Frei­han­del bleibt Streit­punkt

Bei Gip­fel­tref­fen in Ba­den-Ba­den ver­wei­gern USA ein kla­res Be­kennt­nis

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - To­bi­as Roth

Die G-20-Staa­ten ha­ben es in Ba­den-Ba­den nicht ge­schafft, ein Si­gnal des Zu­sam­men­halts zu sen­den. Beim Gip­fel in der Kur­stadt lehn­ten die USA nach lan­gen Ver­hand­lun­gen ein kla­res Be­kennt­nis zum Frei­han­del und ge­gen Pro­tek­tio­nis­mus ab. In der Ab­schluss­er­klä­rung der wich­tigs­ten Fi­nanz­mi­nis­ter und No­ten­bank­chefs konn­ten sich die Staa­ten ges­tern nur auf ei­nen mi­ni­ma­len Kom­pro­miss ei­ni­gen. Nor­ma­ler­wei­se ver­pflich­ten sich die Grup­pe der 20 wirt­schaft­lich star­ken Staa­ten zu frei­em Han­del. Da­mit droht in der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik Streit um ei­ne ge­mein­sa­me Li­nie in der Han­dels­po­li­tik. Die USA mit Prä­si­dent Do­nald Trump blei­ben wei­ter ih­rem Mot­to treu, in vor al­lem auf ame­ri­ka­ni­sche In­ter­es­sen zu set­zen, auch in der Steu­er- und Han­dels­po­li­tik. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) be­müh­te sich bei der Ab­schluss­pres­se­kon­fe­renz ges­tern im Ba­den-Ba­de­ner Kon­gress­haus den­noch, das Po­si­ti­ve aus dem zwei­tä­gi­gen Gip­fel­tref­fen zu be­to­nen. Die USA blie­ben wei­ter­hin ein un­ver­zicht­ba­rer Part­ner in der Welt, die G20 sieht er trotz des Streits ge­stärkt. Aber Schäu­b­le räum­te auch ein, dass es eben un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen ge­be. „Das muss man dann auch re­spek­tie­ren.“Manch­mal müs­se man sich bei sol­chen Tref­fen dar­auf be­schrän­ken, kei­nen Part­ner zu über­for­dern. Die USA sieht der Fi- nanz­mi­nis­ter künf­tig aber nicht in ei­ner „Au­ßen­sei­ter­rol­le“, viel­mehr sei in den Ge­sprä­chen deut­lich ge­wor­den, dass man in Zu­kunft eng zu­sam­men­ar­bei­ten wol­le. Der Stadt Ba­den-Ba­den und den zahl­rei­chen frei­wil­li­gen Hel­fern dank­te Schäu­b­le aus­drück­lich für die Or­ga­ni­sa­ti­on des Gip­fels und den „rei­bungs­lo­sen“Ablauf. Die Gäs­te aus al­ler Welt hät­ten sich da­von über­zeu­gen kön­nen, dass Ba­den-Ba­den ei­ne char­man­te und welt­of­fe­ne Stadt sei. Hun­der­te Jour­na­lis­ten aus al­ler Welt hat­ten in den ver­gan­ge­nen zwei Ta­gen aus Ba­den-Ba­den be­rich­tet. Nach An­ga­ben der Ba­den-Ba­de­ner Kur und Tou­ris­mus Gm­bH be­scher­te der Gip­fel der Stadt 7 800 Über­nach­tun­gen in den Ho­tels und eiZu­kunft nen zu­sätz­li­chen Um­satz von 1,7 Mil­lio­nen Eu­ro. Das Tref­fen war von der Po­li­zei mit ei­nem Groß­auf­ge­bot be­glei­tet wor­den. Die De­mons­tra­ti­on der G20-Geg­ner blieb ges­tern fried­lich. Zu dem Pro­test­marsch durch die Stadt, zu dem meh­re­re glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen auf­ge­ru­fen hat­ten, wa­ren bei Re­gen­wet­ter deut­lich we­ni­ger Teil­neh­mer ge­kom­men als er­war­tet. Nach An­ga­ben der Po­li­zei ver­sam­mel­ten sich et­wa 500 De­mons­tran­ten, die un­ter an­de­rem ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­steue­rung mul­ti­na­tio­na­ler Kon­zer­ne for­der­ten.

Wolf­gang Schäu­b­le lob­te Ba­den-Ba­den nach dem Tref­fen von 20 Fi­nanz­mi­nis­tern der so­ge­nann­ten G-20-Staa­ten für den rei­bungs­lo­sen Ablauf in ei­ner char­man­ten und welt­of­fe­nen Stadt. Fo­to: avs

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