„Als wä­ren wir deut­scher Meis­ter“

Das Eis­ho­ckey-Mär­chen von Bre­mer­ha­ven

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Thomas Li­pin­ski

Als we­ni­ge Mi­nu­ten vor Mit­ter­nacht Uwe Krupp und die Eis­bä­ren Berlin end­lich ju­bel­ten, stie­ßen in Bre­mer­ha­ven die Re­kord-Neu­lin­ge noch im­mer auf ih­ren Coup an. „Die Leu­te sind gar nicht mehr nach Hau­se ge­gan­gen“, sag­te Ma­na­ger Alfred Prey nach dem 6:5-Er­folg der Fisch­town Pin­gu­ins ge­gen Ex-Meis­ter ERC In­gol­stadt und dem sen­sa­tio­nel­len Ein­zug ins Play-off-Vier­tel­fi­na­le der Deut­schen Eis­ho­ckey Liga (DEL). Die Emo­tio­nen schlu­gen hoch, als aus­ge­rech­net das Team mit dem kleins­ten Etat der Liga als ers­ter Auf­stei­ger in der DEL-Ge­schich­te die Runde der letz­ten acht er­reich­te. Das Eis­ho­ckey-Mär­chen an der Nord­see­küs­te wird ab Di­ens­tag wei­ter­ge­schrie­ben, wenn die Bre­mer­ha­ve­ner beim Ti­tel­ver­tei­di­ger Red Bull Mün­chen aufs Eis ge­hen. „Für uns ist das Hap­py End schon ge­schrie­ben“, mein­te Prey: „Die Leu­te ha­ben ge­fei­ert, als wä­ren wir deut­scher Meis­ter ge­wor­den.“Fast zwei St­un­den nach den Au­ßen­sei­tern aus dem ho­hen Nor­den fie­len sich auch die Spie­ler des DEL-Re­kord­meis­ters Berlin in die Ar­me. 103 Mi­nu­ten und 17 Sekunden hat­te es ge­dau­ert, bis der Ka­na­di­er Ja­mie MacQueen die Eis­bä­ren zum 3:2 bei den Strau­bing Ti­gers schoss – im sechst­längs­ten Spiel der Li­ga­ge­schich­te. Trai­ner Krupp hielt sich nicht lan­ge mit dem Ju­beln auf. „Jetzt den­ke ich schon an Mann­heim“, sag­te der frü­he­re Bun­des­trai­ner und blick­te be­reits auf das ers­te Vier­tel­fi­nal­du­ell am Di­ens­tag (19.30 Uhr) ge­gen die Ad­ler. In Bre­mer­ha­ven ge­nos­sen sie da­ge­gen das Hier und Jetzt. „Was hier ab­geht, ist sen­sa­tio­nell“, sag­te Trai­ner Thomas Po­piesch: „Es tut der gan­zen Re­gi­on wahn­sin­nig gut. Die Lei­den­schaft ist un­glaub­lich.“Der 51-Jäh­ri­ge hat den viel­leicht größ­ten An­teil am sen­sa­tio­nel­len Er­folg des Neu­lings. Aus ei­nem zu­sam­men­ge­wür­fel­ten Hau­fen mit 17 Neu­en, die in den Mi­ni-Etat von 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro pas­sen muss­ten, form­te der Coach ei­ne ver­schwo­re­ne Ge­mein­schaft. „Ich ha­be noch nie er­lebt, dass je­mand so viel ar­bei­tet“, lob­te Prey. Der Ma­na­ger und sei­ne Mit­strei­ter wa­ren im ver­gan­ge­nen Sommer ein Ri­si­ko ein­ge­gan­gen, als sie die Li­zenz der aus­ge­stie­ge­nen Hamburg Free­zers über­nah­men und in die DEL ein­stie­gen. Doch es gab we­der Nie­der­la­gen in Se­rie noch lee­re Rän­ge. Im Ge­gen­teil: „Je­des Spiel ist ein Ge­schenk“, be­tont Prey und blick­te dem un­glei­chen Du­ell mit dem Bran­chen­füh­rer, der 12,5 Mil­lio­nen Eu­ro um­setzt, ge­las­sen ent­ge­gen: „Wir ha­ben schon al­les er­reicht, von uns er­war­tet nie­mand mehr was.“

Fisch­town Pin­gu­ins im DEL-Vier­tel­fi­na­le

Fu­rio­ser Auf­stei­ger: Bre­mer­ha­vens Fisch­town Pin­gu­ins mi­schen die DEL auf. Foto: avs

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