Wo­gen schla­gen wei­ter hoch

Vor­wür­fe von tür­ki­schen Po­li­ti­kern hal­ten an / Yil­di­rim te­le­fo­niert mit Mer­kel

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Avs/AFP

Nach der Bom­ben­dro­hung im Rat­haus von Gag­ge­nau sucht die Po­li­zei den an­ony­men An­ru­fer. Ei­ne hei­ße Spur ge­be es noch nicht, sag­te ein Spre­cher ges­tern. Die Dro­hung hat­te am Frei­tag­vor­mit­tag den Be­trieb in der Stadt­ver­wal­tung für St­un­den lahm­ge­legt. Die Po­li­zei hat­te das Rat­haus ge­räumt, den Markt­platz ge­sperrt und Spreng­stoffspür­hun­de ein­ge­setzt, die je­doch nichts Ver­däch­ti­ges fan­den. Ei­nen Tag zu­vor war die Grün­dungs­ver­samm­lung ei­nes tür­ki­schen Ver­ban­des mit dem Jus­tiz­mi­nis­ter des Lan­des, Be­kir Boz­dag, in Gag­ge­nau we­gen Si­cher­heits­be­den­ken ab­ge­setzt wor­den. Die tür­ki­sche Seite re­agier­te er­bost, auch weil ein Auf­tritt von Wirt­schafts­mi­nis­ter Ni­hat Zey­bek­ci nicht wie ge­plant in Fre­chen bei Köln statt­fin­den kann – der Be­trei­ber will die Hal­le nicht zur Ver­fü­gung stel­len. Weitere Nach­wir­kun­gen der Gag­ge­nau­er Ent­schei­dung er­war­tet Bür­ger­meis­ter Michael Pfeif­fer (par­tei­los) al­ler­dings nicht mehr. „Ich ge­he da­von aus, dass wir jetzt wie­der zum All­tags­ge­schäft über­ge­hen kön­nen“, sag­te er. Es ha­be le­dig­lich noch ein­mal ein Ge­spräch mit der Po­li­zei und dem aus dem Ur­laub zu­rück­ge­kehr­ten Ober­bür­ger­meis­ter Chris­tof Flo­rus (par­tei­los) ge­ge­ben. Auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne ko­chen die Emo­tio­nen da­ge­gen hoch. Jus­tiz­mi­nis­ter Boz­dag sprach von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und „fa­schis­ti­schen“Me­tho­den deut­scher Be­hör­den. Mi­nis­ter­prä­si­dent Bi­na­li Yil­di­rim be­zeich­ne­te die Ab­sa­gen als „sehr un­glück­li­che Ent­schei­dung ge­gen Frei­hei­ten und die De­mo­kra­tie“. Er hat auch ges­tern in ei­nem ein­stün­di­gen Te­le­fo­nat mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) die­se Ab­sa­gen be­spro­chen, mel­de­te die staat­li­che Nach­rich­ten­agen­tur. Die Tür­kei wer­de ih­re „Tak­tik beim Wahl­pro­gramm et­was än­dern“, sag­te Yil­di­rim. Er be­wer­te­te das Ge­spräch mit Mer­kel als „gut und pro­duk­tiv“. Der tür­ki­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter Ni­hat Zey­bek­ci will heu­te in ei­nem Köl­ner Ho­tel auf­tre­ten, um, so heißt es, bei der Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on der Uni­on Eu­ro­pä­isch-Tür­ki­scher De­mo­kra­ten (UETD) „über das ge­plan­te Prä­si­di­al­sys­tem zu in­for­mie­ren“. Die Bür­ger der Tür­kei ent­schei­den am 16. April über die Ein­füh­rung ei­nes Prä­si­di­al­sys­tems, wel­ches die Macht­be­fug­nis­se Er­do­gans er­heb­lich aus­wei­ten und die des Par­la­ments be­schnei­den wür­de. Auch 1,4 Mil­lio­nen in Deutsch­land le­ben­de Tür­ken sind ab­stim­mungs­be­rech­tigt. Der Deut­sche Städ­te­tag war da­vor ge­warnt, den Kon­flikt um Po­li­ti­ker­auf­trit­te auf dem Rü­cken der Kom­mu­nen aus­zu­tra­gen. Auch die Nie­der­lan­de sind mit tür­ki­schem Wahl­kampf kon­fron­tiert. Die Re­gie­rung prüft der­zeit, ob sie ei­nen Auf­tritt des tür­ki­schen Au­ßen­mi­nis­ters Ca­vu­sog­lus in Rot­ter­dam recht­lich ver­hin­dern kann.

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