Har­vey Wein­stein: Der Mann mit dem rich­ti­gen Rie­cher

Film­pro­du­zent mit dem rich­ti­gen Rie­cher: Har­vey Wein­stein wird 65

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Jo­han­nes Sch­mitt-Teg­ge

Glaubt man ih­ren Kon­kur­ren­ten, soll­te man die Wein­stein-Brü­der nie un­ter­schät­zen. „Mei­ne ei­ne Lek­ti­on aus dem Wett­be­werb mit ih­nen ist, sie nie­mals ab­zu­schrei­ben“, sag­te et­wa Joe Pi­chi­ral­lo, der be­reits bei den Film­stu­dio Fox Se­arch­light Pic­tu­res und Fo­cus Fea­tu­res im Vor­stand saß. „Ich ha­be die To­ten­glo­cke oft für die Wein­steins läu­ten hö­ren, nur um sie zu­rück­rau­schen zu se­hen.“Der äl­te­re Bru­der Har­vey Wein­stein, der heu­te 65 Jah­re alt wird, hat der US-Film­bran­che schon so man­ches Schnipp­chen ge­schla­gen. Mehr als un­fass­ba­re 300 Os­car-No­mi­nie­run­gen ha­ben die von Wein­stein pro­du­zier­ten Fil­me schon ein­ge­fah­ren, mehr als 75 Mal räum­te ein von ihm und sei­nem Bru­der Bob (mit-)pro­du­zier­tes Werk die Sta­tu­et­te ab. Un­ter ih­ren be­kann­tes­ten Ti­teln fin­den sich so­wohl Klas­si­ker wie „Pulp Fic­tion“(1994), „Der eng­li­sche Pa­ti­ent“(1996), „Sha­ke­speare in Lo­ve“(1998) und „Gangs of New York“(2002) als auch jün­ge­re Kas­sen­schla­ger wie die „Herr der Rin­ge“-Tri­lo­gie, „Ing­lou­rious Bas­terds“(2009), „The Ar­tist“(2011) und „Djan­go Un­chai­ned“(2012). Es war wohl die Lie­be zum Kino, ge­kop­pelt mit ih­rem Un­ter­neh­mer­geist, die den aus dem New Yor­ker Stadt­teil Queens stam­men­den Wein­stein und sei­nen jün­ge­ren Brü­der Bob an die Spit­ze der um­kämpf­ten Film­in­dus­trie führ­te. Mit den Ein­nah­men ih­res ers­ten selbst­pro­du­zier­ten Films „The Se­cret Po­li­ce­man’s Ot­her Ball“(1982) grün­de­ten sie die Pro­duk­ti­ons­fir­ma Mi­ra­max (ein Wort­spiel aus den Vor­na­men ih­rer El­tern), die Hol­ly­wood auch nach dem Ver­kauf 1993 an Dis­ney kräf­tig durch­ein­an­der wir­beln soll­te. Mi­ra­max ha­be den In­dieFilm ins Mul­ti­plex-Kino ge­führt, schrieb die „New York Ti­mes“vor ei­ni­gen Jah­ren über den un­ge­wöhn­li­chen Er­zähl­stoff, mit dem die Wein­steins gro­ße Tei­le das US-Ki­nos der 1990er und 2000er Jah­re be­herrsch­ten. Doch mit ei­ni­gen Vor­schlä­gen stie­ßen die Brü­der beim da­ma­li­gen Dis­ney-Chef Michael Eis­ner auch auf tau­be Oh­ren: Eis­ner lehn­te den Michael-Moo­re-Film „Fah­ren­heit 9/11“als zu po­li­tisch ab und woll­te auch mit der auf­wen­dig pro­du­zier­ten „Herr der Rin­ge“Tri­lo­gie nichts zu tun ha­ben – sie spiel­te welt­weit fast drei Mil­li­ar­den Dol­lar (2,8 Mil­li­ar­den Eu­ro) ein. Wie­der und wie­der be­wies der für sei­ne Wu­t­aus­brü­che be­rüch­tig­te Wein­stein, der un­ter dem Spitz­na­men „The Pu­nis­her“(Der Be­strafer) be­kannt wur­de, dass er am En­de den rich­ti­gen Rie­cher hat­te. „Fil­me kann ich im Schlaf ma­chen“, sag­te er 2009 in ei­nem In­ter­view – und ge­nau des­halb hät­te er viel­leicht da­bei blei­ben sol­len. Denn der Ver­such, sich mit der 2005 ge­grün­de­ten und von Gold­man Sachs mit­fi­nan­zier­ten Wein­stein Com­pa­ny et­wa auch in der Mo­de- und In­ter­net-Bran­che zu ver­su­chen, ging eher nach hin­ten los.

Film­pro­du­zent Har­vey Wein­stein mit sei­ner Frau Ge­or­gi­na Ch­ap­man im Mai 2016 in Can­nes (Frank­reich) bei der Pre­mie­re des Films „Hands of Sto­ne“. Wein­stein wird heu­te 65 Jah­re alt. Fo­to: avs

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