der SONN­TAG bei …

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Peter Sürth | Wild­tier­ex­per­te Ka­trin Kö­nig

Peter Sürth ist ein Mensch mit ei­ner be­son­de­ren Aus­strah­lung: Er hat et­was Freund­li­ches, Fried­li­ches, Klu­ges an sich. Der Wild­tier­ex­per­te, der auf den Hö­hen des Nord­schwarz­walds lebt, ist seit Jah­ren in ganz Deutsch­land und in der Schweiz un­ter­wegs, um an Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten oder an­de­ren In­sti­tu­tio­nen über das Zu­sam­men­le­ben des Men­schen mit Wolf, Bär und Luchs zu spre­chen. Ein Zu­sam­men­le­ben, das er bei ei­nem Pro­jekt in den Kar­pa­ten Ru­mä­ni­ens, über Jah­re hin­weg be­ob­ach­tet und ana­ly­siert hat. Sein Wis­sen ge­winnt auch in Ba­den-Würt­tem­berg mit ei­nem Na­tio­nal­park und Na­tur­par­ken an Ge­wicht, denn: „Der Wolf kommt“, sagt Sürth. „Ziel muss sein, das Mit­ein­an­der von Mensch und Wolf so zu ge­stal­ten, dass Kon­flik­te mi­ni­miert wer­den.“Am Freitag, 10. März, spricht Sürth um 19 Uhr im Na­tio­nal­park­zen­trum Ru­he­stein über die Bio­lo­gie des Wolfs. In ei­nem dicht be­sie­del­ten Le­bens­raum mit Wei­de­wirt­schaft und Tou­ris­mus tauch­ten Pro­ble­me auf, wenn Wolfs­ru­del dort leb­ten. „Das ist in fast al­len eu­ro­päi­schen Berg­re­gio­nen so; dort war es aber nie an­ders, und man ver­sucht, sich zu ar­ran­gie­ren.“Im lan­ge „wolfs­frei­en“Deutsch­land sei­en die Dis­kus­sio­nen hin­ge­gen oft von Ängs­ten be­herrscht. Sürth wünscht sich da „ein biss­chen mehr Ge­las­sen­heit“. „Ich bin bei den Schä­fern, wenn sie um ih­re Tie­re ban­gen. Na­tür­lich wird man nicht ganz ver­hin­dern kön­nen, dass ei­ni­ge ge­ris­sen wer­den.“Rech­ne man die Ver­lus­te er­gä­be sich für das wolfs­rei­che Sach­sen et­wa wur­den 2016 von Wöl­fen nur 0,33 Pro­zent der Schafs­po­pu­la­ti­on ge­ris­sen. Das hilft dem be­trof­fe­nen Schä­fer nicht, doch man sieht, wie re­la­tiv die Schä­den sind. Im Schwarz­wald sei der emp­foh­le­ne Mi­ni­mal­schutz oft ge­ge­ben, „vie­le Tie­re sind durch ein Me­ter ho­he Elek­tro­zäu­ne ab­ge­si­chert“. Wöl­fe wan­dern et­wa aus der Schweiz nach Ba­den-Würt­tem­berg ein, auf der Su­che nach neu­en Re­vie­ren.Die Tie­re dem pau­scha­len Ab­schuss frei­zu­ge­ben, sei ge­sell­schaft­lich nicht mehr trag­bar. „Bei sol­chen For­de­run­gen stellt sich auch die Fra­ge, mit wel­chem Ego­is­mus wir den Wild­tie­ren be­geg­nen.“Mit Bä­ren, sagt Sürth, sei in Ba­den-Würt­tem­berg auf lan­ge Sicht nicht zu rech­nen. Und die Luch­s­po­pu­la­ti­on sei ge­ring. „Die Sterb­lich­keits­ra­te der Jung­tie­re ist hoch. Lei­der ist Wil­de­rei auch bei uns ver­brei­tet.“Um die Le­bens­räu­me gro­ßer Beu­t­e­g­rei­fer in Zen­tral­eu­ro­pa genau zu ken­nen, hat Sürth ih­re Ge­bie­te durch­wan­dert – zwi­schen Sie­ben­bür­gen, Sach­sen und Pforz­heim so­wie in den Al­pen. Tarz­an­fil­me und die TV-Se­rie „Dak­ta­ri“ga­ben ihm An­lass, „Tier­ma­nage­ment“zu stu­die­ren – „und mei­ne idea­lis­ti­sche Über­zeu­gung, dass wir dar­an ar­bei­ten müs­sen, die Mensch-Wild­tier-Be­zie­hung zu ver­bes­sern.“Wenn er vom Ab­bau von Bar­rie­ren spricht, hat er nicht nur Tie­re im Sinn. „Ob es um be­hin­der­te Men­schen oder Flücht­lin­ge geht, das Prin­zip der Angst vor Ve­rän­de­rung äh­nelt sich. Des­halb bin ich auch schon mit ei­nem Rollstuhlfahrer ge­wan­dert“. Sonn­ta­ge im klas­si­schen Sin­ne gibt es für Sürth üb­ri­gens nicht. „Ich neh­me mir als Frei­be­ruf­ler Zeit, wann ich will.“Ist er da­heim, wan­dert er gern mit sei­ner Hün­din, liest oder schreibt – zum Bei­spiel für den World Wild­life Fund (WWF). Das Leit­the­ma, kaum über­ra­schend: „Ler­nen, mit dem Wolf zu le­ben.“

Wie kön­nen Men­schen in Berg­re­gio­nen mit Wolf, Luchs und Bär le­ben? Die­se Fra­ge treibt Peter Sühr schon im­mer um. Die Be­zie­hung zum Wild­tier liegt dem im Schwarz­wald le­ben­den Ex­per­ten am Her­zen. Foto: Kö­nig

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