Gi­tar­rist Klaus Braun: In vie­len Sti­len zu Hau­se

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Klaus Braun I Gi­tar­rist Tho­mas Liebs­cher

Nüch­tern und prak­tisch ein­ge­rich­tet hat Klaus Braun sein Ar­beits­zim­mer. Ei­ne glä­ser­ne Plat­te dient als Schreib­tisch, zwei Gi­tar­ren im Stän­der sind griff­be­reit, zwei wei­te­re hän­gen an der Wand, das Kla­vier steht ge­gen­über. Hin­zu kom­men Com­pu­ter, Ver­stär­ker, Play­er und ein lan­ges CD-Re­gal: Mehr be­nö­tigt der Mu­si­ker im Dach­ge­schoss des Forch­hei­mer Häu­schens nicht, wo er kom­po­niert, ar­ran­giert, spielt und or­ga­ni­siert. Wich­tig ist ihm aber auch der Blick nach drau­ßen, über die Gär­ten und in den Him­mel nach Süd­wes­ten, al­so mit Son­ne zu je­der Jah­res­zeit. Gi­tar­rist Klaus Braun ist in vie­len Sti­len zu Hau­se. „Swing und Blues, Bos­sa no­va und be­ar­bei­te­te Pop­songs“zählt er auf. „Im­mer in ei­ge­nen Ar­ran­ge­ments.“Er spielt, was ge­wünscht ist, die gro­ße krea­ti­ve Lie­be gilt dem Jazz. Dann juckt es ihn noch mehr in den Fin­gern. „Zu kom­po­nie­ren und dann mit Me­lo­di­en und Im­pro­vi­sa­ti­on et­was Tie­fes zu schöp­fen, das ist das größ­te Ziel und gibt das tol­le Ge­fühl.“In und mit die­ser Mu­sik, gern im Sound von Pat Me­the­ny, zu le­ben, war im­mer das Ziel des Karls­ru­hers. Sein Ehr­geiz galt nicht dem schnel­len Ruhm auf der Büh­ne, son­dern vor al­lem der Per­fek­tio­nie­rung ei­ge­ner An­sprü­che. „Ich war 22, als ich mich ganz auf Jazz kon­zen­trier­te. Ei­ni­ge Jah­re spä­ter ging ich ans Münch­ner Gi­tar­ren­in­sti­tut. Zu der Zeit gab es für mich nur Es­sen, Ler­nen, Spie­len. Um dann mit dem Spie­len wie­der Geld fürs Es­sen und Ler­nen zu ver­die­nen.“Für die Mu­sik­hoch­schu­len war Braun zu alt. Was ihn nicht da­von ab­hielt, selbst den Un­ter­richt bei be­rühm­ten Mu­si­kern wie Frank Ku­ruc, Micha­el Sag­meis­ter, oder Frank Haun­schild zu be­le­gen. Peter Her­bolz­hei­mer zeig­te ihm neue We­ge des Ar­ran­gie­rens. In gro­ßen und klei­nen En­sem­bles be­weist der 59-jäh­ri­ge Braun seit Jahr­zehn­ten, was er sich bei gro­ßen Na­men er­ar­bei­tet hat. Am Mon­tag, 20. Fe­bru­ar, bringt er Schlag­zeu­ger An­dy Schulz und Bas­sist Micha­el Hei­se zu den Karls­ru­her „Jazz clas­six“mit, um das Werk ei­nes ame­ri­ka­ni­sche Gi­tar­ris­ten vor­zu­stel­len. Joe Pass (1929-1994) gilt als le­gen­dä­rer Jaz­zer mit der Fä­hig­keit, je­den Song so­fort mit sei­nen pa­cken­den Stil zu um­hül­len. Das Kon­zert des Jazz­clubs be­ginnt um 20 Uhr in der Al­ten Ha­cke­rei auf dem Schlacht­hof­ge­län­de. Zu Brauns Mu­si­ke­r­all­tag ge­hört dis­zi­pli­nier­tes frü­hes Auf­ste­hen – um Zei­ten für sein ei­ge­nes Spiel zu Hau­se und das Leh­ren in Karls­ru­her Räu­men zu tren­nen wie zu har­mo­ni­sie­ren. „Ich un­ter­rich­te sehr gern, es macht gro­ßen Spaß, gu­te Schü­ler vor­an­zu­brin­gen und auf sie ein­ge­hen.“Weil der Gi­tar­rist seit drei Jah­ren zu­sätz­lich ei­ne Aus­bil­dung in Gestalt­the­ra­pie be­legt, ge­winnt er wei­te­re päd­ago­gi­sche Fä­hig­kei­ten. Es passt zu sei­nem nach­denk­li­chen Typ, dass er sich gern in Bü­cher über Po­li­tik und Ge­schich­te ver­tieft. An Sonn­ta­gen nimmt er sich Zeit für Na­tur beim Wan­dern und Ent­span­nung in der Sau­na. Sehr ent­span­nend fal­len ei­ni­ge Songs in Brauns CD „No Ti­me In My Hands“aus. Hin­zu kommt krib­beln­der Funk-Rock voll Vir­tuo­si­tät an den Gib­son-Gi­tar­ren.

Gi­tar­ren­vir­tuo­se mit vie­len Sti­len: Klaus Brauns gro­ße Lie­be gilt der im­pro­vi­sier­ten Mu­sik. Am 20. Fe­bru­ar gibt der 59-Jäh­ri­ge bei den Karls­ru­her „Jazz Clas­six“ein Trio-Kon­zert zum Werk von Joe Pass.

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