Für ihn, für sie, für al­le

Gen­der­less fa­shion: Vie­le De­si­gner bre­chen mit tra­di­tio­nel­len Be­klei­dungs­ge­wohn­hei­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - MODE & STIL - Mag

Ist das jetzt ei­ne Ho­se für Män­ner oder Frau­en? Und die Blu­se ist doch ei­gent­lich ein Hemd? Darf ei­ne Her­ren­ja­cke wirk­lich so bunt sein? Die Gren­zen zwi­schen der Klei­dung für sie und ihn ver­schwin­den bei vie­len De­si­gnern im­mer mehr, wie un­se­re Bei­spie­le aus den Früh­ling-/Som­mer­kol­lek­tio­nen zei­gen. Oder sie sind so­gar ganz auf­ge­löst, et­wa bei den Mo­de­ma­chern Ga­reth Pugh, Ann De­meu­le­mees­ter oder der Mar­ke Com­me des Gar­çons. Ge­schlechts­neu­tra­le Klei­dung – von der Bran­che gen­der­less fa­shion ge­nannt – ist kei­ne Fik­ti­on mehr. Bis­lang ist Unisex-Klei­dung al­ler­dings nicht mehr als ei­ne Spar­te. Denn: Die mo­di­schen Ge­schlech­ter­gren­zen wei­chen zwar sicht­lich auf, ver­schwin­den aber kei­nes­falls. Die ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Klei­dung wird nicht ab­ge­schafft, viel­mehr wird die Klei­dung ad­ap­tiert. „Aktuell sind Unisex-Klei­dungs­stü­cke noch sehr zu­rück­hal­tend im De­sign und in der Farb­ge­bung, fast schon pu­ris­tisch“, sagt Ma­ra Mi­chel vom Netz­werk deut­scher Mode- und Tex­til-De­si­gner. „Wir se­hen viel schwarz, weiß oder grau ge­hal­te­ne Be­klei­dung, in de­zen­ten Nicht­far­ben so­zu­sa­gen.“Das wer­de je­doch nicht so blei­ben. Dass Frau­en Män­ner­klei­dung über­zie­hen, ist na­tür­lich nicht neu, schließ­lich tra­gen Frau­en seit Jahr­zehn­ten Ho­sen. Die Mo­de­be­ra­te­rin Ines Mey­ro­se aus Ham­burg be­ob­ach­tet aber, dass sich Frau­en zu­neh­mend aus dem Klei­der­schrank der Her­ren be­die­nen: „Die Da­men tra­gen Män­ner­uh­ren und Hem­den mit Holz­fäl­ler­mus­ter.“Aber auch die Her­ren klau­en bei den Da­men, be­tont Mi­chel: „Schon jetzt se­hen wir ver­ein­zelt Män­ner in lan­gen, schwar­zen Fal­ten­rö­cken, in Ho­sen mit über­ge­zo­ge­nem Kilt oder um die Hüf­te ge­bun­de­nem Ano­rak, was von hin­ten wie ein Rock aus­sieht.“Und die Skin­nyJe­ans für Män­ner ist eben­so längst en vogue. Her­ren­stie­fel be­kom­men ei­nen leich­ten Ab­satz. „Ob sich Pla­teaus durch­set­zen, bleibt je­doch ab­zu­war­ten“, sagt Mi­chel. Die Mo­de­in­dus­trie passt sich der Be­we­gung zu­neh­mend an. Bei Sport­ja­cken et­wa ge­be es kaum noch Un­ter­schie­de, be­ob­ach­tet Hart­mut Spies­ecke vom Ge­samt­ver­band der deut­schen Tex­til- und Mo­de­in­dus­trie. Wei­te Hemd­blu­sen aus der Da­men­mo­de sei­en letzt­lich eben­falls kaum noch von Män­ner­hem­den zu un­ter­schei­den. „Ein­zig die Knöp­fe sind bei den Da­men links und bei den Her­ren rechts“, sagt Spies­ecke. Den Wunsch, das ei­ge­ne Ge­schlecht zu leug­nen, steht für Spies­ecke aber nicht hin­ter der Ent­wick­lung. „Die­ser Trend ist kein rei­nes Gen­der­the­ma, son­dern hat viel mit prak­ti­schen Be­weg­grün­den zu tun“, er­läu­tert der Mo­de­ex­per­te. Ines Mey­ro­se stimmt ihm zu: „Die Frau­en be­die­nen sich der Vor­zü­ge.“Die Män­ner­mo­de wer­de im Ge­gen­zug so stark wie lan­ge nicht mehr von der Far­big­keit der Frau­en­mo­de be­ein­flusst. Spies­ecke be­ob­ach­tet da­bei ei­ne wachsende Be­reit­schaft für Un­kon­ven­tio­nel­les: „Die Ak­zep­tanz in der Ge­sell­schaft wächst, man stößt sich heute we­ni­ger an Un­ge­wöhn­li­chem, son­dern denkt viel­leicht eher: Schrä­ger Vo­gel, aber war­um nicht.“

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