht Wein­re­be mit De­tail­kennt­nis und Rea­lis­mus über al­les, was er und vie­le eh­ren­amt­li­che Mit­strei­ter im Um­welt­ver­band an­pa­cken, be­glei­ten, ver­bes­sern und viel­leicht auch ver­hin­dern. „Letz­te­res kommt sel­te­ner vor, als man denkt. Da gibt es viel My­then über die Blo­cka­de­mög­lich­kei­ten von Ver­bän­den. Wer die Stim­me für die Na­tur er­hebt, muss mit vie­len Rück­schlä­gen rech­nen. Für uns ist es oft ein Er­folg, wenn be­ste­hen­de Ge­set­ze über­haupt ein­ge­hal­ten wür­den“, sagt der Geo-Öko­lo­ge. In sei­nem Karls­ru­her Bü­ro er­hal­ten die BUND-Orts­ver­bän­de zwi­schen Bühl und Wag­häu­sel Un­ter­stüt­zung. Oft wer­den um­fang­rei­che fach­li­che Stel­lung­nah­men vor­be­rei­tet. Ak­ti­vis­ten dür­fen In­for­ma­ti­on und Mo­ti­va­ti­on er­war­ten. „Ge­ra­de sind wir da­bei, bei Flur­be­rei­ni­gun­gen in Stu­ten­see-Nord und Bret­ten-Neibs­heim-Büchig kon­struk­tiv mit­zu­wir­ken“. Wenn Schmet­ter­lin­ge oder Vö­gel in den Gär­ten ver­misst wer­den, dann sind Flä­chen­ver­brauch und -zer­stö­rung so­wie Stick­stof­f­e­in­trag mit Ur­sa­che, so Wein­re­be. Wenn Wie­sen ver­schwin­den sol­len oder Rhein­däm­me oh­ne Kon­zept ge­mäht wer­den, dann er­hebt der BUND sei­ne Ein­wän­de. „Un­se­re Ar­beit bringt auch be­glü­cken­de Er­fah­run­gen mit sich. So ging es mir, als ich zum ers­ten Mal über ei­ne Fo­to­fal­le ei­ne Wild­kat­ze im Rhein­tal ge­se­hen ha­be“, er­zählt der seit zehn Jah­ren am­tie­ren­de Ge­schäfts­füh­rer. „Manch­mal ist es un­spek­ta­ku­lä­rer, was wir mit­be­wir­ken kön­nen, et­wa bei Bühl die Ver­le­gung ei­nes Rad­wegs auf die an­de­re Stra­ßen­sei­te, um das Brut­ge­biet des Gro­ßen Brach­vo­gels zu schüt­zen. Denn Men­schen und Hun­de er­schre­cken Vö­gel am meis­ten.“In der vier­köp­fi­gen Fa­mi­lie Wein­re­be lebt man gut oh­ne ei­ge­nes Au­to. Car-Sha­ring macht Mo­bi­li­tät mög­lich, wenn das Rad nicht aus­reicht und die Bahn nicht hin­kommt. Ver­kehrs­fra­gen in Karlsruhe sind auch für Wein­re­be ei­ne un­end­li­che Ge­schich­te. Sein Ver­band wen­det sich ge­gen ei­ne drit­te Rhein­brü­cke („Die Ei­sen­bahn­brü­cke soll­te man mit­zäh­len“). Ei­ne wei­te­re Au­to­brü­cke wür­de Karlsruhe zum Dreh­kreuz des über­re­gio­na­len Gü­ter­ver­kehrs ma­chen, mit deut­li­chen Fol­gen für die oh­ne­hin pro­ble­ma­ti­sche Karls­ru­her Luft­qua­li­tät. Ge­gen Staus im Be­rufs­ver­kehr übern Rhein sol­len Po­ten­zia­le hel­fen, die noch im Nah­ver­kehr ste­cken. Zum Schutz der Um­welt muss ge­gen Be­quem­lich­keit an­ge­gan­gen wer­den, das hat Wein­re­be be­reits in der Ju­gend ge­lernt. Ei­fern­der Ideo­lo­ge ist er den­noch nicht ge­wor­den. Wenn er in die Luft geht, dann im Se­gel­flie­ger. Tho­mas Liebs­cher

In den Rhein­au­en hält sich Hart­mut Wein­re­be gern auf – dienst­lich und pri­vat. Seit zehn Jah­ren ist er Ge­schäfts­füh­rer beim Bund für Um­welt und Naturschutz (BUND) für die Re­gi­on Mitt­le­rer Ober­rhein. Foto: Ar­tis

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