Da­vis-Cup: Druck ist groß

Ten­nis: Dem deut­schen Da­vis-Cup-Team droht er­neut der Ab­stiegs­kampf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - sid/avs

Alex­an­der und Mi­scha Zverev ha­ben das Dop­pel im Da­vis-Cup-Erst­run­den­Du­ell mit Bel­gi­en ver­lo­ren. Die bei­den Brü­der un­ter­la­gen ges­tern in Frank­furt am Main ge­gen Ru­ben Be­mel­mans und Jo­ris De Loo­re mit 3:6, 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 3:6. Es war das ers­te Mal in der deut­schen Da­vis-Cup-Ge­schich­te, dass zwei Brü­der ge­mein­sam auf dem Ten­nis-Platz stan­den. Deutsch­land liegt da­mit nach dem zwei­ten Tag mit 1:2 zu­rück und muss heu­te (13 Uhr) un­be­dingt bei­de Ein­zel ge­win­nen, um doch noch den Ein­zug ins Vier­tel­fi­na­le zu schaf­fen. Bis­lang sind Philipp Kohl­schrei­ber und Alex­an­der Zverev für die bei­den Par­ti­en vor­ge­se­hen.

Bo­ris Be­cker spür­te, dass er ge­braucht wird. Er ahn­te, dass nur noch sei­ne Prä­senz den Brü­dern Alex­an­der und Mi­scha Zverev in ih­rem Dop­pel hel­fen kann. Al­so ver­la­ger­te die deut­sche Ten­nis-Iko­ne ih­ren Sitz­platz aus der Eh­ren­lo­ge an den Spiel­feld­rand. In die deut­sche Box, di­rekt ne­ben Philipp Kohl­schrei­ber. Doch selbst die Au­ra des drei­ma­li­gen Wim­ble­don­sie­gers nutz­te we­nig: Vor den ab­schlie­ßen­den Ein­zeln der Da­vis-Cup-Par­tie ge­gen Bel­gi­en droht er­neut der Ab­stiegs­kampf. Die Aus­wahl des Deut­schen Ten­nis Bun­des (DTB), die so hoff­nungs­froh – weil in Best­be­set­zung – in den Ver­gleich mit den er­satz­ge­schwäch­ten Bel­gi­ern ge­star­tet war, liegt in der Frank­fur­ter Ball­sport­hal­le 1:2 in Rück­stand. Alex­an­der und Mi­scha Zverev, das ers­te Brü­der­paar in der deut­schen Da­vis-CupGe­schich­te, un­ter­la­gen ge­gen Ru­ben Be­mel­mans und Jo­ris De Loo­re nach 3:13 St­un­den

Zverev-Brü­der ver­lie­ren Dop­pel ge­gen Bel­gi­en

3:6, 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 3:6. „Der Start ist blöd ge­lau­fen. Das Pu­bli­kum hat uns in den fünf­ten Satz ge­tra­gen“, sag­te Te­am­chef Micha­el Kohl­mann im Hes­si­schen Rund­funk: „Ins­ge­samt ha­ben wir im­mer wie­der Break-Bäl­le ab­weh­ren müs­sen. Da ist es dann nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis man das Break kriegt.“We­der Hoff­nungs­trä­ger Alex­an­der (19) noch Mel­bourne-Vier­tel­fi­na­list Mi­scha (29) knüpf­ten an ih­re gran­dio­sen Vor­stel­lun­gen der Aus­tra­li­an Open an. Zwar stemm­te sich vor al­lem Alex­an­der Zverev ge­gen die Nie­der­la­ge, spie­le­risch lief je­doch we­nig zu­sam­men. Be­cker ana­ly­sier­te zwi­schen­zeit­lich: „Es ist im­mer schwie­rig, das ers­te Mal für Deutsch­land zu spie­len. Im zwei­ten Satz ha­ben sie bes­ser har­mo­niert und den Tie­break un­glück­lich ver­lo­ren. Die Geg­ner sind aber auch über­ra­schend stark.“In den Sät­zen drei und vier durf­te sich Be­cker in der Box et­was ent­span­nen, weil die Zverevs end­lich ein Mit­tel ge­gen ih­re so­li­den Geg­ner fan­den. Alex­an­der feu­er­te sich selbst und sei­nen Bru­der im­mer wie­der laut­stark an, doch Mi­schas Auf­schlag­ver­lust zum 2:4 im ent­schei­den­den Durch­gang war ei­ner zu viel. Aus dem Traum, ge­mein­sam für Deutsch­land auf­zu­schla­gen, könn­te der sport­li­che Alp­traum mit der Re­le­ga­ti­on im Sep­tem­ber wer­den. Noch ist die Wen­de mög­lich, al­ler­dings las­tet heu­te (ab 13 Uhr) ge­wal­ti­ger Druck auf den Ein­zel­spie­lern. Alex­an­der Zverev, der ge­gen den Welt­rang­lis­ten-143. Ar­thur De Greef bis­lang den ein­zi­gen deut­schen Punkt ge­holt hat, trifft im Spit­zen­ein­zel auf Ste­ve Dar­cis, der zum Auf­takt Kohl­schrei­ber in fünf Sät­zen be­zwun­gen hat­te. Ge­winnt der jün­ge­re Zve- rev-Bru­der auch sein zwei­tes Ein­zel hat Kohl­mann trotz des Aus­falls von Jan-Len­nard St­ruff (In­fekt) die Qu­al der Wahl. Setzt er auf Kohl­schrei­ber oder Mi­scha Zverev? Bei­de agier­ten bei ih­ren Auf­trit­ten über­ra­schend ner­vös, bei­de wa­ren weit von ih­rer Mel­bourne-Form ent­fernt. Frank­reich und Aus­tra­li­en ha­ben schon vor den ab­schlie­ßen­den Ein­zeln das Vier­tel­fi­na­le im Da­vis Cup er­reicht. Die Fran­zo­sen hol­ten im Dop­pel den ent­schei­den­den Punkt zum 3:0 ge­gen Ja­pan. Pier­re-Hu­gues Her­bert und Ni­co­las Ma­hut setz­ten sich mit 6:3, 6:4, 6:4 ge­gen Yuichi Su­gi­ta und Ya­su­t­a­ka Uchiyama durch. Ja­pans Top­spie­ler Kei Nis­hi­ko­ri hat­te auf ei­nen Start ver­zich­tet. In der nächs­ten Run­de trifft Frank­reichs Ten­nis­team auf Groß­bri­tan­ni­en oder Ka­na­da. Für Aus­tra­li­en hol­ten Sam Groth und John Peers im Dop­pel beim 6:3, 6:2, 6:2 ge­gen die Tsche­chen Ji­ri Ve­se­ley und Jan Sa­tral den ent­schei­den­den drit­ten Punkt in Mel­bourne. Im Vier­tel­fi­na­le kommt es nun wahr­schein­lich zu ei­nem Heim-Du­ell mit den USA, die nach den ers­ten bei­den Ein­zeln mit 2:0 ge­gen die Schweiz in Füh­rung lie­gen.

Fo­to: avs

Rat­los: Mi­scha (links) und Alex­an­der Zverev ver­pass­ten den drin­gend not­wen­di­gen Sieg im Dop­pel ge­gen die Bel­gi­er Ru­ben Be­mel­mans und Jo­ris De Loo­re, die das Match nach fünf Sät­zen für sich ent­schie­den hat­ten. Da­mit liegt das deut­sche Da­vic-Cup-Team vor den ent­schei­den­den Ein­zel­spie­len mit 1:2 zu­rück.

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