Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Wolf­gang We­ber

Vie­le Fans und Ex­per­ten hal­ten den vor zwölf Jah­ren ver­stor­be­nen nord­iri­schen Fuß­ball­star Ge­or­ge Best für ei­nen der bes­ten Fuß­bal­ler, die es je ge­ge­ben hat. Der ex­tra­va­gan­te Flü­gel­stür­mer spiel­te über zehn Jah­re lang für Man­ches­ter Uni­ted und war ei­ner der ers­ten Me­dien­stars der Fuß­ball­welt. Das lag nicht nur an sei­ner Tor­ge­fähr­lich­keit, son­dern auch an sei­nen coo­len Sprü­chen. Der be­kann­tes­te da­von ist si­cher die­ser: „Ich ha­be viel Geld für Al­ko­hol, Mäd­chen und schnel­le Au­tos aus­ge­ge­ben. Den Rest ha­be ich ein­fach ver­prasst.“Ein­fach ver­prasst hat auch so man­cher Lot­to­ge­win­ner sei­nen Mil­lio­nen­ge­winn. Im­mer liest man von vor­mals glück­li­chen Men­schen, die Un­sum­men ge­won­nen ha­ben und schließ­lich dar­an zer­bro­chen sind. Wie der eng­li­sche Bus­fah­rer John Noa­kes, der vor ei­ni­ger Zeit mit elf Kol­le­gen den Lot­to-Jack­pot in Groß­bri­tan­ni­en knack­te – ins­ge­samt 46 Mil­lio­nen Eu­ro. Al­le zwölf Bus­fah­rer kün­dig­ten so­fort ih­re Jobs, die meis­ten kauf­ten di­cke Au­tos und prot­zi­ge Vil­len. Doch die Nach­tei­le über­wo­gen. Es gab Streit mit den Fa­mi­li­en, mit Ver­wand­ten, mit Freun­den, mit nei­di­schen Ex-Kol­le­gen. „Stän­dig bit­tet mich je­mand um Geld“, sagt Noa­kes und gibt zu: „Manch­mal wün­sche ich mir, ich hät­te gar nichts ge­won­nen.“Bei­spie­le wie die­se gibt es zu­hauf. Vie­le Mil­lio­nä­re wa­ren schlicht über­for­dert mit dem Geld, sie ver­schenk­ten viel zu viel da­von oder lie­ßen sich zu Fehl­in­ves­ti­tio­nen ver­lei­ten. Doch nicht nur Lot­to­ge­win­ner kön­nen aus al­len Wol­ken fal­len, wie sich die­se Wo­che im Land­ge­richt Arns­berg (Nord­rhein-West­fa­len) zeig­te. Dort fiel die Ent­schei­dung im so­ge­nann­ten Kron­kor­kenPro­zess. Was war pas­siert? Fünf gute Freun­de hat­ten ge­mein­sam ei­nen Ausflug ge­macht und ge­mein­sam meh­re­re Fla­schen Bier ge­leert. Die Kron­kor­ken la­gen auf dem Tisch her­um, bis ei­ner der Män­ner ei­nen her­aus­fisch­te und be­merk­te, dass er so­eben beim Ge­winn­spiel ei­ner Braue­rei ein Au­to ge­won­nen hat­te. Ei­ne Frau, die mit am Tisch saß, for­der­te je­doch ein Fünf­tel des Ge­winns ein, was ihr nun auch zu­ge­spro­chen wur­de. Und jetzt war­tet der ar­me Mann dar­auf, dass sich auch die an­de­ren drei Aus­flüg­ler mel­den und eben­falls ein Fünf­tel ein­kla­gen. Längst sind die Freun­de kei­ne Freun­de mehr, son­dern Kon­tra­hen­ten. Und wahr­schein­lich wird der ei­ne oder an­de­re heu­te denken: „Vor dem Ge­winn war das Le­ben ir­gend­wie ein­fa­cher“.

„Ach hät­te ich doch nie ge­won­nen“

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