Aus­lei­he am Au­to­ma­ten

Ba­di­sche Lan­des­bi­blio­thek baut Foy­er in die­sem Jahr um

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Das stört mich, seit ich die Bi­b­lio­thek lei­te: Man kommt über den Haupt­ein­gang her­ein und blickt ge­ra­de­wegs auf was? Auf Gar­de­ro­ben­schrän­ke!“Ju­lia von Hil­ler, Di­rek­to­rin der Ba­di­schen Lan­des­bi­blio­thek in Karls­ru­he (BLB), pflegt das kla­re und kri­ti­sche Wort, wenn es um „ihr“Haus in der Erb­prin­zen­stra­ße geht. Da hat die BLB bei­spiels­wei­se Sa­nie­rungs­auf­trä­ge für un­dich­te Dä­cher und leicht feucht wer­den­de Wän­de in Auf­trag ge­ge­ben – um ver­gan­ge­nes Jahr ne­ben­bei zu er­fah­ren, dass der Bau un­ter Denk­mal­schutz ge­stellt wur­de. Die 1991 er­stell­te BLB, Ar­chi­tekt ist Os­wald Ma­thi­as Un­gers, gilt als be­deu­tend für die Epo­che der Post­mo­der­ne. Die Schutz­wür­dig­keit seit 2016 er­for­dert neu­es Den­ken bei Um­bau­ten und ver­zö­gert be­reits ein­ge­lei­te­te Plä­ne. Was Ju­lia von Hil­ler al­ler­dings nicht hin­dert, lan­ge vor dem Früh­lings­be­ginn von gro­ßer Auf­bruch­stim­mung in der BLB zu be­rich­ten. Denn 2017 gilt als ein Jahr mit gra­vie­ren­den Ve­rän­de­run­gen für die Nut­zer. Sie sol­len wohl ab Sep­tem­ber al­le Bü­cher des Frei­hand­be­reichs selbst­stän­dig aus­lei­hen und zu­rück­ge­ben kön­nen. Al­so oh­ne ei­ne The­ke mit dem BLB-Per­so­nal auf­su­chen zu müs­sen. (Was die Karls­ru­her von Haupt- und al­len Zweit­stel­len ih­rer Stadt­bi­blio­thek ken­nen.) Da­für ist nö­tig, 530 000 neue­re Bü­cher mit ei­nem Chip aus­zu­stat­ten –was ei­ne Fremd­fir­ma be­reits ge­tan hat. Die Um­bau­ar­bei­ten für Au­to­ma­ten und Schran­ken in der BLB be­gin­nen bald. Wenn al­les fer­tig ist, muss man nicht mehr un­be­dingt Ta­schen und Män­tel für ei­ner Aus­lei­he aus dem Frei­hand­be­reich ab­ge­ben. Und ei­ne Rück­ga­be au­ßer­halb der Öff­nungs­zei­ten über ei­nen „Brief­kas­ten“wird eben­falls an­ge­gan­gen, in­for­miert BLB-Vi­ze Vol­ker Wit­ten­au­er. So­bald die Um­bau­ten im Foy­er und am Hau­t­ein­gang ge­stemmt sind, kön­nen die per­sön­li­chen Ser­vice­the­ken ins Blick­feld der ein­tre­ten­den Be­su­cher fal­len. Für fri­schen Wind möch­te die Lan­des­bi­blio­thek zu­dem mit dem neu­em Si­g­net sor­gen.

Es ent­stand auf Grund­la­ge der „Qua­dra­tur des Krei­ses.“Die Buch­sta­ben BLB pran­gen nun in der Schrift La­to auf ei­nem Mo­no­gon, dem Eineck in der Far­be Pe­trol. Ein neu­es Er­schei­nungs­bild wird das Haus auch bald auf der Home­page prä­sen­tie­ren. Um ihr in­halt­li­ches Image noch wei­ter auf­zu­po­lie­ren, ist die BLB flei­ßig da­bei, al­te Bü­cher­schät­ze di­gi­tal zur Ver­fü­gung zu stel­len. 2,2 Mil­lio­nen Sei­ten sind be­reits im Netz an­zu­kli­cken: Mit­tel­al­ter­li­che Hand­schrif­ten, No­ten aus der Zeit bis 1806, re­gio­na­le Quel­len zur Ge­schich­te und bald Land­kar­ten. Zu den di­gi­ta­li­sier­ten Zei­tun­gen sol­len der „Volks­freund“und die „Ba­di­schen In­tel­li­genz­blät­ter“hin­zu­kom­men. Die Kos­ten von zwei Mil­lio­nen Eu­ro für die Di­gi­ta­li­sie­rung wur­den bis­lang zur Hälf­te aus zu­sätz­li­chen Lan­des­mit­teln be­strit­ten.

Am „Gra­zer Buch­tisch“wer­den Hand­schrif­ten „scho­nend“di­gi­ta­li­siert. Die Ba­di­sche Lan­des­bi­blio­thek macht da­mit kräf­tig wei­ter. Und leg­te sich ein neu­es Lo­go zu. Fo­to: Deck

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