Tep­pi­che vom Feins­ten

Der Glanz der geist­li­chen Her­ren in Bruch­sal leuch­tet bald wie­der auf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Bo

Ras­tatt, Karlsruhe, Bruch­sal, Mann­heim – im frü­hen 18. Jahr­hun­dert ent­stan­den am Ober­rhein gro­ße Ba­rock­re­si­den­zen. Bruch­sal ist die ein­zi­ge da­von, die von ei­nem Fürst­bi­schof ge­baut wur­de. Der­zeit wer­den im dor­ti­gen Schloss die Prunk­räu­me wie­der so ein­ge­rich­tet, wie sie seit dem 18. Jahr­hun­dert bis zur Zer­stö­rung im letz­ten Kriegs­jahr 1945 be­stan­den. Die Ar­bei­ten ste­hen kurz vor dem Ab­schluss – für den 29. April ist die Wie­der­er­öff­nung ge­plant. In der Süd­sei­te der Bel­eta­ge ha­ben Re­stau­ra­to­rin­nen in die­ser Wo­che gro­ße Wand­tep­pi­che aus der Samm­lung der Speye­rer Fürst­bi­schö­fe mon­tiert – so­ge­nann­te Ta­pis­se­ri­en. Sie ge­hö­ren zu den Kunst­schät­zen aus dem Bruch­sa­ler Schloss, die im Zwei­ten Welt­krieg aus­ge­la­gert wur­den und in De­pots über­dau­ert ha­ben. Ei­ne Se­rie, die nach 1650 ver­mut­lich in Flan­dern ent­stand, heißt „Ju­pi­ter trans­for­ma­tus“und hängt jetzt wie­der im „Blau­en Zim­mer“. Die Wand­tep­pi­che zei­gen die Ver­wand­lun­gen des an­ti­ken Got­tes Ju­pi­ter. Er nimmt in den Er­zäh­lun­gen ver­schie­de­ne Gestal­ten an, um Frau­en zu ver­füh­ren. „Das The­ma ist zwar sehr welt­lich für die Woh­nung ei­nes geist­li­chen Herr­schers, wir wis­sen aber, dass die Ta­pis­se­ri­en schon zu Zei­ten der Fürst­bi­schö­fe in Bruch­sal hin­gen“, sagt Kon­ser­va­to­rin Pe­tra Pechacek von den Staat­li­chen Schlös­sern und Gär­ten (SSG): „Zu­dem wa­ren Darstel­lun­gen nach den Met­a­mor­pho­sen Ovids an Hö­fen sehr be­liebt. Auch in den Re­si­den­zen der Mark­gra­fen von Ba­den-Dur­lach und Ba­den-Ba­den, in Karlsruhe und Ras­tatt, und am kur­pfäl­zi­schen Hof in Mann­heim ist das The­ma be­legt.“Ta­pis­se­ri­en auf­zu­hän­gen ist auf­wän­dig, denn die schwe­ren Tex­ti­li­en dür­fen sich nicht ver­zie­hen. Drei bis vier Ta­ge ar­bei­ten zwei Re­stau­ra­to­rin­nen an der Hän­gung ei­ner ein­zel­nen Ta­pis­se­rie. In Bruch­sal steht als nächs­tes die Hän­gung in den nörd­li­chen Räu­me auf dem Pro­gramm. Da­nach sol­len die his­to­ri­schen Öfen, Mö­bel und Ge­mäl­de an ih­ren al­ten Stand­ort zu­rück­keh­ren. Und dann, so SSG-Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Hörr­mann, wird Schloss Bruch­sal „wie­der zu dem wer­den, was es ein­mal war: ein Ort, an dem die Küns­te des 18. Jahr­hun­derts in ih­ren Spit­zen­leis­tun­gen zu be­wun­dern sind.“

De­tail ei­ner Ta­pis­se­rie, die jetzt wie­der im Bruch­sa­ler Schloss mon­tiert wur­de. Fo­to: SSG

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