Meis­ter im „Hams­tern“

Gold­hams­ter er­freu­en Kin­der, Feld­hams­ter sind vom Auss­ter­ben be­droht

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Weil die Ha­sel­maus, das Wild­tier des Jah­res 2017, noch bis En­de März Win­ter­schlaf hält, kommt hier ihr Vor­gän­ger zum Zug: der Hams­ter. Zwölf Hams­ter­ar­ten gibt es welt­weit, in frei­er Na­tur le­ben sie auf Fel­dern, in Step­pen und wei­ten Ebe­nen mit mil­dem Kli­ma. Als Wild­tier des Jah­res 2016 ge­wür­digt wur­de nur der Feld­hams­ter, der wil­de Cou­sin des nied­li­chen Gold­hams­ters, der als Haus­tier hoch im Kurs steht. Für jün­ge­re Kin­der ist ein Hams­ter je­doch gar kein so ge­eig­ne­ter Spiel­ge­fähr­te. Hams­ter sind nacht­ak­tiv. Sie schla­fen tags­über und wa­chen erst nach­mit­tags oder am frü­hen Abend auf, wenn es däm­mert. Schul­kin­der, die zu die­ser Zeit nach Hau­se kom­men, ha­ben Spaß an den klei­nen Na­gern. Ein aus­ge­schla­fe­ner Hams­ter ist ein gut ge­laun­ter Hams­ter. Mit et­was Glück wird er so­gar hand­zahm. Weckt man ei­nen schla­fen­den Hams­ter aber auf oder hin­dert ihn tags­über am Ein­schla­fen, re­agiert das Tier wie ein mü­der

Mensch: Zwi­schen muf­fe­lig und ge­reizt. Da­für sind Hams­ter nachts mun­ter, flit­zen im Kä­fig her­um oder to­ben sich beim Ren­nen im Hams­ter­rad aus, schein­bar oh­ne mü­de zu wer­den. Hams­ter sind ech­te Dau­er­läu­fer, fünf bis zehn Ki­lo­me­ter pro Nacht schafft ein Tier. Da­bei macht es or­dent­lich Lärm. Tipp: Den Hams­ter­kä­fig in ein Zim­mer stel­len, in dem kei­ne Men­schen schla­fen. Um­ge­kehrt ist der Hams­ter mit sei­nem fei­nen Ge­hör kein Freund von lau­ten Fern­se­hern, Ra­di­os oder Ste­reo­an­la­gen. Erst seit den 1930er Jah­ren wer­den Gold­hams­ter als Haus­tie­re ge­hal­ten. Das ist ei­ne ver­gleichs­wei­se kur­ze Zeit. Die meis­ten Fans hat der Na­ger in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Groß­bri­tan­ni­en, Deutsch­land, Frank­reich und Schwe­den. Al­lein in Deutsch­land le­ben ei­ne Mil­li­on Gold­hams­ter in Fa­mi­li­en. Sei­nen Na­men ver­dankt er der gold­brau­nen Rück­sei­te sei­nes Fells. Die brach­te der eng­li­sche Na­tur­for­scher Ge­or­ge Wa­ter­hou­se mit der Far­be Gold in Ver­bin­dung und nann­te die Tie­re Gold­hams­ter. Ihr Bauch ist al­ler­dings weiß. Zwi­schen 15 und 18 Zen­ti­me­ter wird ein er­wach­se­ner Gold­hams­ter groß und zwei bis drei Jah­re alt. Auch das ist kei­ne so schö­ne Per­spek­ti­ve für Kin­der, die ei­ne en­ge Be­zie­hung zu ih­rem Haus­tier ha­ben und es mög­lichst lan­ge be­glei­ten wol­len. Hams­ter le­ben nicht sehr lan­ge. Gol­dig und rich­tig men­sch­lich wirkt der ge­scheck­te klei­ne Na­ger, wenn er sich neu­gie- rig auf die Hin­ter­bei­ne stellt, Männ­chen macht und mit der Na­se schnup­pert. Trotz der gro­ßen Knopf­au­gen se­hen Hams­ter nicht be­son­ders gut, hö­ren aber um­so bes­ser. Frei le­ben­de Hams­ter bau­en sich gro­ße un­ter­ir­di­sche Höh­len- und Gang­sys­te­me, ein bis zwei Me­ter un­ter der Erd­ober­flä­che. Nüs­se, Kör­ner und Ker­ne sind ih­re Leib­spei­se, die ver­staut der Hams­ter beim Sam­meln in sei­nen Ba­cken­ta­schen wie in zwei Ein­kaufs­beu­teln. 60 Ki­lo­gramm Fut­ter bringt ein Tier im Lau­fe ei­nes Jah­res zu­sam­men. Pro Tag ver­putzt der Hams­ter 200 Gramm. Der Rest ist „Hams­tern“. So sagt man, wenn je­mand mehr Nah­rungs­mit­tel ein­la­gert, als er zum Satt­wer­den braucht. Der Hams­ter ist Meis­ter da­rin, Vor­rä­te an­zu­le­gen. Als Haus­tier muss er das nicht, macht es aber trotz­dem. Des­halb nicht wun­dern, wenn sein Fress­napf im­mer leer ist: Das Tier ist nicht am Ver­hun­gern, es hams­tert. Au­ßer Nüs­sen mö­gen Hams­ter Äp­fel oder Sa­lat­gur­ken die sie mit ih­ren schar­fen Zäh­nen pri­ma zer­le­gen. Zum Fres­sen sitzt der Hams­ter auf den Hin­ter­bei­nen und nutzt sei­ne Vor­der­pfo­ten wie Hän­de, mit de­nen er sein Fut­ter fest­hält. Feld­hams­ter wer­den dop­pelt so groß wie Gold­hams­ter und ha­ben ein bunt ge­scheck­tes Fell, des­sen Fär­bung von Schwarz über Gelb­braun bis Rot­braun reicht. Feld­hams­ter le­ben in Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa, in Ge­bie­ten mit vie­len Äckern und Fel­dern. Frü­her sind sie beim Hams­tern mit den Bau­ern an­ein­an­der­ge­ra­ten, de­ren Fel­der sie plün­der­ten. Geht es Hams­tern gut, ver­meh­ren sie sich ra­sant, nach nur 16 Ta­gen bringt ein Weib­chen sechs bis acht Jun­ge auf die Welt, mehr­mals im Jahr – ob­wohl Hams­ter ei­gent­lich Ein­zel­gän­ger sind. Als Haus­tier soll­te man sie auch nur ein­zeln hal­ten. Durch den Ein­satz mo­der­ner Ern­te­ma­schi­nen heut­zu­ta­ge fin­den Feld­hams­ter im­mer we­ni­ger Nah­rung. Ih­re Zahl ist des­halb in den ver­gan­ge­nen 40 Jah­ren ste­tig zu­rück­ge­gan­gen. In Deutsch­land ist der Feld­hams­ter so­gar vom Auss­ter­ben be­droht.

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