Das zwei­te Ge­sicht

Schon im an­ti­ken Grie­chen­land gab es Mas­ken / Heute sieht man sie vor al­lem bei der Fast­nacht

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Heute Nacht wer­den in der US-Film­stadt Hol­ly­wood die Os­cars ver­lie­hen. Ei­nen da­von gibt es in der Ka­te­go­rie „Bes­te Mas­ke“. Den er­hält der Film mit den bes­ten Mas­ken­bild­nern zu­ge­spro­chen. No­mi­niert sind auch Fil­me, de­ren Darstel­ler über­haupt kei­ne Mas­ken tra­gen, son­dern für ih­ren Auf­tritt aus­ge­fal­len ge­schminkt und fri­siert wur­den. In Deutsch­land, vor al­lem in Ba­denWürt­tem­berg und dem Rhein­land, aber auch in der Nie­der­lau­sitz, sind ge­ra­de völ­lig an­de­re Mas­ken an­ge­sagt: Fast­nachts­mas­ken. Mor­gen ist Ro­sen­mon­tag. He­xen, Han­sel, Tie­re und fan­tas­ti­sche Ge­stal­ten be­stim­men das Stadt­bild. Zur Fast­nacht ge­hö­ren Mas­ken ein­fach da­zu – wie zum Thea­ter und zum Film: Je­der Schau­spie­ler muss vor sei­nem Auf­tritt in die Mas­ke. Im an­ti­ken Grie­chen­land (vor et­wa 2500 Jah­ren) ge­hör­ten so ge­nann­te Hohl­form­mas­ken zu je­dem Thea­ter­stück. Der Be­griff Hohl­form be­zieht sich auf die Wöl­bung der Mas­ke, mit der sie der Träger pass­ge­nau übers Ge­sicht zieht. Fast­nachts­mas­ken sind auch Hohl­form­mas­ken. Sie be­de­cken das Ge­sicht ih­res Trä­gers ent­we­der voll­stän­dig oder nur zur Hälf­te. Das Ge­gen­teil sind Schmink­mas­ken. Die äl­tes­ten Mas­ken sind 11 000 Jah­re alt. Völ­ker­kun­de­mu­se­en zei­gen ei­ne gro­ße Aus­wahl von Mas­ken aus der gan­zen Welt. Zu al­len Zei­ten und auf al­len Erd­tei­len ha­ben sich die Men­schen Ge­dan­ken dar­über ge­macht, wie es ist, in ei­ne an­de­re Rol­le zu schlüp­fen oder ein zwei­tes Ge­sicht zu zei­gen. Bis heute nimmt das Sprich­wort „je­mand zeigt sein wah­res Ge­sicht“dar­auf Be­zug, wenn sich ei­ne Per­son plötz­lich kom­plett an­ders ver­hält als bis­her. Ähn­lich ge­meint ist der Aus­druck „je­mand lässt die Mas­ke fal­len“. Auch das Wort Per­son geht auf das an­ti­ke Thea­ter zu­rück und stand ur­sprüng­lich für Mas­ke: Per­so­na­re be­deu­tet „durch­tö­nen“oder durch­drin­gen. Als Mas­ke durch­drang das un­sicht­ba­re In­ne­re ei­nes Men­schen die sicht­ba­re Ober­flä­che. Mas­ken im Thea­ter gab es bis vor 400 Jah­ren. Seit­dem le­gen Au­to­ren und Schau­spie­ler Wert dar­auf, ih­re Fi­gu­ren un­ver­wech­sel­ba­rer zu ma­chen. Mit den Mas­ken wa­ren sie eher ty­pi­sie­rend und aus­tausch­bar ge­we­sen. In den Völ­kern Afri­kas, Latein­ame­ri­kas, bei den aus­tra­li­schen Ur­ein­woh­nern, Abori­gi­nes oder den Es­ki­mos, sind Mas­ken bis heute Aus­druck von Ver­wand­lung. Sie ha­ben we­der et­was mit Thea­ter noch mit Fast­nacht zu tun, son­dern er­zäh­len Ge­schich­ten aus der Ver­gan­gen­heit. Sie do­ku­men­tie­ren Got­tes­be­zie­hun­gen oder Bräu­che wie die Jagd. Das Wis­sen, wie ei­ne Mas­ke aus­zu­se­hen hat­te, wur­de von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben. Häu­fig war es nur be­stimm­ten Mit­glie­dern ei­ner Fa­mi­lie oder ei­nes Stam­mes vor­be­hal­ten, sol­che Mas­ken her­zu­stel­len. Sie schnitz­ten sie aus Holz, fer­tig­ten sie aus Pap­pe, Pflan­zen­fa­sern, Le­der oder Stoff und be­mal­ten sie oder kleb­ten Fe­dern dar­auf. Vor ei­ner Jagd setz­ten sich bei­spiels­wei­se die Jä­ger Tier­mas­ken auf, um Macht über das Tier­reich zu ge­win­nen. Ähn­lich imi­tie­ren Nar­ren an Fast­nacht mit ih­ren Mas­ken Per­so­nen, de­ren Ei­gen­schaf­ten sie ger­ne hät­ten: Ein­mal mäch­tig sein wie ein Kö­nig, un­sicht­bar wie ein Zau­be­rer, be­rühmt wie ein Hol­ly­wood-Star, schlau wie ein Fuchs. Die Ver­klei­dung schützt sie auch da­vor, un­er­kannt zu blei­ben. Des­halb tritt der schwä­bi­sche Rap­per Cro ali­as Car­lo Wai­bel mit Pan­damas­ke auf. Er will sich an­schlie­ßend mit sei­nem wah­ren Ge­sicht wie­der un­ge­stört öf­fent­lich be­we­gen kön­nen.

Tier­ver­klei­dun­gen sind vor al­lem bei Kin­dern sehr be­liebt. Im Mas­ken­buch „Wil­de Tie­re“(er­schie­nen im Mo­ses-Ver­lag, 28 Sei­ten, Preis: 6,95 Eu­ro) von Ni­co­la Ber­ger steht gleich ein gan­zer Zoo exo­ti­scher Be­woh­ner zur Wahl, auf der ei­nen Sei­te be­reits far­big be­druckt, auf der an­de­ren Sei­te schwarz-weiß zum nach­träg­li­chen Be­ma­len oder Be­kle­ben. Ab­bil­dung: Mo­ses-Ver­lag/Nast­ja Holt­fre­ter

Wer sich wohl hin­ter die­ser ge­heim­nis­vol­len Ti­ger­mas­ke ver­birgt? Der klei­ne Lau­rin freut sich die­bisch, dass man ihn nicht er­kennt. Im Ge­gen­satz zum Rap­per Cro trägt er sei­ne Mas­ke aber nicht je­den Tag, son­dern nur wäh­rend der Fast­nachts­zeit. Fo­to: Ka­sisch­ke

Für ihn ist das gan­ze Jahr Fast­nacht: Der Rap­per Cro ver­birgt sein Ge­sicht hin­ter ei­ner Pan­damas­ke, da­mit nie­mand weiß, wie er aus­sieht. Fo­to: avs

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