Wil­helm Baur: Ein Teil der Ak­ti­on „Lu­ther – ei­ner von uns“

Der Künst­ler Ha­rald Birck und die Ak­ti­on „Lu­ther – ei­ner von uns“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Wolf­gang We­ber www.lu­ther2017-karlsruhe.de

Die Evan­ge­li­sche Kir­che in Karlsruhe fei­ert seit ei­ner Wo­che „500 Jah­re Re­for­ma­ti­on“. Im Mit­tel­punkt der 78 Got­tes­diens­te, Fes­te, Prä­sen­ta­tio­nen, Kon­zer­te, Vor­trä­ge und Thea­ter­vor­füh­run­gen steht bis zum 31. Ok­to­ber, dem Re­for­ma­ti­ons­tag, na­tür­lich Mar­tin Lu­ther.

„Je­der ist Mar­tin Lu­ther“

Pfar­rer Dirk Kel­ler ist Pfar­rer an der Stadt­kir­che Karlsruhe und Lei­ter des Pro­jekts „Lu­ther – ei­ner von uns“. „Lu­ther hat Karlsruhe nie be­sucht“, sagt Kel­ler, denn „da­zu ist die Re­for­ma­ti­on zu lan­ge her und die Fä­cher­stadt zu jung.“Den­noch, so der Pfar­rer, „füh­len sich auch nach 500 Jah­ren vie­le Men­schen mit sei­nen evan­ge­li­schen An­lie­gen ver­bun­den und le­ben, was er hin­ter­las­sen hat“. Man ha­be von An­fang an, so Kel­ler, „sicht­bar in den All­tag der Stadt ge­hen“wol­len. Der in Hei­den­heim ge­bo­re­ne Bild­hau­er, Ma­ler und Fo­to­graf Ha­rald Birck aus Berlin hat aus die­sem An­lass 22 Büs­ten ge­schaf­fen. Die ers­te, die vor we­ni­gen Ta­gen öf­fent­lich prä­sen­tiert wur­de, ist je­ne des BNN-Grün­ders und ers­ten Ver­le­gers Wil­helm Baur (1895 bis 1973). Die mar­kan­te Skulp­tur kann im Schau­fens­ter der BNN-Ge­schäfts­stel­le in der Lamm­stra­ße be­sich­tigt wer­den. Al­le Büs­ten zei­gen Kin­der, Frau­en oder Män­ner, die Lu­thers An­lie­gen ver­kör­pern – auf wel­che Art auch im­mer. Sie wer­den nach und nach bei ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tun­gen in der Stadt ent­hüllt und der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt.

„Mit Lu­ther groß ge­wor­den“

Als Pas­to­ren­sohn ist Ha­rald Birck „mit Lu­ther groß ge­wor­den“, wie er im Ge­spräch mit dem SONN­TAG sagt. Lu­ther sei für ihn aber we­der Hel­den­fi­gur noch Über­va­ter ge­we­sen. Zum ers­ten Mal be­fass­te er sich 2010 mit dem „be­lieb­tes­ten Pro­mi der Deut­schen“: Das Lu­ther-Ho­tel in Wit­ten­berg be­stell­te ei­ne Lu­ther-Büs­te in Bron­ze bei ihm. „Das war na­tür­lich et­was ganz Be­son­de­res für mich.“An Karlsruhe hat Birck gu­te Er­in­ne­run­gen. „In den 80ern ha­be ich acht Jah­re lang an der Kunst­aka­de­mie stu­diert.“

Wie ent­steht ei­ne Skulp­tur?

Der Schöp­fungs­pro­zess ei­nes Kop­fes be­ginnt mit ei­nem Pa­pier­knäu­el, auf das Birck die Ton­schich­ten auf­trägt und an­schlie­ßend mit Fin­gern und Mes­ser mo­del­liert. „Ent­schei­dend da­bei ist, nicht den Mo­ment des AufBa­di­schen hö­rens zu ver­pas­sen. Wie in der ex­pres­si­ven Ma­le­rei muss auch bei mei­nen Skulp­tu­ren noch was of­fen blei­ben. Sie müs­sen noch le­ben­dig sein“, sagt Birck und er­gänzt: „Durch das Bren­nen er­ge­ben sich im­mer noch wei­te­re Än­de­run­gen, die man sich vor­her nicht bis ins De­tail vor­stel­len kann.“Bei ei­nem der Köp­fe war zum Bei­spiel die Na­se ex­trem rot. Das hät­te selt­sam ge­wirkt, des­halb mach­te Birck ei­nen neu­en Kopf. „Von man­chen ha­be ich vier oder fünf Ex­em­pla­re an­ge­fer­tigt, bis ich zuf­rie­den mit dem Er­geb­nis war.“Als Künst­ler sei er aber nicht nur für das äu­ße­re, son­dern vor al­lem auch für das in­ne­re Bild der Per­son zu­stän­dig. Des­halb führt er – wenn mög­lich – lan­ge Ge­sprä­che mit sei­nen Mo­del­len. Birck sieht sich als bild­hau­ern­den Ma­ler. Sei­ne Skulp­tu­ren sind für ihn drei­di­men­sio­na­le Bil­der, die je nach An­sicht dem Be­trach­ter un­ter­schied­li­che Ein­drü­cke ver­mit­teln. „Ge­lern­te Bild­hau­er kom­men meis­tens nicht vom So­ckel weg“, sagt er. „Des­halb ha­ben mei­ne Skulp­tu­ren ei­nen an­ge­deu­te­ten Ober­kör­pe­ran­satz und Klei­dung.“

Wer ist zu se­hen?

Die Büs­ten stel­len un­ter an­de­rem ei­ne ju­gend­li­che Chor­sän­ge­rin (Emi­ly Hug), ei­nen ehe­ma­li­gen Ober­bür­ger­meis­ter (Ger­hard Sei­ler), ei­nen Ob­dach­lo­sen („Hei­ner“), ei­ne ge­schätz­te Schau­spie­le­rin (An­net­te Bü­schel­ber­ger), ei­nen be­kann­ten Brau­er (Ru­di Vo­gel), ei­nen si­zi­lia­ni­schen Ar­bei­ter (Leo­nar­do Ia­ci), ei­ne er­folg­rei­che Ge­schäfts­frau (Me­lit­ta Büch­ner-Schöpf) oder Mar­tin Lu­ther selbst dar. Und eben den über­zeug­ten Ka­tho­li­ken Wil­helm Baur. Der Grün­der der Neu­es­ten Nach­rich­ten zählt zu den gro­ßen Zei­tungs­pio­nie­ren der Nach­kriegs­zeit. Als er 1946 die Li­zenz zur Grün­dung der BNN er­hielt, war das für ihn der Auf­trag, die Zei­tung in christ­lich-li­be­ra­len Wer­ten zu ver­an­kern. Mit Lu­ther teilt er die Prin­zi­pi­en­treue, die Stand­fes­tig­keit und das Ver­trau­en in die Kraft des ge­schrie­be­nen Wor­tes. Die Wil­helm-Baur-Stif­tung setzt bis heu­te Zei­chen ka­ri­ta­ti­ven Geis­tes – im Sin­ne des öku­me­ni­schen Aus­gleichs. Al­le Büs­ten sind am 31. Ok­to­ber ab 20 Uhr noch­mals ge­mein­sam in der Stadt­kir­che am Markt­platz zu se­hen. Wo und wann die Büs­ten zu­vor zu se­hen sind, ent­neh­men Sie bit­te dem In­ter­net oder dem Pro­gramm­heft, das den BNN bei­ge­legt war.

Die Büs­te von Wil­helm Baur, dem Be­grün­der und ers­ten Ver­le­ger der Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten, wur­de vor ei­ni­gen Ta­gen in der BNN-Zen­tra­le in Neu­reut prä­sen­tiert (rechts der Künst­ler Ha­rald Birck). In­zwi­schen ist die Skulp­tur in der Lamm­stra­ße im BNN-Schau­fens­ter aus­ge­stellt. Fo­to: We­ber

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