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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Tho­mas Liebs­cher

Tie­ri­sche Prei­se für Ka­ba­ret­tis­ten

Was ha­ben die Tutt­lin­ger und die Kre­fel­der Krä­he ge­mein­sam? Bei Tier­schüt­zern muss die­se Fra­ge kei­ne be­sorg­ten Bli­cke aus­lö­sen. Es han­delt sich nicht um be­droh­te Vö­gel, de­ren Le­bens­raum in Schwa­ben wie im Rhein­land durch un­se­re aus­ufern­den pflan­ze­lo­sen St­ein­gär­ten be­reits zer­stört wä­re. Die­se Krä­hen sind noch nicht im An­flug auf die Ro­te Lis­te. Sie wer­den an ih­ren Stand­or­ten so­gar gut be­han­delt. Ob­wohl vie­le Künst­ler Jagd auf die Ex­em­pla­re ma­chen. Denn die­se Vö­gel ge­hö­ren zur Gat­tung der Ka­ba­ret­tTie­re. Wie der Salz­bur­ger Stier. Je­nes Ur­viech im Wert von 6 000 Eu­ro löst beim all­jähr­li­chen Auf­trieb viel Hei­ter­keit aus. Stier wie Krä­hen sind Aus­zeich­nun­gen für Witz, Sa­ti­re und Iro­nie. Wer ei­nen Ka­ba­rett­preis an fre­che Wortoder Ton­künst­ler ver­gibt, der möch­te sei­ner Tro­phäe ei­nen mög­lichst ori­gi­nel­len Na­men ge­ben. Und da­für eig­nen sich Tie­re of­fen­bar aus­ge­zeich­net. Wie die Fi­sche „Wil­helms­ha­ve­ner Knurr­hahn“und „Min­de­ner Stich­lin­ge“, der „Rein­hei­mer Sa­ti­re­lö­we“oder das „Schwar­ze Schaf Duis­burg“als Aus­zeich­nung be­le­gen. Et­was we­ni­ger fröh­lich trabt der „Gaul von Nie­der­sach­sen“mit­samt sei­nem „Foh­len“(na­tür­lich ein Nach­wuchs­preis) in der gro­ßen Tier­schau mit. Neu­er­dings be­fällt übers In­ter­net der „Zeck“die Sze­ne. Mit dem Un­ter­preis na­mens – Ach­tung Wort­spiel – „Sound Zeck“für Mu­si­ker. Wo es tierisch schwer ist, ei­nen tol­len Na­men zu fin­den, grei­fen Preis­stif­ter auf Pflan­zen und Ess­ba­res zu­rück: Der „Ka­ba­rett Kak­tus“(Mün­chen) darf nicht feh­len und den „Leip­zi­ger Lö­wen­zahn“pflückt man gern. Zur „Gol­de­nen Weiß­wurscht“, die hof­fent­lich vor dem Mit­tags­läu­ten über­reicht wird, passt so­gar der „Her­bor­ner Schlum­pe­weck“. Falls nö­tig, kann man schließ­lich al­les in die „St. Ing­ber­ter Pfan­ne“hau­en. So vie­le schö­ne Prei­se gibt’s – und Wer­bung für die aus­lo­ben­den Städ­te da­zu. Nur im Ba­di­schen geizt man bis­her mit sol­cher Klein­kunst­för­de­rung. Des­halb soll­ten sich Kul­turäm­ter end­lich Ge­dan­ken ma­chen. Wel­cher Ka­ba­rett­preis wür­de bei­spiel­wei­se zur Fä­cher­stadt pas­sen? Wie wä­re es mit dem „Tun­nel­röhr­ling“oder dem „Rohr­kre­pie­rer“? Als an­züg­li­che­ren Va­ri­an­te lockt der „Karls­ru­her US­traps“. (Klingt im­mer­hin ero­ti­scher als die „Lü­den­schei­der Lüs­ter­klem­me“.) Wenn sich gar nichts fän­de – bis­si­ge Tie­re ge­hen im­mer: Al­so Vor­hang auf für die „Karls­ru­her Rhein­schna­ke.“Die­ser Preis wür­de selbst die „Hei­li­gen­ha­fe­ner Lach­mö­we“amü­sie­ren.

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