Spi­ri­tua­li­tät und Leid

Ge­mäl­de „Der Frau­en­al­tar“von Can­d­ace Car­ter in Dur­lachs Stadt­kir­che

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Thomas Liebs­cher

Ein Kunst­werk, das von Karls­ru­he aus auf er­folg­rei­che „Deutsch­land­tour­nee“ging, ist wäh­rend der Fas­ten­zeit wie­der in der Stadt sei­ner Ent­ste­hung aus­ge­stellt. Für den Karls­ru­her Ka­tho­li­ken­tag 1991 schuf Can­d­ace Car­ter ih­ren „Frau­en­al­tar“. Das bei­der­seits be­mal­te Tri­pty­chon, ei­ne Hom­mage an Frau­en, gilt als her­aus­ra­gen­des Bei­spiel für Kunst, die Re­li­giö­ses nicht aus­blen­det, son­dern in ei­nen Zu­sam­men­hang mit All­tag, Ge­sell­schaft und Kul­tur stellt. In vie­len Kir­chen Deutsch­lands und der Schweiz so­wie in der Re­li­gi­ons­päd­ago­gik hat das Werk der Karls­ru­her Künst­le­rin gro­ße Be­ach­tung gefunden. Bis Os­ter­mon­tag ist der „Frau­en­al­tar“in der evan­ge­li­schen Stadt­kir­che Dur­lach zu se­hen. Die Aus­stel­lung be­ginnt heu­te um 10 Uhr mit dem Got­tes­dienst, bei dem Can­d­ace Car­ter spre­chen wird. Ihr groß­for­ma­ti­ges Ge­mäl­de zeigt auf der Vor­der­sei­te 13 Frau­en und ein Ba­by. Be­zü­ge zum Letz­ten Abend­mahl und zu Leo­nar­do da Vin­cis Ge­mäl­de sind of­fen­sicht­lich. Auch Brot und Wein sind bei die­ser Frau­en­gemein­schaft vor­han­den. Die Runde mit ih­rer ei­ge­nen Spi­ri­tua­li­tät kann aber nicht los­ge­löst von der to­ten Frau auf der Pre­del­la, dem un­te­ren Ta­fel­bild, be­trach­tet wer­den. Die Rück­sei­te des Al­tars wie­der­um bringt mit ein­zel­nen Fi­gu­ren­sze­nen Lei­den, Ge­walt, Trost und Be­frei­ung zum Aus­druck. Au­ßer­dem hat die heu­te 66-jäh­ri­ge Künst­le­rin mit Eli­sa­beth von Di­jon ei­ne Mys­ti­ke­rin un­ter heu­ti­ge Frau­en ge­stellt. „In der Mys­tik bin ich selbst zu Hau­se“, sagt Can­d­ace Car­ter, für die der „Frau­en­al­tar“ein Wen­de­punkt in ih­rem Schaf­fen war. „Seit ich ihn ge­malt ha­be, malt er auch mich.“Sie fand neue For­men für sich, schuf Se­li­gen­por­traits für die St. Ste­phans­kir­che Karls­ru­he und mal­te die An­to­ni­us­kir­che in Eber­stein­burg aus – zu­sam­men mit ih­rem Mann Tu­ti­lo Kar­cher. aus ei­ner ame­ri­ka­ni­schen Kunst­hand­wer­ker­fa­mi­lie stam­men­de Künst­le­rin tritt auch mit In­stal­la­tio­nen, Per­for­mances und Fo­to­gra­fi­en her­vor. Nach Deutsch­land kam sie einst der Lie­be we­gen. In Hamburg stu­dier­te sie Ma­le­rei und Gra­fik. Ei­ner der Gast­do­zen­ten dort war Helmut Goettl, der wie­der­um künst­le­risch mit Karl Hub­buch ver­bun­den war. Und die­ser be­kann­te Ma­ler wie­der­um gab An­lass für Car­ter, in des­sen Hei­mat Karls­ru­he zu zie­hen. Vom Stil der „Neu­en Sach­lich­keit“, war die Ma­le­rin in­spi­riert. Mit viel­fäl­ti­gen Pro­jek­ten hat sie ih­ren fes­ten Platz in der Karls­ru­her Kunst­sze­ne. Des­halb soll sie auch zu den Hei­mat­ta­gen Ba­den-Würt­tem­berg ei­nes der Schlacht­hof-Häu­schen künst­le­risch aus­ge­stal­ten. Ei­ne fes­te Hei­mat sucht Car­ter der­zeit für den et­wa vier Me­ter brei­ten und zwei Me­ter ho­hen Frau­en­al­tar. Ei­ne Kir­che oder ei­ne In­stiDie tu­ti­on kommt eben­so wie ein Museum in­fra­ge. Die Künst­le­rin denkt auch an Crowd­fun­ding, um den „fes­ten Platz“, zu fi­nan­zie­ren. Bis Os­ter­mon­tag aber hat das Werk ei­ne pas­sen­de Heim­stät­te in Dur­lach und wird in das kirch­li­che Pro­gramm der dor­ti­gen Stadt­kir­che bei Pas­si­ons­an­d­ach­ten ab 11. April ein­ge­bun­den.

Ge­mein­schaft von 13 Frau­en und ei­nem Ba­by, aber auch ge­mal­tes Leid: Das zeigt die Vor­der­sei­te des Ge­mäl­des „Der Frau­en­al­tar.“Foto: Thi­lo Mechau

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