Tanz im Toll­haus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - SO

Der bel­gi­sche Cho­reo­graf Alain Pla­tel zählt seit über zwei Jahr­zehn­ten zu den be­deu­tends­ten Ver­tre­tern des eu­ro­päi­schen Tanz­thea­ters und zu­dem zu den er­folg­reichs­ten und pu­bli­k­um­sat­trak­tivs­ten. Das auch, ob­wohl Pla­tel in sei­nen Stü­cken viel­fach düs­te­re At­mo­sphä­ren vor­herr­schen und Au­ßen­sei­ter als Prot­ago­nis­ten fun­gie­ren. So auch in dem im Sep­tem­ber 2016 bei der Ruhr­tri­en­na­le auf­ge­führ­ten Stück „nicht schla­fen“, das seit sei­ner Pre­mie­re mit gro­ßem Er­folg un­er­müd­lich durch Eu­ro­pa tourt. Das Ge­heim­nis von Pla­tels Er­folg scheint zu sein, dass er aus ei­ner skep­ti­schen Grund­hal­tung her­aus die Ab­grün­de der Exis­tenz in so star­ke Bil­der und Be­we­gun­gen fasst, dass sein Pu­bli­kum in ei­nen un­ent­rinn­ba­ren Sog ver­fällt und förm­lich mit­ge­ris­sen wird. „nicht schla­fen“er­zählt vom Men­schen als sei­nem größ­ten Geg­ner, frei­lich nicht oh­ne bit­te­ren Witz und die Hoff­nung auf Er­lö­sung des Ver­ein­zel­ten in der Ge­mein­schaft. Acht Män­ner und ei­ne Frau lie­fern sich im dras­ti­schen Büh­nen­bild der bel­gi­schen Künst­le­rin Ber­lin­de de Bruy­cke­re, das an die Schlacht­fel­der des Ers­ten Welt­krie­ges er­in­nert, ei­nen exis­ten­zi­el­len Kampf, fal­len über­ein­an­der her, zer­ren sich ge­gen­sei­tig so lan­ge ge­gen­sei­tig, bis die Klei­dungs­stü­cke zer­rei­ßen. Pla­tel zei­ge „was im Un­ter­be­wusst­sein so al­les gärt und giert, wo die Trie­be wü­ten und der Schlaf der Ver­nunft Un­ge­heu­er ge­biert. Erst mal muss da­für die Krea­tur aus der Hül­le“, meint da­zu ein Kri­ti­ker. Da­zu er­klin­gen Spreng­sel aus Gus­tav Mah­lers Sin­fo­ni­en. Aber es gibt auch das Ge­gen­bild, das Ent­ste­hen ei­ner Ge­mein­schaft, das sich durch afri­ka­ni­sche Ge­sän­ge und Klän­ge an­kün­digt. „nicht schla­fen“ist das Stück zu un­ru­hi­gen Zei­ten, ein auf­rüt­teln­des Stück Tanz, das mehr ver­un­si­chert, als dass es in Ru­he wiegt.

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