Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - von Pfar­re­rin Ga­b­rie­le Hug, evan­ge­li­sche Chris­tus­kir­che Karlsruhe

Die Gleich­zei­tig­keit von wi­der­sprüch­lichs­ten Er­schei­nun­gen und Ge­ge­ben­hei­ten kann fas­zi­nie­ren und ängs­ti­gen: Da strahlt die Son­ne von ei­nem leuch­tend blau­en Him­mel. Men­schen er­freu­en sich an den da­vor auf­schim­mern­den ro­sa Blü­ten­zwei­gen, an gel­ben Nar­zis­sen, vio­let­ten Kro­kus­sen und kön-nen sich nicht satt­se­hen. Da­ne­ben das Elend von her­un­ter ge­kom­me­nen Men­schen, die ih­re we­ni­gen Hab­se­lig­kei­ten mit sich füh­ren und grau aus­se­hen. Ei­ne Kol­le­gin er­zählt mir freu­de­strah­lend, dass sie ein Baby er­war­tet und ei­ne an­de­re er­zählt von ih­rer schwie­ri­gen Ar­beit mit ster­ben­den Kin­dern, die sie in sich selbst schon höchst ge­gen­sätz­lich er­lebt. Wie­der an­de­re ge­hen für ein of­fe­nes, ge­mein­sa­mes Eu­ro­pa fried­lich auf die Stra­ße, wäh­rend wir al­lent­hal­ben von Ter­ror­an­schlä­gen er­schüt­tert wer­den, de­ren Ur­he­ber genau die­se freie Ge­sell­schaft nicht er­tra­gen und ver­nich­ten wol­len. „Manch-mal ist mir das al­les viel zu kom­pli­ziert und ich möch­te mich am liebs­ten mit ei­ner gro­ßen De­cke aufs So­fa zu­rück­zie­hen und die Welt aus­sper­ren“, sag­te mir je­mand. „Aber es hilft ja nichts.“Das stimmt. Es ist durch­aus nach­zu­voll­zie­hen, dass vie­le sich über­for­dert oder hilf­los oder ohn­mäch­tig füh­len. Doch spie­len wir da­mit nicht je­nen fal­schen Kräf­ten in die Hän­de, die die an­de­ren zu ih­rem Vor­teil ger­ne ohn­mäch­tig und hilf­los hal­ten wol­len? Un­se­re Kon­fir­man­den ha­ben – hof­fent­lich – ge­lernt, dass es auf je­den ein­zel­nen an­kommt und kei­ner zu ge­ring ist, et­was zum Ge­lin­gen bei­zu­tra­gen. Durch ih­re Tau­fe sind sie hin­ein­ge­stellt in das Kraft­feld Got­tes, mit an­de­ren zu­sam­men und ein­zeln zu wir­ken. Das stärkt, tut gut – und hilft.

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