Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - von To­bi­as Speck, Lei­ter der Diö­ze­san­stel­le Mitt­le­rer Ober­rhein-Pforz­heim

Wenn ich in die­sen Früh­lings­ta­gen durch un­ser Dorf lau­fe, fällt mir auf, dass da und dort die Fens­ter ge­putzt wer­den und gründ­lich ge­lüf­tet wird und ich stel­le mir vor, wie man drin­nen den Be­sen schwingt, den Schrub­ber be­tä­tigt und mit dem Staub­sau­ger dem Dreck, der sich im Lau­fe des Win­ters an­ge­sam­melt hat, den Gar­aus macht. Ir­gend­wie spü­re ich die­ses Be­dürf­nis auch in mir, Ord­nung zu schaf­fen, die Fens­ter auf­zu­ma­chen und fri­schen Wind hin­ein­zu­las­sen. Das ver­bin­det sich, fin­de ich, gut mit der Fas­ten­zeit. Wir Chris­ten be­rei­ten uns auf Os­tern vor, auf die gro­ße drei­tä­gi­ge Fei­er von Tod und Au­fer­ste­hung Je­su Chris­ti. Da­zu hö­ren wir in den Le­sun­gen die­ser Ta­ge den Ruf Je­su zur Um­kehr, sei­ne Ein­la­dung, un­ser Le­ben neu auf ihn aus­zu­rich­ten und das aus dem Weg zu schaf­fen, was uns von ihm und den Mit­men­schen trennt. Ei­ne Ein­la­dung zum see­li­schen Früh­jahrs­putz ge­wis­ser­ma­ßen. Pas­sen­der­wei­se wer­den in die­sen Ta­gen in vie­len ka­tho­li­schen Ge­mein­den die Erst­kom­mu­ni­on­kin­der auch auf die ers­te Beich­te vor­be­rei­tet. Bei den meis­ten Er­wach­se­nen ist die Beich­te zwar ziem­lich aus der Mo­de ge­kom­men, viel­leicht weil man sie in frü­he­ren Zei­ten all­zu sehr be­tont hat. Und doch hat sie ih­ren Sinn nicht ver­lo­ren: Das laut aus­zu­spre­chen, was ich mei­nen Mit­men­schen schul­dig ge­blie­ben bin, kos­tet zwar rich­tig Über­win­dung, ist aber auch sehr be­frei­end. Mir dann zu­sa­gen zu las­sen, dass Gott mich trotz al­lem im­mer ge­liebt hat und liebt und mir im­mer wie­der ei­nen Neu­an­fang schenkt, ist ein Früh­jahrs­ge­fühl, das dem voll­ende­ten Groß­putz im Haus in nichts nach­steht.

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