Ca­ro­lin Ke­be­kus: Ki­no-Haupt­rol­le für die Come­dy-Queen

Ca­ro­lin Ke­be­kus über ih­re ers­te Ki­no­rol­le und die Rol­le von Frau­en im Pu­bli­kum

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE -

Ca­ro­lin Ke­be­kus (36) spielt erst­mals die Haupt­rol­le in ei­nem Ki­no­film („Schatz, nimm du sie!“). Ei­gent­lich muss man sich wun­dern, dass das erst jetzt pas­siert: In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ging die Kar­rie­re der Köl­ne­rin („Pus­syTer­ror TV“) steil nach oben. Im Ge­spräch spricht die in Ber­gisch-Glad­bach ge­bo­re­ne Ke­be­kus über ängst­li­che Frau­en, den Hu­mor in der „Nein heißt Nein“-De­bat­te und war­um sie bis­wei­len den Drang ver­spür­te, „Pe­nis!“zu brül­len.

Sie spie­len in ih­rer ers­ten Ki­no­haupt­rol­le ei­ne für deut­sche Ko­mö­di­en eher un­ge­wöhn­li­che Rol­le: ei­ne Frau, die nicht nur Stich­wort­ge­be­rin für den Mann ist. Hät­ten Sie über­haupt ei­ne an­de­re Rol­le an­ge­nom­men?

Ca­ro­lin Ke­be­kus: Nein. Ich ha­be schon un­heim­lich vie­le Bü­cher be­kom­men, in de­nen die Frau ein­fach aus­tausch­bar war. Ent­we­der man ist ein Dumm­chen oder re­la­tiv schnell nackt. Oder man ist so ei­ne ganz „cra­zy“Frau, die in der Groß­stadt lebt und kei­nen Mann be­kommt, weil sie so ganz „cra­zy“ist. Es gibt we­ni­ge gu­te Ge­schich­ten mit ei­ner Frau im Mit­tel­punkt.

Wor­an liegt das?

Ke­be­kus: Ich glau­be, dass auch den Frau­en im Ki­no­pu­bli­kum un­ter­stellt wird, dass sie lie­ber Fil­me mit sü­ßen Jungs se­hen wol­len wie Schweig­hö­fer oder M’Barek. Das ist aber, glau­be ich, ei­ne fal­sche An­nah­me. Auch Frau­en wol­len vor al­lem gu­te Ge­schich­ten.

Sie be­kla­gen des Öf­te­ren, dass sich Frau­en un­ter Wert ver­kau­fen.

Ke­be­kus: Ja. Ich fin­de, dass Frau­en grund­sätz­lich et­was ängst­li­cher sind, weil es ih­nen in der Er­zie­hung so bei­ge­bracht wird. Da heißt es dann, man sol­le sich als Frau eher zu­rück­hal­ten, nicht dass ei­ner denkt, man sei schwie­rig oder gar zi­ckig. Vie­le At­tri­bu­te, die bei Män­nern po­si­tiv aus­ge­legt wer­den wie Ziel­stre­big­keit und Kar­rie­r­e­be­wusst­sein, wer­den bei Frau­en eher ne­ga­tiv be­setzt. Ei­ne Frau, die ziel­stre­big ih­ren Weg geht, gilt als eis­kalt. Uns Frau­en wür­de es un­term Strich ein­fach bes­ser ste­hen, wenn man sich klar macht, dass uns nicht je­der lieb ha­ben muss.

Vor die­sem Hin­ter­grund müss­ten Sie doch Frau­ke Petry von der AfD ei­gent­lich et­was ab­ge­win­nen kön­nen.

Ke­be­kus: Weil Sie so ziel­stre­big ist? Al­so bit­te. Sa­gen wir es so: Es muss auch in der Rand­grup­pe der kras­sen Men­schen Frau­en ge­ben. Mit Frau­ke Petry sind wir zu­min­dest in der Ar­sch­loch-Quo­te bei der Gleich­be­rech­ti­gung schon ei­nen Schritt wei­ter­ge­kom­men.

Sie pfle­gen bei ih­ren Auf­trit­ten ei­ne un­ver­stell­te, ex­pli­zi­te Spra­che. Auch in In­ter­views spre­chen Sie zum Bei­spiel häu­fi­ger über Pe­nis­se. Wo­her kommt das?

Ke­be­kus: Da­zu muss man jetzt aber mal klar­stel­len, dass ich das in In­ter­views nie aus dem Zu­sam­men­hang her­aus­ge­ris­sen sa­ge! Aber grund­sätz­lich stimmt das. Das war auch schon im­mer so, kei­ne Ah­nung wo­her das kommt. Ich glau­be, mich hat es im­mer ge­stört, wenn man mich auf Nied­lich­keit re­du­ziert hat. Da muss­te ich dann im­mer erst­mal ein „Pe­nis!“ent­ge­gen­brül­len.

Auf der Büh­ne ma­chen Sie auch Wit­ze über The­men, die bei an­de­ren Ko­mi­kern als sper­rig gel­ten dürf­ten. Sie spre­chen zum Bei­spiel über Ge­walt an Frau­en.

Ke­be­kus: Ja, und das ist sehr lus­tig. Ich hal­te da ja kei­ne mis­sio­na­ri­sche Re­de. Aber bei vie­len The­men, die mich da be­schäf­ti­gen, liegt Hu­mor schon drin. Zum Bei­spiel bei der „Nein heißt Nein“-De­bat­te. Wenn man sich ver­ge­gen­wär­tigt, was in Deutsch­land er­laubt war, ist das ein­fach lus­tig.

Wer­den wir Sie jetzt häu­fi­ger in Fil­men se­hen? Vi­el­leicht auch in ganz an­de­ren Rol­len?

Ke­be­kus: To­tal ger­ne. Aber kein Pro­du­zent kommt auf die Idee, mich als psy­cho­pa­thi­sche Mör­de­rin im „Tat­ort“zu be­set­zen. Wo­mög­lich wür­de ich auch gran­di­os schei­tern. Aber ich wür­de das ger­ne ma­chen.

Ihr der­ber Hu­mor ist nicht je­der­manns Sa­che: Ca­ro­lin Ke­be­kus wur­de als Ko­mi­ke­rin be­kannt. Jetzt spielt sie ih­re ers­te Haupt­rol­le in ei­nem Ki­no­film.

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