Ge­heim­nis­vol­le Kö­nigs­städ­te

Aus­stel­lung in Spey­er gibt Ein­bli­cke ins Kunst­schaf­fen und in den All­tag der Ma­ya

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Freizeit & Ausflüge - Mt

Das Ver­schwin­den der klas­si­schen Ma­ya-Kul­tur ist im­mer noch ei­ne der rät­sel­haf­tes­ten Fra­gen der Ge­schich­te“, sagt Lars Bör­ner. Er ist Pro­jekt­lei­ter der Aus­stel­lung „Ma­ya – Das Rät­sel der Kö­nigs­städ­te“, die bis 23. April im His­to­ri­schen Mu­se­um der Pfalz in Spey­er ge­zeigt wird. Doch nicht nur das Ver­schwin­den der Ma­ya-Städ­te – sie wur­den im 9. Jahr­hun­dert nach Chris­tus auf­ge­ge­ben und von ih­ren Be­woh­nen ver­las­sen – wirft Fra­gen auf: „Vor dem Hin­ter­grund der le­bens­feind­li­chen Um­welt, dem Re­gen­wald Me­soame­ri­kas, gilt es eben­so zu er­grün­den, wie es den Ma­ya ge­lang, dort Städ­te zu er­rich­ten, die für ei­ne sehr lan­ge Zeit be­stan­den und pro­spe­rier­ten, und zu­gleich ih­re Hoch­kul­tur zu ent­wi­ckeln“, er­läu­tert Bör­ner. Ent­stan­den ist die gro­ße kul­tur­his­to­ri­schen Aus­stel­lung zur „ver­sun­ke­nen“Hoch­kul­tur der Ma­ya in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit ei­nem der be­deu­tends­ten Ma­ya-For­scher der Ge­gen­wart: Ni­ko­lai Gru­be von der Rhei­ni­schen Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät Bonn. Man ha­be sich ent­schie­den, Der Pro­fes­sor be­zeich­net die Kul­tur der Ma­ya als „ei­ne der gro­ßen und fas­zi­nie­rends­ten an­ti­ken Zi­vi­li­sa­tio­nen der Mensch­heit.“Völ­lig un­ab­hän­gig von den kul­tu­rel­len Ent­wick­lun­gen in Asi­en, Afri­ka und Eu­ro­pa sei im tro­pi­schen Re­gen­wald Zen­tral­ame­ri­kas ei­ne städ­ti­sche Zi­vi­li­sa­ti­on ent­stan­den, die na­he­zu zwei­tau­send Jah­re be­stand. Die Schau zeigt nicht nur gro­ße Kunst­wer­ke aus den Pa­läs­ten der Gott­kö­ni­ge, son­dern auch Ge­gen­stän­de aus dem All­tag. Rund 250 Ex­po­na­te wer­den in Spey­er prä­sen­tiert. Ein Groß­teil von ih­nen stammt aus mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Mu­se­en und ist im Zu­ge ei­nes Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jekts mit dem nie­der­län­di­schen „Dr­ents Mu­se­um“in As­sen erst­ma­lig in Eu­ro­pa zu se­hen. Spek­ta­ku­lä­re eu­ro­päi­sche Leih­ga­ben wie ein mit Schnit­ze­rei­en ver­zier­ter, höl­zer­ner Türsturz aus Ti­kal oder die so­ge­nann­te, voll­stän­dig er­hal­te­ne „Ber­li­ner Kriegs­va­se“, auf der ei­ne Kampf­hand­lung zu se­hen ist, er­gän­zen die Prä­sen­ta­ti­on. Sie zeu­gen so­wohl von dem her­aus­ra­gen­den, künst­le­ri­schen Schaf­fen als auch von dem „ganz nor­ma­len“Le­ben der Ma­ya. Ei­nen Ein­druck da­von, wie die Stadt­an­la­gen funk­tio­nier­ten und wel­cher Auf­wand be­trie­ben wer­den muss­te, um die Be­völ­ke­rung der Ma­ya-Städ­ten mit Was­ser und ge­nü­gend Le­bens­mit­teln zu ver­sor­gen, ver­mit­telt ei­ne di­gi­ta­le Re­kon­struk­ti­on der Ma­ya-Stadt Uxul. Sie rückt das Ver­hält­nis von Mensch und Na­tur in den Fo­kus und rich­tet den Blick nicht nur auf den Adel, son­dern auch auf ein­fa­che Men­schen, die in den Städ­ten und de­ren Um­land wohn­ten. Vie­le Leu­te ken­nen, so meint Mu­se­ums­chef Alex­an­der Schu­bert, die My­then, die sich um die Kul­tur der Ma­ya ran­gen – die an­geb­li­che Welt­un­ter­gangs­pro­phe­zei­ung et­wa oder die Ge­schich­te vom Kris­tall­schä­del: „Doch die tat­säch­li­chen For­schungs­er­geb­nis­se von Pro­fes­sor Gru­be und sei­nen Mit­ar­bei­tern, die wir in Spey­er prä­sen­tie­ren kön­nen, sind noch um ei­ni­ges span­nen­der“, meint der Di­rek­tor. Kin­der und Fa­mi­li­en kön­nen die Welt der Ma­ya üb­ri­gens mit ei­nem ei­ge­nen Au­dio­gui­de und auf ei­nem spe­zi­ell kon­zi­pier­ten Rund­gang an­hand von elf Mit­mach­sta­tio­nen spie­le­risch er­kun­den: Sie er­fah­ren mit wel­chen Tie­ren die Ma­ya ih­ren Le­bens­raum, den Re­gen­wald, teil­ten, dass sie be­reits Avo­ca­dos, Kür­bis­se und Ka­kao an­bau­ten und wie die kunst­vol­len Schrift­zei­chen, die Ma­ya-Hie­ro­gly­phen, zu lesen sind.

Weih­rauch­ge­fäß in Form ei­ner sit­zen­den Fi­gur mit Pflan­zen in den Hän­den (250 – 900 nach Chris­tus) Ob­jekt: Fund­a­ción La Ru­ta Ma­ya, Gua­te­ma­la, Fo­to: His­to­ri­sches Mu­se­um der Pfalz/ Ri­cky López Br­uni Die ge­heim­nis­vol­len Ma­ya sind The­ma ei­ner Aus­stel­lung in Spey­er: Ei­ne Op­fer­sze­ne ist auf der Ab­rol­lung ei­nes be­mal­ten Trink­ge­fä­ßes zu se­hen. Die Ke­ra­mik wur­de um 600 bis 800 nach Chris­tus ge­fer­tigt. Ob­jekt/Fo­to: Fund­a­ción La Ru­ta Ma­ya, Gua­te­ma­la

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