Ist Af­gha­nis­tan si­cher?

Ab­schie­bun­gen sor­gen für Dis­kus­sio­nen in der Ko­ali­ti­on

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Avs

Die um­strit­te­nen Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan wer­den zur Zer­reiß­pro­be: Die Grü­nen wol­len, dass Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) die Si­cher­heits­la­ge in Af­gha­nis­tan neu be­wer­tet. Ab­schie­bun­gen von Flücht­lin­gen aus Deutsch­land dort­hin sind mög­lich, weil Tei­le des Lan­des als si­cher ein­ge­stuft wer­den. „Wir hof­fen sehr, dass Sig­mar Ga­b­ri­el sei­nem neu­en Amt ge­wach­sen ist und end­lich die Ein­schät­zung der Si­cher­heits­la­ge in Af­gha­nis­tan an die Rea­li­tät an­passt“, sag­te der stell­ver­tre­ten­de hes­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent und Grü­nen-Po­li­ti­ker Tarek Al-Wa­zir dem Ma­ga­zin „Der Spie­gel“. Nur Ga­b­ri­el kön­ne ei­ne Än­de­rung ver­an­las­sen. Am Frei­tag­abend hat­te der Vor­stand der Süd­west-Grü­nen die grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung da­zu auf­ge­ru­fen, Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan aus­zu­set­zen, falls der Bund die Si­cher­heits­la­ge dort nicht bald neu be­wer­tet. „Soll­te die Bun­des­re­gie­rung der Auf­for­de­rung zur Neu­be­wer­tung der Si­cher­heits­la­ge in Af­gha­nis­tan und ih­rer da­mit ver­bun­de­nen Ver­ant­worS­trobl. tung nicht end­lich nach­kom­men, ap­pel­lie­ren wir an die Lan­des­re­gie­rung von Ba­denWürt­tem­berg, die Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan aus­zu­set­zen.“Ba­den-Würt­tem­bergs grü­ner Re­gie­rungs­chef Win­fried Kret­sch­mann, der Ab­schie­bun­gen bis­lang un­ter­stütz­te, hat­te Ga­b­ri­el auch im Na­men al­ler neun grü­nen Lan­des­mi­nis­ter und Se­na­to­ren ei­nen Brief ge­schrie­ben. Da­rin bä­ten sie Ga­b­ri­el „drin­gend um ei­ne ak­tua­li­sier­te Be­wer­tung der Si­cher­heits­la­ge“. Auch je­ne, die kei­nen An­spruch auf ei­nen Auf­ent­halts­ti­tel hät­ten, sei­en „nur bei ver­tret­ba­rer Si­cher­heits­la­ge zu­rück­zu­füh­ren“. Nach Über­zeu­gung des ba­den-würt­tem­ber­gi­schen In­nen­mi­nis­ters Tho­mas Strobl (CDU) ist die Si­tua­ti­on in Af­gha­nis­tan zwar nicht ein­fach, doch ge­be es ver­gleichs­wei­se si­che­re Re­gio­nen, in de­nen Mil­lio­nen Af­gha­nen ih­rem All­tag nach­gin­gen. Deutsch­land sei nicht das ein­zi­ge Land, das nach Af­gha­nis­tan zu­rück­füh­re. „Nor­we­gen, Schwe­den oder Dä­ne­mark tun das et­wa auch - auf ei­ner ver­ant­wort­ba­ren Grund­la­ge“, be­ton­te Es sei nicht Auf­ga­be ein­zel­ner Bun­des­län­der, die Si­cher­heits­la­ge in Af­gha­nis­tan zu be­wer­ten. Die Au­ßen­po­li­tik lie­ge beim Bund und er ma­che das ver­ant­wor­tungs­voll. Al­le Län­der müss­ten die Aus­rei­se­pflicht der Men­schen durch­set­zen, die kei­ne Blei­be­per­spek­ti­ve ha­ben. Je­der Ein­zel­fall wer­de sorg­fäl­tig und gründ­lich ge­prüft. „Wenn Ver­wal­tun­gen, Ge­rich­te oder auch die Här­te­fall­kom­mis­si­on dann zum Er­geb­nis kom­men, dass je­mand in sein Land zu­rück muss, dann müs­sen wir das als Rechts­staat auch um­set­zen.“Strobl kri­ti­sier­te Län­der wie Schles­wig-Hol­stein, die Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan aus­ge­setzt ha­ben. „Die Ver­stö­ße ein­zel­ner Bun­des­län­der ge­gen Ver­ein­ba­run­gen der Län­der mit dem Bund sind kein ge­leb­ter Fö­de­ra­lis­mus, son­dern Schlä­ge ge­gen den Fö­de­ra­lis­mus.“Der Mi­gra­ti­ons­ex­per­te der Grü­nen-Frak­ti­on, Da­ni­el Le­de Abal, sag­te, er hal­te Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan für falsch. Die grund­sätz­li­che Ent­schei­dung müs­se aber von der Bun­des­re­gie­rung ge­trof­fen wer­den.

Naim Mu­ra­di (25) kommt in Ka­bul (Af­gha­nis­tan) aus dem Flug­ha­fen­ge­bäu­de. Er war mit ei­nem Sam­mel­flug aus Deutsch­land ab­ge­scho­ben wor­den. Mu­ra­di sag­te, er ha­be seit 2010 in Deutsch­land ge­lebt. „Ich ha­be in Stutt­gart als Koch ge­ar­bei­tet“, er­zähl­te er. Aber dann sei er bei der Ar­beit fest­ge­nom­men wor­den. Fo­to: avs

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