BNN-Pro­jekt „Zu­rück­ge­spult“

Le­ser kön­nen mit ih­ren Fil­men zu ei­ner DVD-Rei­he über die Ge­schich­te un­se­rer Hei­mat bei­tra­gen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Ros­wi­tha Bru­der-Pa­se­wald

Er­in­nern Sie sich noch? An die 50er Jah­re, als Oma über die „Af­fen­mu­sik“aus den USA schimpf­te und Nie­ren­ti­sche ganz groß in Mode wa­ren? Als hüb­sche Back­fi­sche auf den Hüft­schwung von El­vis und ge­punk­te­te Pet­ti­coats stan­den und sich die Jungs in stei­fe Je­ans zwäng­ten und vor dem Spie­gel den las­zi­ven Blick von Ja­mes De­an üb­ten? Wer Schwarz-Weiß-Fil­me aus je­ner Zeit be­trach­tet, als das deut­sche Wirt­schafts­wun­der lang­sam an Fahrt ge­wann, kann sich ein Schmun­zeln kaum ver­knei­fen. Schon gar nicht, wenn der ge­al­ter­te Zu­schau­er sei­ne auf Zel­lu­loid ge­bann­ten Sturm-und-Drang-Jah­re an sei­nem Au­ge vor­über­zie­hen sieht. Plötz­lich sind sie wie­der da: die Er­in­ne­run­gen an den ers­ten Kuss im Au­to­ki­no, an lau­te Rock-´n´-Roll-Näch­te und die ers­te ver­bo­te­ne Zi­ga­ret­te. Viel­leicht zäh­len Sie auch zu den Glück­li­chen, de­ren El­tern oder Groß­el­tern sich – ne­ben dem all­ge­gen­wär­ti­gen Kä­fer – ei­ne ei­ge­ne Film­ka­me­ra leis­ten konn­ten. Wahr­schein­lich war das fil­men­de Fa­mi­li­en­ober­haupt je­des Mal stolz wie Os­car, wenn er das Un­ge­tüm von Pro­jek­tor an­wer­fen konn­te und be­weg­te Bil­der vom Kin­der­ge­burts­tag, dem ört­li­chen Fuß­ball­tur­nier oder dem bun­ten Fast­nachts­um­zug über die Lein­wand flim­mer­ten. Doch wann ha­ben Sie die al­ten Film­schät­ze zum letz­ten Mal aus dem Schrank ge­holt, um in al­ten Er­in­ne­run­gen zu schwel­gen und von der „gu­ten, al­ten Zeit“zu träu­men? Viel­leicht sind die al­ten Blech­s­pu­len aus Opas Nach­lass so­gar in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten, schlum­mern un­ent­deckt in al­ten Holz­kis­ten oder in Schach­teln auf dem Dach­bo­den. So muss es nicht blei­ben. Das Pro­jekt „Zu­rück­ge­spult“der Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten hat es sich zum Ziel ge­setzt, ge­mein­sam mit den Le­sern die Ge­schich­te un­se­rer Hei­mat in ei­ner fünf­tei­li­gen DVD-Rei­he fest­zu­hal­ten. Da­für brau­chen wir Ih­re Un­ter­stüt­zung, denn pri­va­te Auf­nah­men sol­len das Grund­ge­rüst die­ses au­ßer­ge­wöhn­li­chen Pro­jek­tes bil­den, das sechs Jahr­zehn­te um­fas­sen soll. Re­le­vant sind al­le Fil­me, die et­was über die Re­gi­on und ih­re Men­schen aus­sa­gen und die zwi­schen 1930 und 1990 zwi­schen Wag­häu­sel und Offenburg, zwi­schen Wörth und Pforz­heim ent­stan­den sind: sei es die ers­te Spritz­tour mit dem ei­ge­nen Au­to, der ers­te Som­mer­tags­zug nach dem Krieg oder der Ein­kaufs­bum­mel durch die Karls­ru­her Kai­ser­stra­ße in den 50er Jah­ren. Na­tür­lich sind Auf­nah­men mit do­ku­men­ta­ri­schem Cha­rak­ter prä­des­ti­niert für das Pro­jekt „Zu­rück­ge­spult“: Viel­leicht war je­mand „live“da­bei, als der spä­te­re Sil­ber­me­dail­len­ge­win­ner Char­ly Kauf­mann bei ei­nem Sport­fest im Sep­tem­ber 1953 ent­deckt wur­de. Viel­leicht lief dem Opa beim sonn­täg­li­chen Aus­flug auf die Schwarz­wald­hoch­stra­ße zu­fäl­lig Bun­des­kanz­ler Ade­nau­er über den Weg, der oft und ger­ne auf der Büh­ler­hö­he weil­te. Doch nicht nur Auf­nah­men pro­mi­nen­ter Zeit­ge­nos­sen wer­den für das DVDPro­jekt ge­braucht, auch eher pri­va­te Film­auf­nah­men sa­gen viel über Ge­schmack und Zeit­geist der ein­zel­nen Jahr­zehn­te aus. Das For­mat der Fil­me spielt da­bei kei­ne Rol­le: Ob 35 Mil­li­me­ter, Su­per 8 oder Vi­deo – die Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten sind für al­le Bei­trä­ge dank­bar. Al­so ran an die ver­staub­ten Kis­ten auf dem Dach­bo­den oder an die zer­schlis­se­nen Schach­teln im Kel­ler. Denn kein Strei­fen hat es ver­dient, ver­ges­sen zu wer­den. Das ge­sam­te Ma­te­ri­al, je­der ein­zel­ne Me­ter Film

Das For­mat der Fil­me spielt kei­ne Rol­le

wird an­schlie­ßend ge­sich­tet und ge­wich­tet. Sze­nen müs­sen aus­ge­wählt und in ei­ne span­nen­de Hand­lungs­fol­ge ein­ge­bun­den wer­den. So ent­steht das Dreh­buch, ei­ne gro­ße Sto­ry über die Re­gi­on voll klei­ner, pri­va­ter Ge­schich­ten. Nach sechs bis acht Wo­chen be­kom­men Sie nicht nur ih­re Ori­gi­na­le zu­rück, als klei­nes Dan­ke­schön gibt es zu­dem ei­ne di­gi­ta­le Ko­pie ih­res Strei­fens – gratis. Da­mit fällt der nost­al­gi­sche Blick zu­rück sehr viel leich­ter. Wenn ihr Ma­te­ri­al zu­dem für die fünf­tei­li­ge DVD-Kol­lek­ti­on ver­wen­det wird, be­kom­men Sie ein Gra­tis­ex­em­plar und wer­den selbst­ver­ständ­lich im Nach­spann ge­nannt. Wer sich be­tei­li­gen möch­te: Bis spä­tes­tens 29. April soll­ten die Fil­me bei den Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten sein. Sie kön­nen ent­we­der an: BNN, Stich­wort „Zu­rück­ge­spult“, 76147 Karls­ru­he ge­schickt oder di­rekt bei den Ge­schäfts­stel­len ab­ge­ge­ben wer­den. Je­der Ein­sen­der er­hält ei­ne Emp­fangs­be­stä­ti­gung.

Ja, aber das war doch ... Genau – der Karls­ru­her Ober­bür­ger­meis­ter Ot­to Dul­len­kopf (links) mit Nar­ren­kap­pe. Und zwar an sei­nem 55. Ge­burts­tag, zu dem 1975 die Kar­ne­vals­ge­sell­schaft „Fi­de­lio“gra­tu­lier­te. Er­in­ne­run­gen wie diese – in Film ge­bannt – sind beim Pro­jekt „Zu­rück­ge­spult“der BNN ge­fragt. Fo­tos: Schle­si­ger/Stadt­ar­chiv

Auf der A 5 bei Ras­tatt ent­stand diese Auf­nah­me, als 1956 das Teil­stück zwi­schen Bruch­hau­sen und Ba­den-Ba­den frei­ge­ge­ben wor­den war.

Die bri­ti­sche Schau­spie­le­rin Ma­ri­an­ne Faith­full weil­te 1967 für Dreh­ar­bei­ten zum Film „Girl an a Motor­cy­cle“(„Nackt un­ter Le­der“) in Karls­ru­he.

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