Post von der Queen und vom Papst

Grund­schü­ler aus Berlin woll­ten von Pro­mis wis­sen: Was macht Ih­nen Mut?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Die Queen ließ aus­rich­ten, dass sie nicht le­sen kann“, spru­delt Ni­cki her­vor. Dann macht er ei­ne Pau­se, lacht und ver­bes­sert sich schnell: „Dass sie kei­ne Zeit hat­te, mei­nen Brief zu le­sen, mein­te ich. Weil die Queen so viel Post kriegt.“So fiel die Stan­dard-Ant­wort des Bucking­ham Pa­lasts höf­lich aus, aber lang­wei­lig. Da­bei hät­te Ni­cki ger­ne ge­wusst, was Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. im Le­ben Mut macht und wor­an sie glaubt. Ni­cki, Lea, Emi­ly, Fa­bi­an und ih­re Mit­schü­ler der Ber­li­ner Gru­ne­wald-Grund­schu­le und der Grund­schu­le Sch­mar­gen­dorf (in Berlin dau­ert die Grund­schu­le bis zur 6. Klas­se) ha­ben im Un­ter­richt die Re­for­ma­ti­on durch­ge­nom­men. Das Er­eig­nis ist für evan­ge­li­sche Chris­ten in die­sem Jahr ein Grund zu fei­ern, es jährt sich zum 500. Mal. Oh­ne die Re­for­ma­ti­on gä­be es vie­le un­se­rer de­mo­kra­ti­schen Wer­te heu­te nicht, da­zu zäh­len Mei­nungs­frei­heit, Gleich­be­rech­ti­gung und der freie Zu­gang zur Bil­dung für Jun­gen und Mäd­chen. Auch, dass je­der Mensch bei uns in Deutsch­land sein Le­ben selbst ge­stal­ten kann und der Staat niem­a­nal­ter. vor­schreibt, an wen oder was er glau­ben soll, sind Er­geb­nis ei­ner Ent­wick­lung, die vor 500 Jah­ren ein­setz­te. Die Sechst­kläss­ler wand­ten sich an 50 pro­mi­nen­te Per­so­nen, die ein öf­fent­li­ches Amt aus­üben, Ver­ant­wor­tung für die Ge­sell­schaft tra­gen und Vor­bild sind. Ih­re Brie­fe wur­den in meh­re­ren Spra­chen ver­schickt, über­setzt von zwei­spra­chig auf­wach­sen­den Klas­sen­ka­me­ra­den. „Wir konn­ten ent­we­der selbst Leu­te vor­schla­gen oder be­ka­men von un­se­rer Lehrerin Na­men ge­nannt“, schil­dert Emi­ly. Was an Re­ak­tio­nen ein­traf, zeigt ei­ne Aus­stel­lung in ih­rer Gru­ne­wald-Grund­schu­le. In ih­ren Brie­fen stell­ten die Kin­der den Emp­fän­gern die Fra­ge, „was ih­nen Mut und Ver­trau­en gibt und war­um, ob und wor­an sie glau­ben.“Die Hälf­te hat ge­ant­wor­tet. Die höchs­te Tref­fer­quo­te er­ziel­te die Po­li­tik. Fast al­le Bun­des­mi­nis­ter aus dem Ka­bi­nett nah­men sich Zeit für ei­ni­ge per­sön­li­che Zei­len. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ließ ei­ne Spre­che­rin ant­wor­ten. „Sie hat wohl ähn­lich viel zu tun wie die Queen“, ora­keln die Schü­ler. Fa­bi­an zeigt das Schrei­ben von Thomas de Mai­ziè­re. „Es ist sehr per­sön­lich, das fand ich stark“, freut sich der Jun­ge. Be­ein­druckt scheint auch der In­nen­mi­nis­ter ge­we­sen zu sein: „Es kommt nicht oft vor, dass mir je­mand in dei­nem Al­ter ei­nen Brief schreibt. Ich dan­ke dir da­für und auch für dei­ne Fra­gen. Mir gibt Vie­les Mut und Ver­trau­en. Mei­ne Fa­mi­lie, mei­ne Freun­de, aber auch mein Glau­be. Ich bin Christ. Des­we­gen hilft es mir manch­mal, zu be­ten. Ei­ne Le­bens­weis­heit ha­be ich lei­der nicht für Dich. Um mich als wei­se zu be­trach­ten, da­für füh­le ich mich noch nicht alt ge­nug“, so de Mai­ziè­re. Emi­ly be­kam Post von Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas: „Ich fin­de es pri­ma, dass Ihr Euch mit der Re­for­ma­ti­on be­schäf­tigt. Sie hat das Men­schen­bild, das Den­ken und die Kul­tur in Eu­ro­pa stark ver­än­dert. Der Glau­be an Gott hilft mir, weil ich weiß, dass ich Pro­ble­me nicht al­lei­ne lö­sen muss. Da ist noch je­mand, der die Hand über mich hält“, schreibt er. Ähn­lich äu­ßert sich Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Manuela Schwe­sig: „Wenn ich an Gott den­ke, füh­le ich mich ge­stärkt und be­schützt“. Sie be­wun­de­re Mar­tin Lu­thers Mut, sei aber wie­der­um froh, „dass wir nicht mehr an ei­nen stra­fen­den Gott glau­ben wie im Mit­tel­dem Ich je­den­falls nicht!“Die Brie­fe in der Aus­stel­lung sind Ko­pi­en. Die Ori­gi­na­le durf­ten die Schü­ler be­hal­ten, auch, weil sie zu ih­nen nach Hau­se ge­schickt wur­den. „Das war auf­re­gend, plötz­lich ei­nen Brief mit dem Stem­pel des Va­ti­kans in der Post zu fin­den“, er­in­nert sich die zwölf­jäh­ri­ge Lea. Sie schrieb dem Papst und war „si­cher, er wür­de ant­wor­ten. Er ist ein sym­pa­thi­scher Mann.“Statt Fran­zis­kus I. ant­wor­te­te des­sen Se­kre­tär, und das wie­der­um förm­lich. Scha­de! Das Mäd­chen star­te­te ei­nen wei­te­ren Ver­such, dies­mal schrieb Lea an den Schau­spie­ler Leo­nar­do DiCa­prio, von dem sie wuss­te, dass er sich ge­sell­schaft­lich en­ga­giert, et­wa im Um­welt­schutz. „Lei­der kam von ihm gar kei­ne Ant­wort“, löst sie auf. „Ich fin­de ihn trotz­dem noch gut.“Auch an­de­re Mit­schü­ler war­te­ten ver­geb­lich auf Post, et­wa von Fuß­ball-Welt­meis­ter Ma­rio Göt­ze, der Schau­spie­le­rin Em­ma Wat­son oder Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin. Lea in­des mach­te ei­nen drit­ten An­lauf und schrieb Ber­lins Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler. Er mel­de­te sich mit ei­nem drei Sei­ten lan­gen Brief zu­rück.

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