„Mei­ne Er­fah­run­gen“

Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin des AKL er­zählt über ih­re eh­ren­amt­li­che Ar­beit

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

Die eh­ren­amt­li­che Mit­ar­bei­te­rin Clau­dia Haarbeck hat in ei­nem Bei­trag, der im Jah­res­be­richt 2014 des AKL Karls­ru­he ver­öf­fent­licht wur­de, über ih­re Ar­beit ge­schrie­ben. Nach­fol­gend ein Aus­zug.

Un­se­re Auf­ga­be im AKL se­hen wir nicht im Fin­den der schnel­len Lö­sung. Wir sind Zu­hö­rer und Be­glei­ter, kei­ne Wun­der­hei­ler. Für vie­le Men­schen ist schon die Tat­sa­che, dass ih­nen je­mand zu­hört, ei­ne gro­ße Hil­fe, denn sie ha­ben sonst nie­man­den. Im­mer wie­der er­schreckt mich die gro­ße Ein­sam­keit, in der vie­le Men­schen le­ben. Zer­strit­ten mit der Fa­mi­lie, oh­ne Freun­de, kaum An­spra­che am Ar­beits­platz oder ar­beits­los, ha­ben sie nie­man­den, der be­reit wä­re, ih­ren Nö­ten zu­zu­hö­ren oder ih­re Schwie­rig­kei­ten an­zu­se­hen. Im Ge­spräch ord­nen und klä­ren sich die Ge­dan­ken und Ver­hält­nis­se bis­wei­len und die Last der Pro­ble­ma­tik kann leich­ter wer­den. Wir tref­fen uns mit Men­schen, die ih­re ei­ge­ne Si­tua­ti­on als kri­tisch be­zeich­nen, das heißt, dass wir uns mit ih­rer Sui­zi­da­li­tät aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Wie stark sind ih­re Ge­dan­ken von der Idee der Selbst­tö­tung durch­zo­gen? Kann ich hel­fen, ih­re Res­sour­cen – und die gibt es im­mer – auf­zu­spü­ren und zu stär­ken? Wie kann es ge­lin­gen, die Per­spek­ti­ve auf die gu­ten An­tei­le des Le­bens zu len­ken? Wie kann ich un­ter­stüt­zend wir­ken, ei­ge­ne Lö­sungs­we­ge zu fin­den? Ich glau­be, wir al­le im AKL wün­schen uns, dass die Men­schen recht­zei­tig zu uns kom­men und ih­ren Weg nach un­se­rer Be­glei­tung mit neu­em Le­bens­mut wei­ter­ge­hen, oder aber sich in pro­fes­sio­nel­le Hän­de be­ge­ben. Da Psy­cho­the­ra­pie­plät­ze oft mit lan­gen War­te­zei­ten ver­bun­den sind, über­brü­cken wir die­se War­te­zeit zur Sta­bi­li­sie­rung mit un­se­ren Mög­lich­kei­ten. Trau­er­be­glei­tung nach Sui­zid – das ist ein wei­te­res The­ma, in das ich mich in mei­ner Zeit beim AKL im­mer wei­ter hin­ein­be­ge­ben ha­be mit Fort­bil­dung und dem Le­sen vie­ler Bü­cher. „Er­schwer­te Trau­er“wird sie ge­nannt, die Trau­er, die durch den Sui­zid ei­nes ge­lieb­ten oder na­he­ste­hen­den Men­schen her­vor­ge­ru­fen wird. Hier geht es nicht nur um Ver­lust, son­dern auch um die Fra­gen „War­um ha­be ich nichts ge­merkt?“und „War­um hat er/sie sich mir nicht an­ver­traut?“Es be­ste­hen be­rüh­ren­de Mo­men­te, wenn ein Trau­ern­der den Reich­tum des Le­bens wie­der er­fas­sen kann und be­reit ist, sich in ei­nen neu­en An­fang hin­ein­zu­be­ge­ben mit dem gu­ten Platz im Her­zen für sei­nen ver­stor­be­nen ge­lieb­ten Men­schen.

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