Liv Sol­veig Wa­gner: Crowd­fun­ding für die neue CD

Im­mer mehr Künst­ler schwö­ren auf „Crowd­fun­ding“/ Für fünf Eu­ro gibt’s „gu­tes Kar­ma“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Wolf­gang We­ber

Das Zau­ber­wort heißt „Crowd­fun­ding“und selbst­ver­ständ­lich ist es mal wie­der ein eng­li­scher Be­griff und kein deut­scher. Man könn­te auch „Schwarm­fi­nan­zie­rung“sa­gen, aber das klingt ir­gend­wie ein biss­chen bie­der. Um Crowd­fun­ding geht es im­mer dann, wenn bei­spiels­wei­se ein Künst­ler ei­ne CD pro­du­zie­ren möch­te, aber nicht ge­nug Geld hat. Oder wenn ei­ne Band ihr Al­bum un­be­dingt in den be­rühm­ten „Ab­bey Road Stu­di­os“in Lon­don auf­neh­men möch­te und sich die­ses Stu­dio ei­gent­lich gar nicht leis­ten kann. So wie das Mann­hei­mer Ge­s­angs­quar­tett „Les Brü­net­tes“bei­spiels­wei­se. „Es war un­ser gro­ßer Traum, un­ser Al­bum ‚The Beat­les Clo­se-Up‘ an je­nem ma­gi­schen, krea­ti­ven Ort auf­zu­neh­men, an dem vie­le der Beat­les Al­ben ent­stan­den sind: den le­gen­dä­ren ‚Ab­bey Road Stu­di­os‘ in Lon­don. Ge­ra­de weil un­se­re Ge­ne­ra­ti­on die Beat­les nur aus zwei­ter und drit­ter Hand kennt, su­chen wir den Spi­rit von da­mals: wir wol­len ihn ent­de­cken, at­men, spü­ren. Und ihn dann mit Herz­blut auf das Al­bum pa­cken!“Da­zu fehl­te den vier Sän­ge­rin­nen aber ein Be­trag von 15 000 Eu­ro. Ein paar Wo­chen lang konn­te nun je­der, der hel­fen woll­te, über ei­ne Platt­form im In­ter­net Geld spen­den. Für sie­ben Eu­ro er­hielt man ei­ne Post­kar­te aus Lon­don, für 30 Eu­ro ein si­gnier­tes Al­bum, für 1 500 Eu­ro so­gar ein „Wohn­zim­mer­kon­zert“. Das an­ge­streb­te Ziel von 15000 wur­de weit über­schrit­ten. Am En­de la­gen 21 567 Eu­ro im „Spen­den­topf“, die Mu­si­ke­rin­nen konn­ten ihr Al­bum in Lon­don auf­neh­men und „in die sel­ben Mi­kro­fo­ne sin­gen wie Paul McCart­ney“. Das Er­geb­nis ist ab En­de April auf CD zu hö­ren. Den glei­chen Weg geht der­zeit die Karls­ru­her Mu­si­ke­rin Liv Sol­veig Wa­gner. Sie ist seit ei­ni­gen Ta­gen mit ih­rer Band in ei­nem Stu­dio in Ber­lin, um dort ei­ne neue CD zu pro­du­zie­ren. Ihr „Fun­ding­ziel“: 7 000 Eu­ro. Wer im In­ter­net auf „www.start­next.com“bei­spiels­wei­se 50 Eu­ro spen­det, be­kommt ei­ne Ge­neu­es sangs­stun­de bei der viel­sei­ti­gen Künst­le­rin, die in Karls­ru­he Vio­li­ne und in New York Jazz stu­diert hat. Für 300 Eu­ro gibt’s ei­ne na­ment­li­che Er­wäh­nung auf der CD, für 500 Eu­ro ein Haus­kon­zert. Und wer „nur“fünf Eu­ro spen­det, wird im­mer­hin mit „gu­tem Kar­ma“be­lohnt. Auch si­gnier­te Al­ben, Kon­zert­ti­ckets oder ei­ne Wes­tern­gi­tar­re sind im An­ge­bot. „Die Un­ter­stüt­zung wird voll­stän­dig für Stu­dio-und Mu­si­ker­kos­ten ver­wen­det“, sagt Liv. „Wir fi­nan­zie­ren da­mit so­wohl die Pro­duk­ti­on und die Teil­nah­me ei­nes je­den Ein­zel­nen von uns als auch Ver­pfle­gung, Fahrt­kos­ten und Un­ter­kunft.“Das Gan­ze ent­behrt nicht ei­nes ge­wis­sen Ri­si­kos für die Künst­ler. Kommt die an­ge­streb­te Sum­me in der an­ge­ge­be­nen Zeit nicht zu­sam­men, er­hal­ten al­le Spen­der ihr Geld wie­der zu­rück. Ei­ner der er­folg­reichs­ten Mu­si­ker, die ih­re CDs durch Crowd­fun­ding fi­nan­zie­ren, ist der Pop­sän­ger Tho­mas Go­doj, der 2008 die fünf­te Staf­fel der Cas­ting­show „Deutsch­land sucht den Su­per­star“ge­won­nen hat. Für sein Al­bum „Mund­werk“hat­te er das Fun­ding­ziel von 55 000 Eu­ro aus­ge­ge­ben. Am En­de kam durch Spen­den die sa­gen­haf­te Sum­me von 186 515 Eu­ro zu­sam­men. Ein Fan zahl­te hier so­gar 10 000 Eu­ro – für ein Wohn­zim­mer­kon­zert mit kom­plet­ter Band.

Fo­to: In­ga See­vers

In Zei­ten von Cas­ting-Shows ist es der Karls­ru­her Mu­si­ke­rin Liv ein An­lie­gen, ei­nen ganz na­tür­li­chen Sound, der von der nor­we­gi­schen Na­tur und dem All­tag in New York in­spi­riert ist, ins Stu­dio zu ho­len. Die Fans kön­nen ihr da­bei hel­fen. Fo­to: Ste­pha­nie Schlit­ten­hardt

„Les Brü­net­tes“aus Mann­heim woll­ten ihr Al­bum mit Beat­les-Lie­dern un­be­dingt in den welt­be­rühm­ten „Ab­bey Road Stu­di­os“in Lon­don auf­neh­men. Dank Crowd­fun­ding ging ihr Traum in Er­fül­lung. Fo­to: Ma­ri­us En­gels

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