Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Wolf­gang We­ber

In der Ber­li­ner Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt in Te­gel herrscht Ka­ter­stim­mung – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. In der Si­che­rungs­ver­wah­rung le­ben ne­ben den be­son­ders ge­fähr­li­chen Straf­tä­tern seit ei­ni­ger Zeit auch ein paar Kat­zen. Ih­re Auf­ga­be be­steht zum ei­nen dar­in, Mäu­se, die sich aus dem Te­ge­ler Forst hin­ter die Ge­fäng­nis­mau­ern ver­irrt ha­ben, zu ja­gen. Ganz ne­ben­bei ver­wan­deln sie aber auch den ei­nen oder an­de­ren In­sas­sen. „Die Kat­zen ha­ben et­was im We­sen, was Men­schen oft nicht zei­gen kön­nen. Wär­me. Freund­lich­keit. Lie­be“, sagt ei­ner der In­sas­sen. Je­den Tag küm­mert er sich als „Kat­zen­be­auf­trag­ter“um Fut­ter und Kat­zen­klo und freut sich, dass er bei den Kat­zen et­was fin­det, was ihm sonst eher fremd ist: Nä­he. „Tie­re in Straf­an­stal­ten, das klingt auf den ers­ten Blick nach Lu­xus“, sagt die Psy­cho­lo­gin Li­ly Mer­klin von der Uni­ver­si­tät Frei­burg, die sich in ih­rer Dok­tor­ar­beit mit dem The­ma „Tie­re im Straf­voll­zug“be­fasst hat. Doch das sei falsch, denn Tie­re könn­ten den Ge­fan­ge­nen durch­aus bei der Re­so­zia­li­sie­rung hel­fen. In Ba­sel bei­spiels­wei­se küm­mern sich In­haf­tier­te um drei Al­pa­kas. Die Tie­re wer­den von ih­nen ge­füt­tert und ge­pflegt. Und die Häft­lin­ge ler­nen, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, für Hy­gie­ne zu sor­gen und pünkt­lich zu sein. Den­noch ist es nach wie vor nicht er­laubt, sein ei­ge­nes Haus­tier mit ins Ge­fäng­nis zu brin­gen. Die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt (JVA) Bruch­sal teil­te auf An­fra­ge al­ler­dings mit, das sich In­haf­tier­te nach ge­wis­ser Zeit und un­ter ge­wis­sen Um­stän­den ei­nen Vo­gel be­stel­len könn­ten, der dann mit ih­nen die Zel­le teilt. In der JVA Karls­ru­he, wo aus­schließ­lich Un­ter­su­chungs­häft­lin­ge un­ter­ge­bracht sind, wird die­ser Ser­vice nicht an­ge­bo­ten. Aber na­tür­lich küm­mert sich der So­zi­al­dienst der Haft­an­stalt um ein Haus­tier, wenn des­sen Herr­chen oder Frau­chen ins Ge­fäng­nis muss. Im saar­län­di­schen Bex­bach rück­te kürz­lich ein 26-Jäh­ri­ger in die JVA ein, und zwar so über­ra­schend, dass er kei­ne Zeit mehr hat­te, sei­ne 33 Ka­nin­chen ir­gend­wo un­ter­zu­brin­gen. Ei­ne Rich­te­rin bat die Po­li­zei, sich um die pos­sier­li­chen Klein­tie­re zu küm­mern. Die Lang­oh­ren wur­den in ei­nem Stall und in der Woh­nung des 26-Jäh­ri­gen ein­ge­fan­gen und in ein Tier­heim ge­bracht. Dort war­ten sie jetzt ver­mut­lich vol­ler Sehn­sucht dar­auf, dass der „Un­ter­su­chungs-Kna­cki“schnell ent­las­sen wird und sich wie­der um sie küm­mern kann.

Wenn „Kna­ckis“sich um Kat­zen küm­mern

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