Schreib mal wie­der...

Der Sonntag (Mittelbaden) - - MODE & STIL - mag

Stil­voll mit dem Füll­fe­der­hal­ter

Ob­wohl Com­pu­ter, Smart­pho­nes und sons­ti­ge tech­ni­sche Spie­le­rei­en den All­tag prä­gen, kom­men hand­ge­schrie­be­ne Brie­fe wie­der in Mo­de. Am bes­ten schreibt man sie zu­dem noch mit ei­nem Fül­ler statt mit ei­nem Ku­li. Und Ge­burts­tags­und an­de­re Glück­wunsch­kar­ten ha­ben ei­gent­lich nie an Ak­tua­li­tät ver­lo­ren. War­um? „Wie ein selbst­ge­mal­tes Bild von Kin­dern, ist auch ein hand­ge­schrie­be­ner Brief et­was Ul­tra­per­sön­li­ches“, sagt Susanne Do­ren­dorff vom Eu­ro­päi­schen In­sti­tut für Hand­schrift und Phi­lo­gra­phie. So et­was Per­sön­li­ches ma­che Freu­de. Micha­el Reich­hold, Ob­jekt­lei­ter der Schreib­wa­ren-Fach­mes­se Pa­per­world in Frank­furt, er­gänzt: „Je­der Trend hat im­mer ei­nen Ge­gen­trend.“Bas­teln oder Schrei­ben wur­de nach und nach ei­ne Ge­gen­be­we­gung zur Di­gi­ta­li­sie­rung. Aber nicht nur Er­wach­se­ne tun das: „Vie­le Ju­gend­li­che ha­ben im­mer noch ne­ben dem Han­dy ei­ne Kl­ad­de oder ei­nen No­tiz­block“, sagt Reich­hold. „Das Schrei­ben ist ei­ne sinn­li­che Er­fah­rung, die man beim Tip­pen nicht hat.“Wer sei­ne Hand­schrift ver­bes­sern möch­te, soll­te aber nicht ver­su­chen, im op­ti­schen Sinn schön schrei­ben zu ler­nen, be­tont Do­ren­dorff. „Sie soll­te gut les­bar, cha­ris­ma­tisch und au­then­tisch sein.“Auch Reich­hold be­tont: Der Trend zu mehr Hand­schrift­li­chem ha­be nichts mit Kal­li­gra­phie zu tun, der Kunst des Schön­schrei­bens. Das sei und wä­re auch im­mer et­was für künst­le­risch ver­an­lag­te Men­schen ge­we­sen, auch wenn in die­sem Be­reich ak­tu­ell eben­falls das In­ter­es­se stei­ge. Ul­ri­ke Frei­er, Be­sit­ze­rin ei­ner Schreib­ma­nu­fak­tur in Korschenbroich (Nord­rhein-West­fa­len), lehrt in ih­ren Kur­sen, die Ei­gen­ar­ten der Hand­schrift eher zu be­to­nen statt sie zu ver­mei­den. Lang­ge­zo­ge­ne Schlei­fen oder Ha­ken könn­te man noch in­ten­si­ver ein­set­zen. Aber zu­nächst steht ja das größ­te Pro­blem an: Wie be­kom­me ich es über­haupt hin, dass mei­ne Schrift gut les­bar ist. Acht­sam­keit lau­tet Do­ren­dorffs Tipp: „Man muss die Hand­schrift wie ei­nen gu­ten Freund be­han­deln und sie nicht be­schä­di­gen. Den gu­ten Freund wür­de man ja auch nicht pau­sen­los be­schä­di­gen.“Das Schreib­ge­rät ist das bes­te Hilfs­mit­tel: Mit der Füll­fe­der schreibt man lang­sa­mer als mit ei­nem Ku­gel­schrei­ber. Und ein Fül­ler mit brei­ter Fe­der nö­tigt den Schrei­ben­den zu grö­ße­ren Buch­sta­ben, was op­tisch schö­ner ist, er­klärt Thors­ten Pet­zold, Be­sit­zer ei­ner Schreib­ma­nu­fak­tur in Berlin. Au­ßer­dem se­he man mit ei­ner brei­ten Fe­der kra­ke­li­ge Schrift we­ni­ger deut­lich als mit ei­ner Mi­ne. Da­ne­ben hilft es, ei­nen ka­rier­ten oder li­nier­ten Bo­gen un­ter das Schreib­pa­pier zu le­gen. Zum ei­nen wer­den dann die Buch­sta­ben je­der Zei­le und die Zei­len­ab­stän­de gleich groß. Zum an­de­ren sinkt die Schrift am En­de der Zei­le nicht ab, was sonst oft der Fall ist, sagt Thors­ten Pet­zold.

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