Carl Laemm­le: Der ers­te Schwa­be in Hol­ly­wood

Karl Lämm­le (Carl Laemm­le) war der Ers­te / Vie­le wei­te­re folg­ten ihm nach

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tan­ja Ka­sisch­ke

Ki­no­fans ha­ben im Fe­bru­ar zwei Ter­mi­ne im Ka­len­der ste­hen: die Ber­li­na­le und die Os­car-Ver­lei­hung. Das Ber­li­ner Film­fest von 9. bis 19. Fe­bru­ar ist bei­na­he so be­kannt wie die Show in Hol­ly­wood (26. Fe­bru­ar), das ist auch der Ver­dienst des – ba­di­schen – Ber­li­na­le-Di­rek­tors: Die­ter Kosslick stammt aus Pforz­heim. In Hol­ly­wood lie­gen wie­der­um die Schwa­ben vorn! Ro­land Em­me­rich, der schon in der Ber­li­na­le-Ju­ry saß, ist ein Re­gis­seur aus Stutt­gart, der in Hol­ly­wood auf­fiel, weil er al­les grö­ßer ent­warf als al­le deut­schen Re­gis­seu­re vor ihm. Sei­ne Fil­me hat­ten mehr tech­ni­sche Spe­zi­al­ef­fek­te, sie han­del­ten von ex­tre­men Er­eig­nis­sen wie Na­tur­ka­ta­stro­phen und spiel­ten sich kei­nes­wegs nur auf der Er­de ab – son­dern im All, von wo Au­ßer­ir­di­sche droh­ten, die Men­schen zu un­ter­wer­fen und die Welt­herr­schaft zu über­neh­men. Als jun­gen Mann hat­ten Em­me­rich die „Krieg der Ster­ne“-Fil­me so be­geis­tert, dass er 15 Jah­re spä­ter selbst Sci­ence-Fic­tion-Ki­no­ge­schich­te schrieb. Als Schwa­be in Hol­ly­wood. Ge­nau­er: Als zwei­ter Schwa­be in Hol­ly­wood. Der ers­te wan­der­te 1884 in die USA aus. Er war da­mit rund 100 Jah­re frü­her dran als Ro­land Em­me­rich. Der zog 1990 nach Hol­ly­wood, 34-jäh­rig. Karl Lämm­le war halb so alt, ge­ra­de 17 ge­wor­den, als er in Bre­mer­ha­ven an Bord ei­nes Schiffs ging. Ganz frei­wil­lig fass­te Karl den Ent­schluss nicht, aber ihm ging es wie vie­len jun­gen Män­nern in Deutsch­land da­mals, de­ren Fa­mi­li­en we­nig Geld zur Ver­fü­gung hat­ten: Sie muss­ten früh ler­nen, selbst für sich zu sor­gen. Ame­ri­ka war das Traum­land vie­ler, weil sie dort schnel­ler ei­nen Job fan­den und viel Geld ver­dien­ten. Drei Jahr­zehn­te vor Karl Lämm­le hat­te das schon ein an­de­rer deut­scher Aus­wan­de­rer ge­schafft, Le­vi Strauss. Er er­fand in den USA die Je­ans. Strauss war al­ler­dings kein Schwa­be, son­dern Fran­ke. Karl Lämm­le stamm­te aus Laupheim bei Ulm. Sein Va­ter war Kauf­mann. Sein Ver­dienst reich­te kaum, um die Fa­mi­lie zu er­näh­ren, so dass Karls äl­te­rer Bru­der 1873 nach Ame­ri­ka aus­wan­der­te. Karl war zu die­sem Zeit­punkt sechs Jah­re alt. Elf Jah­re dar­auf wag­te er den Schritt selbst. Sein Aus­wan­de­r­er­schiff hieß „Ne­ckar“, wie der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Fluss! Karl hat­te bei sei­nem Va­ter Kauf­mann ge­lernt und ver­dien­te in den ers­ten Jah­ren in der neu­en Hei­mat sein Geld als Buch­hal­ter. Das klapp­te so gut, dass er ei­nes Ta­ges so­gar ei­ne Fir­ma grün­den konn­te – und bald dar­auf ei­ne Fa­mi­lie. Karl Lämm­le, der sich in­zwi­schen Carl Laemm­le nann­te, weil die Eng­lisch spre­chen­den Ame­ri­ka­ner kei­ne Um­lau­te „ä“, „ö“und „ü“ken­nen, war we­der be­son­ders groß noch be­son­ders gut aus­se­hend, und er sprach Eng­lisch mit star­kem schwä­bi­schem Ak­zent. Aber bei sei­nen Freun­den, Nach­barn und Mit­ar­bei­tern war er be­liebt und wur­de für sei­nen Ehr­geiz und die vie­len gu­ten Ide­en hoch­ge­schätzt. So ei­ne kam ihm ei­nes Abends, als er in sei­ner Wahl­hei­mat­stadt Chi­ca­go ins Ki­no ging. Das war 1906, vor 111 Jah­ren, und die Ki­nos wa­ren da­mals noch kei­ne Sä­le, son­dern klei­ne Räu­me, in de­nen man teil­wei­se nicht ein­mal sit­zen konn­te. Nie­man­den stör­te das, Ki­nos boom­ten: Be­weg­te Bil­der ei­nem Pu­bli­kum zu zei­gen, das da­für ei­nen noch sehr ge­rin­gen Ein­tritt von ein paar Cents be­zahl­te, war der Ren­ner. Auch Carl ge­hör­te zu den Film­fans – und be­kam mit ei­nem Mal Lust, sein ei­ge­nes Ki­no in Be­trieb zu neh­men und Fil­me zu pro­du­zie­ren. Ge­sagt, ge­tan. Er mach­te es – ge­nau wie sein Lands­mann Ro­land Em­me­rich – grö­ßer und spek­ta­ku­lä­rer als bis­her. Carl mie­te­te ei­nen Saal, stell­te be­que­me Ses­sel auf, ließ die Wän­de weiß strei­chen und ei­nen ro­ten Vor­hang vor die Lein­wand zie­hen. Dass sein Ki­no au­ßer­dem Fil­me mit gu­ter Hand­lung, gu­ten Schau­spie­lern und be­son­de­ren Ef­fek­ten brauch­te, um er­folg­reich zu sein, war ihm be­wusst. Er küm­mer­te sich dar­um. Und als sich sei­ne Mit­ar­bei­ter be­klag­ten, das Wet­ter sei in Chi­ca­go im­mer so schlecht und ver­zö­ge­re die Film­drehs, zog er mit der Fir­ma an die son­ni­ge US-West­küs­te, nach Ka­li­for­ni­en. Carl Laemm­le kauf­te das Ge­län­de ei­ner ehe­ma­li­gen Hüh­ner­farm, so groß wie 238 Fuß­ball­fel­der, und leg­te dort den Grund­stein für Ame­ri­kas Film­stadt: Hol­ly­wood. Sei­ne Film­pro­duk­ti­ons­fir­ma nann­te der ers­te Schwa­be in Hol­ly­wood Uni­ver­sal Film Ma­nu­fac­tu­ring Com­pa­ny. Sie gibt es bis heu­te. Bei der Ber­li­na­le den­ken die Ki­no­fans die­ses Jahr be­stimmt auch an ihn, Carl Laemm­les Ge­burts­tag jähr­te sich im Ja­nu­ar zum 150. Mal! Der­weil mischt bei der Os­car-Ver­lei­hung ei­ne Ba­de­ne­rin mit: Die Karls­ru­her Re­gis­seu­rin Ma­ren Ade ge­hört zu den No­mi­nier­ten in der Ka­te­go­rie „Bes­ter nicht eng­lisch­spra­chi­ger Film“.

Al­les fing in ei­ner al­ten Hüh­ner­farm an

Fo­to: Mu­se­um zur Ge­schich­te von Chris­ten und Ju­den in Laupheim

Ge­bo­ren in Laupheim bei Bi­be­rach: Carl Laemm­le war ein Film­pro­du­zent, der 1912 die Uni­ver­sal Stu­di­os in Los Angeles grün­de­te.

In Karlsruhe ge­bo­ren: Ma­ren Ades Film „To­ni Erd­mann“ist für den Os­car no­mi­niert.

In Stutt­gart ge­bo­ren: Re­gis­seur Ro­land Em­me­rich liebt gi­gan­ti­sche Fil­me.

In Pforz­heim ge­bo­ren: Die­ter Kosslick ist Di­rek­tor der „Ber­li­na­le“.

Fo­tos (4): avs

Der Os­car ist der be­gehr­tes­te Film­preis, den es welt­weit zu ge­win­nen gibt.

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