Ma­ren Kroy­mann: Dau­er­gast im Fern­se­hen

Ma­ren Kroy­mann will ei­nen an­ar­chi­schen Hauch durchs Ka­ba­rett schi­cken

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - avs

Ma­ren Kroy­mann (67) ist ein All­round­ta­lent: Sie ist Schau­spie­le­rin, sie singt und geht mit ih­rem ei­ge­nen Pro­gramm auf Tour­nee. Und Ka­ba­rett macht sie auch noch. Am Don­ners­tag war sie in ih­rer Sa­ti­re­show „Kroy­mann“im Ers­ten zu se­hen, in der kom­men­den Wo­che spielt sie in zwei TV-Fil­men mit: „Zwei­mal le­bens­läng­lich“(Mon­tag, ZDF) und „Ich will (k)ein Kind von Dir“(Frei­tag, im Ers­ten).

Ma­ren Kroy­mann ist zu­rück mit ei­ner Sa­ti­re­show – war­um ge­ra­de jetzt?

Ma­ren Kroy­mann: Ach, das hät­te ich ger­ne schon viel frü­her. An mir lag das nicht, denn „Nacht­schwes­ter Kroy­mann“hät­te ich lie­bend ger­ne wei­ter­ge­macht. Aber es soll­te da­mals nicht sein. Ich ha­be dann wie­der ein ei­ge­nes Büh­nen­pro­gramm ge­macht und vie­le Rol­len im Fern­se­hen und auch im Ki­no ge­spielt. Das An­ge­bot, 30 Mi­nu­ten Satire für die ARD zu ma­chen, kam 2016 für mich völ­lig über­ra­schend – von Ra­dio Bremen. Wir ha­ben dann ei­ne su­per Pro­duk­ti­ons­fir­ma ge­fun­den, die Köl­ner bild­un­d­ton­fa­brik, und glück­li­cher­wei­se ist auch Hans Zip­pert wie­der mit von der Par­tie, der mit mir da­mals die meis­ten Fol­gen von „Nacht­schwes­ter Kroy­mann“ge­schrie­ben hat. Und dann sind bei „Kroy­mann“Kol­le­gin­nen da­bei wie Cor­du­la Strat­mann, An­net­te Fri­er – und Burg­hart Klauß­ner. Sie wa­ren al­le sehr wa­ge­mu­tig und be­reit, sich mit mir ein­zu­las­sen. Wir al­le ha­ben das jetzt ein­fach mal zu­sam­men ge­macht – oh­ne dass es da­bei groß um ir­gend­wel­che Er­war­tun­gen ging. Ge­plant ist zu­nächst ei­ne Sen­dung, aber in ei­ner tie­fe­ren Stu­fe mei­nes Be­wusst­seins ist si­cher noch Platz für wei­te­re.

Brau­chen wir in die­sen Zei­ten nicht mehr Ka­ba­rett denn je?

Kroy­mann: Ich fin­de ja. Durch­aus auch, um sich ge­gen Trump, die AfD etc. zu po­si­tio­nie­ren. Aber auch, und das ist si­cher genau­so wich­tig, um ei­ne an­de­re Art von Dis­kurs zu schaf­fen. Satire kann die Men­schen ani­mie­ren, fei­ner auf das Ge­we­be zu gu­cken, ge­dank­lich ins Stol­pern zu ge­ra­ten. Es geht dar­um, Wi­der­sprü­che wahr­zu­neh­men, viel­leicht auch Zwei­fel zu sä­en, die Men­schen zu über­ra­schen – im La­chen den Ge­dan­ken ei­ne an­de­re Rich­tung zu ge­ben. Ich möch­te ei­nen klei­nen, fei­nen an­ar­chi­schen Hauch durchs Ka­ba­rett schi­cken – dass an­ders ge­dacht und ge­lacht wird als meis­tens sonst in den Hu­mor­sen­dun­gen.

Klingt gut. Müss­ten da nicht noch viel mehr Frau­en ran?

Kroy­mann: Aber ja – ich schla­ge ei­ne gro­ße Bre­sche für die Frau­en­quo­te. Ein Teil der Dis­kri­mi­nie­rung ist ja, dass man sie gar nicht zur Kennt­nis nimmt. Und das gilt auch und ge­ra­de für das Ka­ba­rett im Fern­se­hen: Vie­le Men­schen ha­ben noch im­mer nicht be­grif­fen, dass Frau­en auch iro­nisch sein kön­nen. Zum Bei­spiel war im „Satire Gip­fel“der ARD fast zehn Jah­re lang kei­ne ein­zi­ge Frau zu Gast, und es ist nie­man­dem auf­ge­fal­len. Heu­te sind es im­mer noch nicht sehr vie­le, die meis­ten sind un­ter 50, und sie ma­chen auch ganz tol­le Sa­chen. Es geht um Frau­en und In­tel­lekt, um Frau­en, die den Über­blick und die Au­to­ri­tät ha­ben und gleich­zei­tig ei­ne Hal­tung und die künst­le­ri­sche Vi­si­on da­zu.

Das ge­sell­schaft­li­che Kli­ma, Fa­ke News, raue Sit­ten – wird es schlim­mer oder wird es bes­ser?

Kroy­mann: Na, bes­ser wird’s wohl erst mal nicht, fürch­te ich. Es herrscht ja mo­men­tan so ei­ne merk­wür­di­ge Denk­wei­se vor, nach dem Mot­to: „Ich bin rich­tig, und al­les an­de­re ist Mist“– die­se Form von Bi­po­la­ri­tät müs­sen wir auf­bre­chen. Die Wirk­lich­keit ist ja noch viel ab­sur­der als je­de Form von Satire. Wenn Sie Trump in sei­nen Pres­se­kon­fe­ren­zen er­le­ben, was wol­len Sie da noch sa­ti­risch zu­spit­zen? Wir kön­nen die Sin­ne der Leu­te schär­fen da­für, was ge­ra­de Be­droh­li­ches ge­schieht, und das kann man mei­ner Mei­nung nach am bes­ten mit klei­nen sub­ver­si­ven Mo­men­ten er­rei­chen – dass beim La­chen auf je­den Fall schon mal kei­ne Ge­müt­lich­keit auf­kommt.

In die­sen Ta­gen sehr prä­sent im deut­schen Fern­se­hen: Ma­ren Kroy­mann prä­sen­tier­te sich zu­nächst in ih­rer neu­en Sa­ti­re­show, zwei wei­te­re Fil­me fol­gen Mon­tag und Frei­tag. Fo­to: avs

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