Die rich­ti­ge Grö­ße ist das A und O

82 Pro­zent tra­gen un­pas­sen­de Schu­he / Fol­gen oft nicht nur auf die Fü­ße be­schränkt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB -

n den In­dus­trie­staa­ten lei­den 60 Pro­zent der Er­wach­se­nen an Fuß­pro­ble­men, ob­wohl 98 Pro­zent von ih­nen mit ge­sun­den Fü­ßen zur Welt kom­men. „Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass fal­sches Schuh­werk die Haupt­ur­sa­che da­für ist“, sagt Dr. Mo­ni­ka Rich­ter. Die For­sche­rin lei­te­te den Deut­schen Fuß­re­port, un­ter­such­te da­zu mit dem re­nom­mier­ten Prüf- und For­schungs­in­sti­tut Pir­ma­sens (PFI) und mit dem Be­klei­dungs­phy­sio­lo­gi­schen In­sti­tut Ho­hen­stein die Fü­ße von 3398 Frau­en und 1 585 Män­nern. Die Pro­ban­den wur­den zu­fäl­lig in Schuh­ge­schäf­ten, Be­trie­ben, Arzt­pra­xen und Uni­ver­si­tä­ten an 57 Or­ten quer durch Deutsch­land an­ge­spro­chen, um ei­nen re­prä­sen­ta­ti­ven Qu­er­schnitt zu er­hal­ten. „Wir ha­ben bei je­der Test­per­son bei­de Fü­ße mit ei­nem 3D-Scan­ner von der klei­nen Ze­he bis zum Knie ver­mes­sen“, er­klärt die Stu­di­en­lei­te­rin.

Wie der Deut­sche Fuß­re­port be­legt, stimm­te nur bei ei­nem Fünf­tel der Pro­ban­den die Schuh­grö­ße, die am häu­figs­ten ge­kauft wird, auch mit der ana­to­misch kor­rek­ten über­ein. Rund 82 Pro­zent kau­fen und tra­gen Schu­he in ei­ner Grö­ße, die nicht ih­ren Ma­ßen ent­spricht. Da­bei wäh­len die Deut­schen mehr­heit­lich zu gro­ße Schu­he, ins­be­son­de­re die Män­ner. 75 Pro­zent von ih­nen lau­fen in zu gro­ßen/ zu lan­gen Schu­hen, bei den Frau­en sind es 60 Pro­zent. Zu klei­ne Schu­he tra­gen laut Stu­die 20 Pro­zent der Frau­en und 12 Pro­zent der Män­ner.

Dass zu klei­ne Schu­he dem Fuß nicht gut tun, ist den meis­ten Men­schen be­kannt. Dr. Nor­bert Be­cker, Or­tho­pä­de und Fuß­spe­zia­list aus Tü­bin­gen er­klärt: „Die Fü­ße wer­den ge­quetscht und die Ze­hen ge­staucht. Weil die Mus­keln, die die Ze­hen be­we­gen, ih­ren Ur­sprung in den Wa­den ha­ben, kön­nen ein­ge­schränk­te Ze­hen zu Durch­blu­tungs­stö­run­gen in den Bei­nen füh­ren.“Wenn zu klei­ne Schu­he dau­er­haft ge­tra­gen wer­den, könn­te dies laut Be­cker zu Fuß­for­ma­tio­nen wie Hal­lux Val­gus (Schief­ze­he) oder Ham­mer­ze­hen füh­ren. Beim Hal­lux Val­gus wird die Groß­ze­he im­mer mehr zur Fuß­in­nen­sei­te ge­drückt und der Bal­len wölbt sich nach au­ßen. „Man­che Men­schen lau­fen jah­re­lang oh­ne Pro­ble­me mit ei­ner Schief­ze­he“, sagt Dr. Be­cker. „Aber die Fehl­stel­lung kann auch zu ei­ner star­ken Ab­nut­zung des Ge­lenkk­nor­pels und zu Ar­thro­se füh­ren. Da­durch, dass der Schuh am Bal­len drückt und reibt, kön­nen zu­sätz­lich Ent­zün­dun­gen und so­gar Knor­pel­schä­den ent­ste­hen.“

Al­ler­dings sind zu gro­ße Schu­he nicht min­der schäd­lich für den Fuß. Or­tho­pä­de Dr. Be­cker er­klärt: „Sind die Schu­he zu weit, fin­det der Fuß kei­nen Halt und rutscht in den zum Ab­rol­len ge­dach­ten Leer­raum im Schuh, die so­ge­nann­te Zu­ga­be. Da­durch wer­den die Ze­hen bei je­dem Schritt ge­nau­so ge- staucht, als sei der Schuh zu klein. Gleich­zei­tig ist an der Fer­se zu viel Platz, so dass der Fuß aus dem Schuh schlappt. Ist der Schuh da­ge­gen zu lang, be­hin­dert er den Fuß beim Ab­rol­len. Nach län­ge­rer Zeit kann der Vor­fuß so­gar ver­stei­fen.“

Um dem ei­ge­nen Fuß et­was Gu­tes zu tun, soll­te man zu­erst die ei­ge­ne Schuh­grö­ße in ei­nem gu­ten Schuh­ge­schäft mes­sen las­sen. „Vor den Ze­hen muss ge­nü­gend Zu­ga­be zum Ab­rol­len sein, aber auch nicht zu viel. Zehn Mil­li­me­ter sind ide­al“, sagt Dr. Be­cker. Am Bal­len und an der Fer­se muss der Schuh fest sit­zen, vor al­lem bei hö­he­ren Ab­sät­zen darf die Fer­se nicht her­um­wackeln, da man sonst leicht um­kni­cken kann. „Ein pas­sen­der Schuh hält den Fuß vor al­lem im Bal­len­be­reich, der brei­tes­ten Stel­le des Fu­ßes, fest. Da­bei darf er nicht drü­cken“, so Be­cker. Der Fuß­spe­zia­list weist auch auf die Be­deu­tung der Uhr­zeit beim Schuh­kauf hin: „Abend­schu­he soll­te man abends kau­fen, All­tags­schu­he am Nach­mit­tag.“Und: Ge­gen En­ge hilft nur mehr Wei­te, nie mehr Län­ge.

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