Wer klaut denn ei­ne Kuh?

Züch­ter ver­un­si­chert: Zwi­schen El­be und Oder häuft sich die Zahl von Rin­der­dieb­stäh­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Ge­org-Ste­fan Rus­sew

Es ver­geht kaum ei­ne Wo­che, oh­ne dass ir­gend­wo in Bran­den­burg ein Vieh­dieb­stahl ge­mel­det wird. Zu­min­dest ha­ben mitt­ler­wei­le vie­le Land­wir­te die­sen Ein­druck. Am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de wur­den ei­ner Agrar­ge­nos­sen­schaft in Jänsch­wal­de an der Gren­ze zu Po­len 30 Rin­der ge­stoh­len. Die Polizei tappt bis­lang im Dun­keln. Auch Hei­di Witt­gen ist tief ver­un­si­chert. En­de Ja­nu­ar stah­len Vieh­die­be ih­rer Agrar­ge­nos­sen­schaft in Nei­ße­mün­de vier Zucht­bul­len aus dem Stall. „Das ist ein Scha­den von 20 000 Eu­ro“, sagt die Vi­ze-Che­fin des Be­triebs. Da­mit die Zucht über­haupt wei­ter­ge­hen kann, wur­de tief in die Ta­sche ge­grif­fen, ein neu­er Bul­le an­ge­schafft. „Ein mul­mi­ges Ge­fühl bleibt zu­rück, weil die Die­be je­der­zeit wie­der­kom­men kön­nen“, sagt Witt­gen. „Das schei­nen ech­te Voll­pro­fis zu sein, und das macht uns gro­ße Sor­gen“, meint Se­bas­ti­an Schol­ze vom Lan­des­bau­ern­bund Bran­den­burg. Die Vieh­die­be gin­gen ge­zielt vor, hol­ten sich stets die bes­ten Ex­em­pla­re. „Die wis­sen, was sie tun. Sie müs­sen vor­her al­les genau aus­spio­nie­ren oder be­kom­men Tipps.“Das sieht auch Tho­mas Vogt so, Ge­schäfts­füh­rer ei­ner Agrar­ge­nos­sen­schaft na­he Bran­den­burg/Ha­vel. Die­be hat­ten im ver­gan­ge­nen Mai Zau­nan­la­gen auf­ge­he­belt und 40 Rin­der auf ei­nen Las­ter ge­la­den. „Zum Glück ha­ben An­woh­ner das Trei­ben mit­be­kom­men, und ein An­ge­stell­ter von uns ist gleich hin­ter­her“, er­in­nert sich Vogt. Über die Au­to­bahn sei­en die Vieh­die­be in Rich­tung Os­ten ge­fah­ren. „Ir­gend­wie müs- sie dann mit­be­kom­men ha­ben, dass sie ver­folgt wur­den“, er­zählt Vogt. Sie hät­ten ih­ren Las­ter na­he Ber­lin auf ei­ne Rast­stät­te ge­steu­ert und sei­en ge­türmt. Vie­le Rin­der­züch­ter füh­len sich nach An­ga­ben des Bau­ern­bun­des al­lein­ge­las­sen. Oft be­kä­men Land­wir­te zu hö­ren, dass die Polizei zur Be­wa­chung von Rin­dern kei­ne Strei­fen­wa­gen ab­stel­len kön­ne. „Wir ha­ben tat­säch­lich das Ge­fühl, dass die Auf­klä­rung bei der Polizei kei­ne obers­te Prio­ri­tät ge­nießt“, sagt Schol­ze. Die Er­mitt­ler wol­len das so nicht ste­hen­las­sen. Die Bran­den­bur­ger Polizei sei da­bei, zen­tral ge­gen pro­fes­sio­nell or­ga­ni­sier­te Vieh­dieb­stäh­le im Land vor­zu­ge­hen. „Wir sind der­zeit in­tern in den Ab­stim­mun­gen“, sagt Po­li­zei­spre­cher Mario Hei­ne­mann. In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren hät­ten sich zwi­schen El­be und Oder Rin­der­dieb­stäh­le tat­säch­lich ge­häuft. „2015 hat­ten wir 19 und ein Jahr spä­ter 24 Fäl­le“, be­rich­tet Hei­ne­mann. In die­sem Jahr wur­den vor al­lem in Ost- und Süd­bran­den­burg fünf Fäl­le ge­mel­det. Der Scha­den geht je­weils in die Zehn­tau­sen­de. Nach den Wor­ten Hei­ne­manns geht die Auf­klä­rungs­quo­te „aktuell ge­gen null“. Durch das Zu­sam­men­le­gen von Er­mitt­lun­gen er­hof­fen sich die Er­mitt­ler nun Fort­schrit­te bei der Auf­de­ckung von Tä­ter­sen struk­tu­ren. „Wir ver­mu­ten pro­fes­sio­nel­le Tä­ter, denn man klaut nicht gan­ze Her­den, wenn man abends ein Steak es­sen will“, be­tont Po­li­zei­spre­cher Tors­ten Wendt von der Di­rek­ti­on Süd in Bran­den­burg. „In die­sem Stil geht man nur vor, wenn man neue Her­den auf­bau­en will.“Im be­nach­bar­ten Po­len zer­schlug die Polizei im Ja­nu­ar ei­ne Ban­de, die im ver­gan­ge­nen Jahr Rin­der von min­des­tens fünf Hö­fen in der nord­west­pol­ni­schen Woi­wod­schaft West­pom­mern ge­stoh­len ha­ben soll. Fünf Ver­däch­ti­ge ka­men in U-Haft. Ei­ner der mut­maß­li­chen Tä­ter ist laut Polizei selbst Be­sit­zer ei­nes gro­ßen Hofs. Dort­hin sei­en die in Po­len ge­stoh­le­nen Tie­re ge­bracht wor­den. Ver­bin­dun­gen zu den Dieb­stäh­len in Deutsch­land gab es nach bis­he­ri­gen Er­kennt­nis­sen nicht.

„Die Tä­ter wol­len nicht nur ein Steak es­sen“

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