Wird Kap ein neu­er Wil­li?

Karls­ru­her Zoo war einst be­rühmt für sei­ne Eis­bä­ren­zucht

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch (Ascher­mitt­woch) hat die Fas­ten­zeit be­gon­nen. In die­ser Zeit neh­men sich vie­le Men­schen vor, auf et­was Be­stimm­tes zu ver­zich­ten; Be­täu­ben­des und Ei­n­engen­des zu las­sen. Für vie­le ist es die Zeit im Jahr, die ge­prägt ist von an­ders le­ben durch Ent­sa­gung. Kei­nen Al­ko­hol mehr, kei­ne Sü­ßig­kei­ten, kein Fleisch, kein Au­to, kein Fern­se­hen, kein Com­pu­ter­spiel! Sie ma­chen mit sich und an­de­ren vie­le gute Er­fah­run­gen. Da­bei ler­nen sie, dass man „über­le­ben“kann, auch wenn man auf et­was ver­zich­tet. Durch die­sen Ver­zicht ver­su­chen Sie die Auf­merk­sam­keit vom Un­we­sent­li­chen auf das We­sent­li­che zu len­ken. Das kann das Selbst­wert­ge­fühl ganz enorm stei­gern. Das kann ein Be­frei­ungs­er­leb­nis sein. Le­bens­qua­li­tät wird da­zu­ge­won­nen und neue Kraft ge­tankt. Das Fas­ten wird zu ei­ner Art Selbst­er­neue­rung ge­nutzt. Sie schaf­fen al­so prak­tisch Platz für ei­nen neu­en An­fang. Fas­ten – ver­zich­ten – neue We­ge ge­hen. Aber mal ei­ne ganz an­de­re Fra­ge: Wor­auf wol­len Sie nicht ver­zich­ten? Ich mei­ne nicht das Smart­pho­ne, Kaf­fee oder sonst was. Wor­auf kön­nen Sie auf kei­nen Fall ver­zich­ten? Was ist für ihr Le­ben am wich­tigs­ten? Was zählt wirk­lich in ih­rem Le­ben? Was gibt Ih­nen Sinn? Was ist un­ver­zicht­bar? Auf was len­ken Sie bei die­sen Fra­gen Ih­re Auf­merk­sam­keit: Fa­mi­lie, Be­ruf, Haus­tier, Er­folg, Hob­by, Freun­de, Gott, Sport, Geld, Frei­zeit, Nä­he, Zeit ha­ben, Wert­schät­zung, Ver­trau­en, Part­ner/Part­ne­rin oder …? Auch das kann Fas­ten sein: Sich klar sein dar­über, auf was man nicht ver­zich­ten will.

Kap bringt 600 Ki­lo auf die Waa­ge. Wenn er sich auf­rich­tet, ist er 3,50 Me­ter groß. Der Eis­bär aus dem Tier­park Ne­u­müns­ter gilt als der Größ­te un­ter sei­nen 26 in deut­schen Zoos le­ben­den Art­ge­nos­sen. Doch wich­ti­ger als sei­ne im­po­san­te Gestalt ist aus Karls­ru­her Sicht sei­ne Man­nes­kraft. Der der­zeit als Sing­le le­ben­de Kap soll Zucht-Bär im Zoo der Fä­cher­stadt wer­den. Noch vor Os­tern soll Kap um­zie­hen, sagt Ve­re­na Kas­pa­ri, die Zoo­lei­te­rin in Ne­u­müns­ter. In Karls­ru­he wird Kap der Eis­bä­ren­da­me Ni­ka sei­ne gan­ze Auf­merk­sam­keit wid­men kön­nen. Denn Ni­kas der­zei­ti­ge Mit­be­woh­ner, der zeu­gungs­un­fä­hi­ge Vi­tus und die ält­li­che Larissa, be­zie­hen in Kaps ehe­ma­li­gem Re­vier ei­ne Art Se­nio­ren­re­si­denz. Mit dem ge­plan­ten Tausch­ge­schäft sind bei­de Zoos, der ba­di­sche wie der hol­stei­ni­sche, hoch zu­frie­den. In Ne­u­müns­ter, weil man künf­tig mit zwei Bä­ren auf­war­ten kann. Und in Karls­ru­he, weil man end­lich wie­der an die Zucht­er­fol­ge an­knüp­fen will, für die der Zoo einst be­rühmt war. Seit 25 Jah­ren ist in der Fä­cher­stadt kein Eis­bä­ren-Ba­by mehr zur Welt ge­kom­men.

Na­nu­ks Ha­rem 1967 bis 1983

will der Karls­ru­her Zoo mit ei­ner fern­ge­steu­er­ten Vi­deo­ka­me­ra erst­mals Eis­bä­ren­ge­bur­ten in der Wurf­höh­le fil­men. Aus­ge­rech­net in die­sem Win­ter gibt es kei­ne Ba­bys.

Zwi­schen­spiel Fris­son 1988

1991 zur Welt. Ei­ne Pfle­ge­rin hört ihr Win­seln in der Wurf­höh­le am Sil­ves­ter­tag – dem letz­ten Ar­beits­tag von An­ton Kohm als Zoo­di­rek­tor. Cle­mens Be­cker, der kom­mis­sa­ri­sche Zoo­lei­ter, sorgt da­für, dass die Eis­bä­ren-Ba­bys län­ger als in Karls­ru­her Zoo bis­her üb­lich die na­tür­li­che Mut­ter­lie­be ge­nie­ßen dür­fen. Bei mensch­li­chen Pfle­ge­el­tern be­ste­he die Ge­fahr ei­ner Fehl­prä­gung, sagt Be­cker.

Die Tra­gö­die von Nürn­berg 2000

Es soll künf­tig über­haupt al­les viel bes­ser und na­tür­li­cher zu­ge­hen bei der Karls­ru­her Eis­bä­ren­zucht – da­her wird auch das Eis­bä­ren­ge­he­ge zum „Le­bens­raum Was­ser“um­ge­stal­tet. We­gen der Bau­ar­bei­ten er­hält die Karls­ru­her Zucht­grup­pe 1999 Asyl im Nürn­ber­ger Zoo – dort kommt es zur Tra­gö­die. Ein Un­be­kann­ter öff­net im März 2000 die Tür zum Bä­ren­ge­he­ge. Die vier Gäs­te aus Karls­ru­he, Eis­bär­mann Yu­kon und drei Da­men, bü­xen aus. Sie wer­den er­schos­sen, um die Zoo­be­su­cher vor den ge­fähr­li­chen Raub­tie­ren zu schüt­zen. Als der „Le­bens­raum Was­ser“we­ni­ge Mo­na­te spä­ter fer­tig­ge­stellt ist, ste­hen welt­weit kei­ne Jung­tie­re zur Ver­fü­gung. Mit zwei al­ten Eis­bä­ren­da­men aus Rot­ter­dam wird das Ge­he­ge am Lau­ter­berg schließ­lich er­öff­net.

Ba­by-Pau­se – 1992 bis heu­te

Die Karls­ru­her Eis­bär­da­me Sil­ke mit ih­rem drei Wo­chen al­ten Ba­by „An­ton“, Wil­lis be­rühm­tes­ten Sohn.

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