Sil­via Bo­schert: Obers­te När­rin der Or­ten­au

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Sil­via Bo­schert | Vor­sit­zen­de des Or­ten­au­er Nar­ren­bun­des Katrin Kö­nig

Das Haus der Fa­mi­lie Bo­schert im be­schau­li­chen Kehl-Mar­len ist der­zeit ein ein­zi­ges Be­kennt­nis zur Fast­nacht: Mas­ken, Kon­fet­ti, Fi­gu­ren al­ler Art, von der Haus­tür bis ins Wohn­zim­mer. Zu­ge­ge­ben: Sil­via Bo­schert mit wil­der Lo­cken­mäh­ne und vi­ta­ler Aus­strah­lung passt bes­tens in die­se Um­ge­bung. Die Prä­si­den­tin des Or­ten­au­er Nar­ren­bun­des ist mit ih­rer Fas­net auf­ge­wach­sen; ihr Va­ter war Mit­be­grün­der der Mar­le­ner Narr­hal­la „nel­raM“, des­sen Vor­stand sie nun schon lan­ge an­ge­hört, elf Jah­re im Amt der Sit­zungs­prä­si­den­tin. „Ich be­schloss, mei­nen Teil da­zu bei­zu­tra­gen, dass un­ser Brauch­tum le­ben­dig bleibt“, sagt Bo­schert. Ein Brauch­tum, das sie als Misch­form aus dem rhei­ni­schen Kar­ne­val und dem „tief-der­ben Schwä­bisch-Ale­man­ni­schen“de­fi­niert. „Gar­de­tän­ze und El­fer­rat, aber auch Mas­ken und Häs so­wie al­te Bräu­che wie das Eier­bäd­deln.“Zwar „steppt mo­men­tan der Bär“, letzt­lich aber ist Bo­schert ganz­jäh­rig ak­tiv. „Ich ge­hö­re auch der Ge­s­angs­grup­pe ’6 Zy­lin­der’ an.“Schon beim Zu­hö­ren kommt man qua­si aus der Pus­te, und Bo­schert sagt lä­chelnd: „Ja, man muss das sehr lie­ben, um es durch­zu­zie­hen.“In ih­rem Ele­ment ist sie wäh­rend der Kam­pa­gne, die sie als „Kür“nach der Pflicht emp­fin­det. „Ich le­be ja ge­ra­de von den Auf­trit­ten, vom La­chen der Men­schen.“Schel­misch fügt sie hin­zu: „Ich bin wohl ei­ne rich­ti­ge Ram­pen­sau.“Ih­re Sket­che ent­ste­hen nach gu­ter Be­ob­ach­tung. „Man sieht ei­ne Fi­gur und denkt: Da könn­te man et­was draus ma­chen.“In die­sem Jahr ge­he es um dia­lekt­spre­chen­de ba­di­sche Ta­xi­fah­re­rin­nen in Ham­burg. „Oft neh­men wir den Fa­mi­li­en­all­tag mit sei­nen Stress-Si­tua­tio­nen und Rol­len­ver­tei­lun­gen als Ba­sis.“In­zwi­schen schreibt auch ih­re Toch­ter für die Auf­trit­te. „Oh­ne­hin wä­re mein En­ga­ge­ment oh­ne die Un­ter­stüt­zung der Fa­mi­lie nicht mög­lich.“Bo­schert und ihr Team ent­wi­ckel­ten beim Nar­ren­bund das mit dem Lan­des­eh­ren­preis aus­ge­zeich­ne­te Pro­jekt „Echt gut“zur Sen­si­bi­li­sie­rung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen im Um­gang mit Dro­gen, Al­ko­hol oder Ge­walt. „Bei uns gibt es ein aus­ge­präg­tes Be­wusst­sein für die­se The­men. Na­tür­lich kommt es mal zu Aus­fäl­len. Oft sind es aber Be­su­cher, die Gren­zen über­schrei­ten. Un­se­re Mit­glie­der wis­sen, dass sie den Rück­halt ver­lie­ren, wenn sie sich nicht an Re­geln hal­ten.“Ihr Ein­satz als All­round-Fast­nach­te­rin wirkt sich auf ih­re Sonn­ta­ge aus. „Wenn kein Ter­min an­steht, muss ich bü­geln und put­zen.“Au­ßer­dem wid­met sie sich Le­sen und Sport. „Au­ßer­halb der Fas­net bin ich ein lang­wei­li­ger Mensch. Im­mer noch im sel­ben Dorf, im­mer noch beim sel­ben Mann.“Lang­wei­lig? Na, wer’s glaubt.

„Ich le­be von den Auf­trit­ten und vom La­chen der Men­schen“, sagt die Fast­nach­te­rin Sil­via Bo­schert. Sie ist Vor­sit­zen­de der Or­ten­au­er Nar­ren­bun­des und in Kehl-Mar­len zu Hau­se. Fo­to: Kö­nig

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