Jagd auf die letz­ten See­gur­ken

In Asi­en be­gehr­te De­li­ka­tes­sen / Viet­na­me­si­sche Wil­de­rer ris­kie­ren vor Neu­ka­le­do­ni­en ihr Le­ben

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Claudine We­ry

Sie se­hen nicht ge­ra­de ap­pe­tit­lich aus: von der Form wie ei­ne di­cke Wurst, braun bis schwarz in der Far­be. Doch See­gur­ken sind in Asi­en als De­li­ka­tes­se be­gehrt. Vie­ler­orts sind die­se Be­woh­ner des Mee­res­grun­des be­reits sel­ten ge­wor­den. In den Ge­wäs­sern Neu­ka­le­do­ni­ens, der zu Frank­reich ge­hö­ren­den In­sel­grup­pe im Süd­pa­zi­fik, le­ben sie noch zu­hauf. Das ha­ben auch viet­na­me­si­sche Wil­de­rer ent­deckt. „Seit et­wa neun Mo­na­ten be­ob­ach­ten wir das“, sagt Je­an-Lou­is Four­nier, zu­stän­dig für

Bis zu 2 000 Eu­ro pro Ki­lo­gramm

die Über­wa­chung der neu­ka­le­do­ni­schen Ge­wäs­ser. „70 Schif­fe ha­ben wir ent­deckt, 55 mit ei­nem Buß­geld ver­warnt und fünf zum An­le­gen ge­zwun­gen.“Meh­re­re Ton­nen il­le­gal ge­fisch­ter See­gur­ken wur­den be­schlag­nahmt. Fünf viet­na­me­si­sche Ka­pi­tä­ne sit­zen in­zwi­schen im Ge­fäng­nis. „Blue boats“wer­den die Schif­fe we­gen ih­res blau­en Rump­fes ge­nannt. Drei bis vier Wo­chen sind sie meist im Nor­den Neu­ka­le­do­ni­ens un­ter­wegs und plün­dern die Be­stän­de dort. Die Fischer ha­ben kei­ne Pa­pie­re, kein Geld, nicht ein­mal ei­ne Kar­te. „Aber sie sind sehr ent­schlos­sen“, sagt Four­nier. Bei der SuDie che nach den See­gur­ken ris­kie­ren sie ihr Le­ben. Sie tau­chen bis zu 40 Me­ter tief und ver­sor­gen sich durch ein dün­nes, mit dem Schiff ver­bun­de­nes Röhr­chen mit Sau­er­stoff. Nach dem Fang wer­den die Tie­re, die wie See­ster­ne zur Fa­mi­lie der St­a­chel­häu­ter ge­hö­ren, aus­ge­nom­men, ge­kocht und ge­trock­net. Vor al­lem in Chi­na ist die See­gur­ke sehr be­liebt – als Zu­tat für Ein­töp­fe und Sup­pen oder als Heil­mit­tel und Aphro­di­sia­kum. „Al­le klei­nen In­sel­staa­ten im Pa­zi­fik und die asia­ti­schen Län­der ha­ben ih­re Be­stän­de er­schöpft“, sagt Pas­cal Du­mas, Wis­sen­schaft­ler in der neu­ka­le­do­ni­schen Haupt­stadt No­u­méa. Bis zu 2 000 Eu­ro pro Ki­lo wür­den be­zahlt. Neu­ka­le­do­ni­en ver­sucht, mit sei­nen Be­stän­den sorg­sam um­zu­ge­hen. An der West­küs­te der Nord­pro­vinz wur­de ein Ge­biet für nach­hal­ti­ge See­gur­ken-Fi­sche­rei ein­ge­rich­tet. Acht Ar­ten dür­fen erst ab ei­ner be­stimm­ten Min­dest­grö­ße ge­fan­gen wer­den. Für das Fi­schen sind Ge­neh­mi­gun­gen vor­ge­schrie­ben. Neu­ka­le­do­ni­en ex­por­tiert jähr­lich et­wa 50 Ton­nen ge­trock­ne­te See­gur­ken nach Asi­en und ver­sucht die­sen Wirt­schafts­zweig aus­zu­bau­en – oh­ne die Vor­kom­men zu de­zi­mie­ren. il­le­ga­le Fi­sche­rei der Viet­na­me­sen er­regt den Zorn der ein­hei­mi­schen Fischer. „Wir sind be­un­ru­higt, die Pi­ra­ten ge­fähr­den un­se­re Be­stän­de und der Staat ist nicht in der La­ge, die Über­wa­chung zu ge­währ­leis­ten“, sagt Yann Moi­lou, Vor­sit­zen­der ei­nes Fi­sche­rei­ver­ban­des. Ei­ni­ge Kol­le­gen sei­en von den „viet­na­me­si­schen Wil­de­rern“auf dem Meer be­reits an­ge­grif­fen wor­den.

Sie se­hen nicht ge­ra­de le­cker aus: See­gur­ken, die hier zum Trock­nen aus­lie­gen, sind in Asi­en sehr be­liebt und wer­den teu­er be­zahlt.

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