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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Micha­el Fich­ten­holz I Opern­di­rek­tor am Staats­thea­ter Tho­mas Liebs­cher

Am Bol­schoi-Thea­ter wur­de das Ge­fühl ver­mit­telt, dass man Ein­zel­kämp­fer sein muss, um zu schaf­fen, was man an­strebt. Hier in Karls­ru­he spü­re ich ei­ne At­mo­sphä­re der Ge­mein­sam­keit für den Er­folg und ich ha­be ein ech­tes Team“, bi­lan­ziert Micha­el Fich­ten­holz mit­ten in sei­ner drit­ten Sai­son am Ba­di­schen Staats­thea­ter. Von Mos­kau nach Karls­ru­he und von rus­si­scher Mut­ter­spra­che zur der am Goe­the-In­sti­tut er­lern­ten frem­den Spra­che: Auch wenn die Mu­sik Ver­stän­di­gung oh­ne vie­le Wor­te er­mög­licht und er schon lan­ge mit be­deu­ten­den in­ter­na­tio­na­len Sän­gern, Di­ri­gen­ten oder Büh­nen­bild­nern ar­bei­te­te – Fich­ten­holz muss­te den kul­tu­rel­len Wan­del rasch be­ste­hen. Zu­mal er 2014 bin­nen ei­nes hal­ben Jah­res die neue Stel­le an­trat. Was nicht üb­lich ist bei Füh­rungs­kräf­ten im Thea­ter. Die – wie er sagt – „men­tal sehr an­stren­gen­de ers­te Karls­ru­her Zeit“hat ihn nicht zu­rück­ge­wor­fen. Mit spür­ba­rer Lie­be stürzt sich der Karls­ru­her Opern­di­rek­tor seit­dem in sei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­ga­ben. Ei­ne da­von ist die künst­le­ri­sche Lei­tung der am 17. Fe­bru­ar be­gin­nen­den Hän­del-Fest­spie­le. Mit dem Er­folg sei­ner „ers­ten“Fest­spie­le im Vor­jahr hat er Maß­stä­be hoch­ge­hal­ten. Nun steht das Mu­sik­dra­ma „Se­me­le“mit fünf Auf­füh­run­gen bis 28. Fe­bru­ar im Mit­tel­punkt. In der Hän­del­schen Mu­sik sieht der rus­si­sche Opern­chef ei­ne „Es­senz der Schön­heit“. Da­mit kön­ne man dem Pu­bli­kum auch ein Stück Weltret­tung ver­mit­teln. Und er freut sich auf die Wie­der­be­geg­nung mit Don­na Le­on bei ei­ner Ver­an­stal­tung der Fest­spie­le. Die Au­to­rin ist ei­ne Hän­del-Ken­ne­rin. Seit­dem die Pro­ben zu „Se­me­le“lau­fen, sieht Fich­ten­holz sei­ne wich­tigs­te Auf­ga­be da­rin, „dass sich die Künst­ler wohl­füh­len und ich ih­nen den Rah­men be­rei­te, in­dem ich mich um 1000 Klei­nig­kei­ten küm­me­re“. Gleich­zei­tig war­ten nicht we­ni­ger Auf­ga­ben rund um lau­fen­de und künf­ti­ge Pro­duk­tio­nen. Höf­lich und akri­bisch wie Fich­ten­holz ist, un­ter­bricht er im­mer wie­der sein Er­zäh­len auf Deutsch, um ge­rings­te Ab­wei­chun­gen von sei­ner sprach­li­chen Per­fek­ti­on zu kor­ri­gie­ren. „Man hat mich in Russ­land ge­warnt, dass es zwar gut sei in Deutsch­land als Tou­rist, aber sehr schwer, hier zu le­ben. Ich emp­fin­de das nicht so“, meint der En­kel des sehr be­rühm­ten rus­si­schen Gei­gers Mik­hail Fich­ten­holz. Wenn er an ei­nem Sonn­tag von der Un­ter­stüt­zung mu­si­ka­li­scher Schön­heit pau­sie­ren kann, schätzt er mit Freun­den Aus­flü­ge auf die ho­hen Berge des Schwarz­walds. In som­mer­li­chen Thea­ter­fe­ri­en zieht es ihn gern in die Al­pen. Rei­sen wie je­ne zu his­to­risch be­deut­sa­men Stät­ten von Sach­sen-An­halt oder Thü­rin­gen be­ein­druck­ten den be­geis­te­rungs­fä­hi­gen 38-Jäh­ri­gen wie­der auf an­de­re Wei­se.

Ein Büh­nen­schwan in sei­ner Ob­hut: Micha­el Fich­ten­holz ist Opern­di­rek­tor am Ba­di­schen Staats­thea­ter und künst­le­ri­scher Lei­ter der Hän­del-Fest­spie­le. Der Schwan dient als Re­qui­sit in der Oper „Wahn­fried“. Fo­to: Ar­tis

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