Sieg auch oh­ne Süd­tri­bü­ne

Dort­mund 3:0 ge­gen Wolfs­burg – aber De­bat­te über DFB-Stra­fe geht wei­ter

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Sid/avs

Hans-Joa­chim Watz­ke konn­te den Blick auf die gäh­nend lee­re Süd­tri­bü­ne kaum er­tra­gen. „Das sind schreck­li­che Bil­der. Ich gu­cke da gar nicht mehr hin, das ist ei­ne tie­fe Zä­sur“, klag­te der Ge­schäfts­füh­rer von Bo­rus­sia Dort­mund beim Bun­des­li­ga-Spiel sei­nes BVB ge­gen den VfL Wolfs­burg. Die le­gen­dä­re „Gel­be Wand“war dies­mal ei­nem grau­en Leer­stand ge­wi­chen, zur Stra­fe für die skan­da­lö­sen Vor­fäl­le am Ran­de des vor­he­ri­gen Dort­mun­der Heim­spiels ge­gen RB Leip­zig. „Der BVB oh­ne Süd­tri­bü­ne ist wie Fuß­ball oh­ne Ball“, sag­te Watz­ke, der nach lan­ger Ab­wä­gung ge­mein­sam mit der Spit­ze des Ver­eins dem Straf­an­trag des DFB-Kon­troll­aus­schus­ses zu­ge­stimmt hat­te. Wo sonst 25 000 ju­beln, fie­bern, lei­den, trau­ern, da ist dies­mal ein­fach nichts. Kein Fan darf die „Süd“be­tre­ten, al­le Auf­gän­ge sind mit mo­bi­len Me­tall­zäu­nen zu­ge­stellt. An je­dem Sta­di­on­ein­gang ste­hen zahl­rei­che Ord­ner und zu­sätz­li­che pri- Si­cher­heits­kräf­te – und sie kon­trol­lie­ren sehr ge­wis­sen­haft. Nach den Vor­komm­nis­sen des Leip­zig-Spiels, als vor dem Sta­di­on Hun­der­te BVB-An­hän­ger die RB-Fans at­ta­ckier­ten, dar­un­ter auch Kin­der, und im Sta­di­on skan­da­lö­se Pla­ka­te ge­gen den Auf­stei­ger ge­zeigt wur­den, soll dies­mal al­les ru­hig blei­ben. Vie­le ha­ben zwar Ver­ständ­nis für das Durch­grei­fen des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des, zu­mal der BVB we­gen frü­he­rer Ver­feh­lun­gen der Fans schon auf Be­wäh­rung war. Doch gleich die gan­ze „Süd“sper­ren, die größ­te Steh­tri­bü­ne Eu­ro­pas? “Wir ha­ben uns schon schwer da­mit ge­tan, solch ei­ne Kol­lek­tivs­tra- fe zu ak­zep­tie­ren. 24 800 ha­ben ja nichts ge­tan“, sagt Watz­ke. „Oh­ne Süd ist echt doof“, heißt es auf dem Pla­kat ei­nes Fans. „Fuß­ball­stim­mung. Fan­kul­tur. Kol­lek­tivstra­fe? Un­sinn pur“, ha­ben an­de­re An­hän­ger auf gro­ße Stoff­bah­nen ge­schrie­ben. Die Spie­ler von Bo­rus­sia Dort­mund ste­hen nach der Par­tie ein we­nig un­schlüs­sig im Mit­tel­kreis, dann gab Mar­cel Schmel­zer die Rich­tung vor. Der Ka­pi­tän be­or­der­te sei­ne Mit­spie­ler vor die Nord­tri­bü­ne, um sich bei den Fans für die Un­ter­stüt­zung zu be­dan­ken. Die Fei­er­lich­kei­ten fie­len dort zwar nicht ganz so en­thu­si­as­tisch wie vor der Gel­ben Wand aus, doch spä­tes­tens nach dem sou­ve­rä­nen 3:0 (1:0)-Er­folg ge­gen ei­nen er­schre­ckend harm­lo­sen VfL Wolfs­burg war das The­ma der ge­sperr­ten Süd­tri­bü­ne für die BVB-Pro­fis er­le­digt – auch wenn sie so et­was nie mehr er­le­ben wol­len. „Na­tür­lich hat da et­was ge­fehlt“, sag­te der über­ra­gen­de Lu­kasz Pisz­c­zek, doch viel wich­ti­ger sei ge­we­sen, dass die Mann­va­te schaft nach den Nie­der­la­gen in Darm­stadt und bei Ben­fi­ca Lis­s­a­bon „ei­ne Re­ak­ti­on ge­zeigt“ha­be. Durch das 31. Heim­spiel in der Fuß­ball-Bun­des­li­ga in Fol­ge oh­ne Nie­der­la­ge lie­gen die West­fa­len als Ta­bel­len­drit­ter wie­der auf Cham­pi­ons-Le­ague-Kurs. Nach schwie­ri­gen Wo­chen mit ei­ni­gen Ne­ben­kriegs­schau­plät­zen prä­sen­tier­te sich auch Tho­mas Tu­chel nach dem star­ken Auf­tritt sei­ner Mann­schaft ge­löst. Und: In Rechts­ver­tei­di­ger Pisz­c­zek ha­ben die West­fa­len in die­ser Sai­son ei­ne Ge­heim­waf­fe. Der pol­ni­sche Na­tio­nal­spie­ler er­ziel­te ge­gen Wolfs­burg be­reits sein fünf­tes Sai­son­tor (48.). „Es klappt in die­ser Sai­son ein­fach gut. Ich bin bei Ecken im­mer vor­ne mit da­bei. Da be­kom­me ich mei­ne Chan­cen“, sag­te der 31-Jäh­ri­ge, der die bei­den wei­te­ren Tref­fer durch Jef­frey Bru­ma (20./Ei­gen­tor) und den eben­falls star­ken Ous­ma­ne Dem­be­le (59.) vor­be­rei­te­te und sich da­nach ein Son­der­lob sei­nes Trai­ners ab­hol­te.

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